Flughafen

Längerer Flugbetrieb - Bund gibt Tegel keine Chance

Berlins Flughafenchef Mehdorn hat eine Debatte über eine längere Öffnung von Tegel entfacht. Nach einem Gutachten des Bundestags soll das auch möglich sein. Das Verkehrsministerium sieht das anders.

Foto: Günter Wicker/Ligatur

Das Bundesverkehrsministerium sieht keine Chance für eine Verlängerung des Betriebs auf dem Berliner Airport Tegel nach Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens. Experten des Ministeriums widersprachen einem vor knapp zwei Wochen von der FDP vorgestellten Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags, das Wege sah, um Tegel zumindest vorübergehend länger offenzuhalten. Das Nachrichtenmagazin „Focus“ zitiert aus einem entsprechenden Vermerk. Darin heiße es, das Gutachten führe zu „falschen Schlüssen“. Und: In der Planung für den neuen Flughafen „wird ausdrücklich die Schließung Tegels als tragende Begründung“ bezeichnet.

Die Beamten von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) schrieben weiter, fiele die Geschäftsgrundlage der Planung weg, dann würde dies in jedem Fall die Rechtswidrigkeit des bestehenden Planfeststellungsbeschlusses mit sich bringen. Ramsauer hatte zuvor bereits gesagt, er sehe wenig Chancen für einen Weiterbetrieb von Tegel. Ähnlich hatten sich die Mitgesellschafter des Flughafens, Berlin und Brandenburg, geäußert. Flughafenchef Hartmut Mehdorn hatte dagegen den Weiterbetrieb angeregt.

Mehrkosten durch Parallelbetrieb

Ein Parallelbetrieb der beiden Flughäfen würde nach einem Gutachten in sechs Monaten rund 50 Millionen Euro kosten. Das gehe aus einer Berechnung des internen Controllings der Flughafengesellschaft von Anfang 2012 hervor, berichtete die „Berliner Zeitung“. Sie stamme aus einer Zeit, als die Betreiber erreichen wollten, dass Tegel noch in der Nacht der Inbetriebnahme des neuen Hauptstadtflughafens geschlossen wird. So wollte die Flughafengesellschaft „erhebliche, vermeidbare Mehrkosten insbesondere für Personal, Anlagen, Fahrzeuge und Geräte“ vermeiden.

Tegel als Notreserve

Das Unternehmen stellte einen Antrag bei der für die Betriebsgenehmigung zuständige Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Damals gingen die Betreiber noch von einer Eröffnung des BER am 3. Juni 2012 aus. Der Senat sollte die Genehmigung für Tegel in dieser Nacht erlöschen lassen, damit die Flughafengesellschaft nicht mehr für den Stadtflughafen zahlen muss.

Doch der Senat lehnte dies ab; Tegel sollte notfalls als Reserve dienen. Deshalb gilt bis heute, dass die Betriebsgenehmigung für Tegel erst sechs Monate nach Eröffnung des BER erlöschen soll. Wann der neue Hauptstadtflughafen an den Start geht, ist weiter offen.