BER-Debakel

Berlins Flughafen-Planer müssen 120 Rügen einstecken

Im Streit um die Baumängel des neuen Hauptstadt-Airports hat die Flughafengesellschaft inzwischen den Architekten gekündigt.

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Zwischen der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) als Bauherrin des neuen Airports in Schönefeld und den inzwischen gekündigten Generalplanern der Projektgruppe BBI hat es in den Monaten vor der geplatzten Eröffnung bereits massive Konflikte gegeben. In den Jahren 2011 und 2012 seien insgesamt rund 120 förmliche Mängelrügen gegenüber der PG BBI durch die FBB ausgesprochen worden. Das teilte die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion mit.

Die Flughafengesellschaft habe den Vertrag mit den Architekten wegen Mängeln in der Ausführungsplanung sowie der mangelhaften Koordinierung und Erbringung der Bauüberwachungsleistungen gekündigt, so die Bundesregierung. Wie berichtet, hat der Flughafen die Projektgesellschaft verklagt, um per Feststellungsklage mögliche Schadensersatzforderungen geltend machen zu können. Die PG BBI habe zwar der Kündigung widersprochen, ihrerseits haben die beteiligten Büros GMP und JSK die Flughafengesellschaft jedoch nicht verklagt.

Großer Unterschied zwischen Planung und Realität

Der Aufsichtsrat, zu dem auch zwei Staatssekretäre aus den Bundesministerien für Bauen und für Finanzen gehören, habe Controlling und Monitoring der technischen Gebäudeausrüstung intensiviert, nachdem im Juni 2010 der ursprünglich vorgesehene Eröffnungstermin vom Oktober 2011 um sieben Monate verschobene worden war, heißt es. Es seien Sonderberichte über die technische Gebäudeausrüstung geschrieben und das Thema in separaten Aufsichtsratsvorlagen laufend dargestellt worden. Wegen unüberwindlicher Schwierigkeiten mit der Gebäudetechnik, insbesondere mit der Brandschutzanlage, musste der Start des Flughafens jedoch abermals vom Juni 2012 auf ein bisher noch unbekanntes Datum verschoben werden. Die Bundesregierung lehnte es in ihrer Antwort ab, den Grünen zu erklären, wieso der Bau des zweiten Terminals am Münchener Flughafen 1,3 Milliarden Euro kosten sollte, man zeitgleich in Berlin aber zu dem Ergebnis gekommen war, das gleich große Terminal in Schönefeld würde nur 650 Millionen kosten. Der dargestellte Kostenvergleich sei „nicht nachvollziehbar“, so die Regierung.

Die Antwort stellt auch dar, wie die Kostensteigerungen für das Gesamtprojekt sich erklären. Zwischen der 2005 geplanten Version und dem, was nun in Schönefeld entstanden ist, gibt es einen großen Unterschied. So wurden unter anderem doppelstöckige Fluggastbrücken, zusätzliche Pavillons und Laufbänder gebaut. Das allein hat 530 Millionen Euro zusätzlich gekostet. Die zusätzliche Betriebsfläche für die Flugzeuge kostete noch einmal 60 Millionen Euro. Wie teuer das Gesamtprojekt werden wird, kann die Bundesregierung noch nicht sagen.