Brandschutztest

Jetzt entscheidet sich die Zukunft für den BER

Auf der Baustelle des Hauptstadtflughafen BER wird die Brandschutzanlage geprüft. Es ist der entscheidende Test für den Eröffnungstermin.

Foto: DAPD

Am Flughafen BER wird seit Dienstagvormittag die Brandschutzanlage einem entscheidenden Test unterzogen. Zwar gab es schon mehrere Prüfungen, bei denen untersucht wurde, wie der giftige Rauch aus den Räumen abgesaugt wird. Doch dieser Test ist der letzte vor der Aufsichtsratssitzung am 16. August. An dem Tag wollen sich Geschäftsführung und Aufsichtsrat verbindlich auf einen neuen Starttermin festlegen. Entsprechend hoch sind die Erwartungen. Allerdings dürfte es auch in etwa so lange dauern, bis die Ergebnisse des Tests feststehen. Für die Auswertung brauche man mindestens zwei bis drei Wochen, heißt es aus Flughafenkreisen.

Der Test läuft unter Volllast ab, bestätigten das brandenburgische Infrastrukturministerium und der für die Baugenehmigung zuständige Landkreis Dahme-Spreewald. Er soll dem neuen Technikchef des Airports, Horst Amann, dazu dienen, ein Gesamtbild zu gewinnen, hieß es aus Kreisen von Projektbeteiligten.

Wie wichtig der Termin und wie groß die Angst vor einem erneuten Scheitern ist, zeigt sich schon allein an der Blockadehaltung der Beteiligten. Keiner will sich mehr öffentlich äußern. Firmen wie Bosch und Siemens, die die Technik liefern, verweisen bei den Fragen an den Flughafen, das Bundesverkehrsministerium ebenso. Und der TÜV will noch nicht einmal bestätigen, dass seine Mitarbeiter beobachtend vor Ort sind.

Zumal nach diesem Dienstag noch längst nicht alle Fragen geklärt sind – selbst wenn der Test besser ablaufen sollte als erwartet. „Der Test ist nur einer von vielen, die alle reibungslos funktionieren müssen“, sagt Martin Delius von den Piraten im Berliner Abgeordnetenhaus und Vorsitzender des Untersuchungsausschusses zum Flughafen.

Insbesondere die Luftfahrtbranche hofft darauf, endlich einen belastbaren Termin genannt zu bekommen. „Es ist selbstverständlich, dass Sicherheit in der Luftfahrt das oberste Gebot ist und dass ein Flughafen ohne ausreichenden Brandschutz nicht in Betrieb gehen darf“, sagt Klaus-Peter Siegloch, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft.

Die Verschiebung und der jetzt sehr viel umfangreichere Flugverkehr in Tegel bedeuteten aber natürlich auch viele Unannehmlichkeiten für die Passagiere und zusätzliche Kosten für die Fluggesellschaften. „Deswegen brauchen wir einen zuverlässigen Termin für die Neueröffnung des BER, auf den sich alle wirklich verlassen können“, sagt Siegloch. „Dafür werden die Tests am BER aufschlussreich sein.“

Fluchtweg sicherstellen

Bei dem sogenannten Heißgasrauchtest wird mit Rauch ein Brandfall simuliert. Mindestens 15 Minuten lang muss dabei eine 2,15 Meter hohe Schicht in dem betreffenden Gebäudeteil rauchfrei bleiben. Auf diese Weise sollen die Passagiere und Mitarbeiter im Falle eines Brandes ausreichend Zeit haben, um sich nach draußen in Sicherheit zu bringen. Das war bei den vergangenen Tests nicht immer gewährleistet.

Rund 300 verschiedene Einzelszenarien muss die Anlage bewältigen. Je nachdem, wo der Brand geortet wird, ob in den Parkhäusern oder dem Terminal, setzt die Anlage automatisch bestimmte Reaktionen etwa bei den Sprinklern und Rauchklappen in Gang. Am heutigen Dienstag wird nun ein Brand im Hauptpier simuliert, die Halle mit Rauch gefüllt.

Laut Flughafen-Sprecher Ralf Kunkel sei die Brandschutzanlage „bislang gut ein Dutzend Mal getestet worden.“ Diese Tests, bei denen jeweils einzelne Funktionen der Anlage getestet werden, soll es auch weiterhin geben. Und zwar ganz unabhängig davon, was der Entrauchungstest ergibt. Bis die Ergebnis bekannt werden, könne es allerdings noch „einige Wochen dauern“, so Kunkel.

Diese Anlage hatte wegen gravierender Mängel schon einmal für die Verschiebung der für Anfang Juni 2012 geplanten Flughafeneröffnung gesorgt. Auch damals war die Entrauchung das Hauptproblem. Rund 3400 Lüftungsklappen müssen in den kilometerlangen Abluftkanälen entsprechend gesteuert werden, rund 80 Ventilatoren für schnellen Luftaustausch sorgen.

Wie komplex der Auftrag an die Prüfingenieure ist, verdeutlichen eindrucksvolle Zahlen: Allein die Firma Bosch hat am Flughafen 19.000 automatische und manuelle Brandmelder eingebaut, die insgesamt mit neun Gefahrenmelder-Zentralen vernetzt sind. Diese wiederum sollen im Brandfall nicht nur das Beschallungs- und Evakuierungssystem Praesideo mit seinen rund 11.500 Lautsprechern ansteuern, sondern müssen auch regeln, dass die richtigen der insgesamt 50.000 Sprinklerköpfe Wasser abgeben, dass Feuerabschlussstore schließen, Aufzüge, Rolltreppen und Gepäckförderanlage entsprechend reagieren und natürlich die Feuerwehr alarmiert wird.

Zweifel an Sicherheit

Unter Bauexperten, die mit der BER-Baustelle vertraut sind, herrscht erheblicher Zweifel, dass dieses Zusammenspiel bereits vollautomatisch funktioniert. „Vor drei Monaten hat es nicht geklappt, wie mittlerweile jeder Berliner weiß“, so ein erfahrener Baufachmann. Da die neuen Planungsverantwortlichen immer noch mit der Sichtung der Unterlagen beschäftigt seien, habe sich daran bislang auch kaum etwas geändert. „Der Ausbauzustand des Flughafens lässt nach wie vor zu wünschen übrig“, heißt es.

Nach derzeitigem Stand werden Mitarbeiter des TÜV am Dienstag nur als Beobachter anwesend sein, aber keine Rolle als Gutachter übernehmen. Diese alles entscheidende Prüfung findet erst am Ende statt, wenn der Bau abgeschlossen ist. Das soll nach derzeitigem Planungsstand im Dezember passieren. Auf Basis dieses Gutachtens beurteilen die Mitarbeiter des Bauamts die Anlage und erteilen gegebenenfalls ihre Genehmigung. Genau daran ist die ursprünglich für den 3. Juni geplante Eröffnung auch gescheitert.

Der Flughafen wollte bei technischem Versagen Menschen einsetzen. Sie hätten unter anderem dann einspringen sollen, wenn die Türen nicht wie gewünscht öffnen und schließen. Doch dem Plan erteilte die Genehmigungsbehörde eine Absage. „Keiner konnte ernsthaft glauben, dass eine so komplexe Brandschutzanlage während des Flugbetriebs nachträglich eingebaut und getestet werden kann“, sagt Renate Künast, Fraktionschefin der Grünen im Bundestag. Aber keiner habe das Thema Flughafen-Bau ernst genommen. „Alle haben sich darauf verlassen, dass das schon irgendwie klappen wird. Doch die Rechnung ging am Ende nicht auf“, so Künast.