Die Flughafengesellschaft hat am Mittwoch die Verträge mit der Projektgemeinschaft Flughafen Berlin Brandenburg International (PG BBI) gekündigt. Und das mit sofortiger Wirkung. Das teilte das Unternehmen mit. Dieser Schritt war bereits nach Bekanntwerden der Verzögerungen beim neuen Hauptstadtairport "Willy Brandt" in Schönefeld vom Aufsichtsrat angekündigt worden. "Grund der Kündigung ist insbesondere die mangelhafte Koordinierung der Bauüberwachungsleistungen", heißt es wörtlich in einer Mitteilung. Zur Projektgemeinschaft gehören J.S.K International Architekten, die Ingenieur GmbH und die gmp Generalplanungsgesellschaft.
Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), Aufsichtsratvorsitzender der Flughafengesellschaft, hatte in der vergangenen Woche im Abgeordnetenhaus die Schuld an der BER-Panne der für die Planung des Bauablaufes und die Kontrolle der Fortschritte zuständigen PG BBI um das Büro der Terminal-Architekten Gerkan Marg und Partner zugeschoben. „Wesentliche Verzögerungen sind entstanden durch die Planer“, sagte Wowereit.
Im Einzelnen seinen folgende Verträge gekündigt worden, heißt es in einer kurzen Pressemitteilung der Flughafengesellschaft: die Entwurfs- und Ausführungsplanung für das BER-Terminal, die Bauüberwachung für das Terminal sowie Planung und Bauüberwachung für die betriebsspezifischen Gebäude.
Die Flughafengesellschaft, die Berlin, Brandenburg und dem Bund gehört, werde nun mit ihrem 100 Mitarbeiter zählenden Bereich Planung und Bau Teile der Bauüberwachung selbst übernehmen. Mit Firmen, die bislang Aufträge von PG BBI erhalten hatten, sollen "Gespräche zur Weiterführung einzelner Arbeitspakete" aufgenommen werden.
Kein Flug in Berlin muss ausfallen
Derweil heißt es, nach dem geplatzten Eröffnungstermin für den neuen Hauptstadtflughafen könnten alle dafür vorgesehenen Flüge über die alten Airports Tegel und Schönefeld abgewickelt werden. Das meldete die Flugplankoordination der Bundesrepublik Deutschland am Mittwoch. Die Zusage betreffe auch das von den beiden großen Gesellschaften Air Berlin und Lufthansa geplante Zusatzprogramm. „Zwangsverlegungen“ von Tegel nach Schönefeld seien nicht erforderlich. weitere Einzelheiten wurden bislang allerdings nicht genannt.
Wie schon vor der entscheidenden Koordinierungssitzung am Dienstag schränkte die Behörde jedoch ein, diese Zusage gelte „auf der Basis der von der Flughafengesellschaft – unter Ausschöpfung aller Möglichkeiten – zur Verfügung gestellten Kapazitäten“. Dazu gehört auch eine Einschränkung des Nachtflugverbots in Tegel um je eine halbe Stunde abends und morgens. Es würde dann nur noch von 23.30 bis 5.30 Uhr gelten. Eine offizielle Aussage zu diesem Punkt werde für den heutigen Mittwochabend erwartet. Zuständig ist der Berliner Stadtentwicklungs- und Verkehrssenat.
Bundestag verärgert über Heimlichtuerei
Parteiübergreifend verärgert haben sich Mitglieder des Bundestags-Verkehrsausschusses über die Weigerung der Berliner Flughafen-Betreibergesellschaft FBB geäußert, einen Bericht an den Aufsichtsrat herauszugeben. Der Bericht enthält möglicherweise Indizien zu der Frage, wer in der FBB deutlich vor der offiziellen Verschiebung der Eröffnung des neuen Flughafens von den unfertigen Brandschutzanlagen wusste und so Aufsichtsrat und Öffentlichkeit über den wahren Stand der Arbeiten täuschte.
Die FBB beruft sich dabei auf Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse. In der Ausschusssitzung am Mittwoch wurde auch der vom Bundesverkehrsministerium vorgeschlagene Kompromiss kritisiert, den Bericht in der Geheimschutzstelle des Bundestages auszulegen, was eine Diskussion ebenfalls unmöglich machen würde. Koalitionskreise bemängelten, dass der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (SPD), zum wiederholten Mal trotz Ladung nicht vor dem Ausschuss erschien und für Auskünfte auf Verkehrsstaatssekretär Rainer Bomba (CDU) verwies.
dapd/sei

