BER-Chaos

Fluggesellschaften wollen nicht von Schönefeld starten

Lufthansa und Air Berlin wollen in Tegel bleiben. Sie hoffen, dass andere Fluggesellschaften Platz machen.

Die Fluggesellschaften bestehen darauf, ihr ausgeweitetes Streckenangebot ab Juni ausschließlich von Berlin-Tegel aus abwickeln zu können. „Wir weichen nicht nach Schönefeld aus“, sagt Hartmut Mehdorn, Chef von Air Berlin. Dort sei es zu eng. „Da will man doch keine internationalen Gäste empfangen. Da lässt ja auch ein Stück weit die DDR noch grüßen.“ Auch für die Lufthansa kommt es nicht infrage, in Berlin von zwei verschiedenen Flughäfen aus zu starten. „Wir werden ab dem 3. Juni wie geplant unser größeres Programm anbieten“, sagte Lufthansa-Chef Christoph Franz. Er geht davon aus, dass dies in Tegel auch möglich sein wird.

Doch das stellt die Flughafengesellschaft vor ein schwer zu lösendes Problem. Tegel ist jetzt schon am Rande seiner Leistungsfähigkeit. Zudem weiten Air Berlin und Lufthansa ihr Angebot Anfang Juni stark aus. Grund war die geplante Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER. Beide Airlines hoffen nun, dass andere Fluggesellschaften Platz machen und ihre Flieger nach Schönefeld verlegen. Doch Air France schloss dies bereits aus.

Am Donnerstag soll über die Slots entschieden werden

Spannend ist nun die Entscheidung der Flugplankoordination am Donnerstag. Die Teilnehmer der Konferenz entscheiden über die Vergabe der Slots, also der Zeitfenster für Starts und Landungen. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte indes seine Teilnahme an zwei Veranstaltungen ab, an denen die Gründe für das BER-Desaster geklärt werden sollten. Im Hauptausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses sollen unter anderem die finanziellen Folgen diskutiert werden. Darüber hinaus wollen auch die Mitglieder des Verkehrsausschusses im Bundestag Informationen zum Airport-Desaster einholen.

Trotz Einladung der jeweiligen Ausschussmitglieder werden beide Termine ohne Wowereit stattfinden. Er nimmt stattdessen am gleichzeitig stattfindenden Energiegipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teil und sei wegen eines anschließenden Staatsbesuchs verhindert, ließ er mitteilten.

Auf Bundesebene zieht der BER-Skandal weite Kreise. „Obwohl Staatssekretär Rainer Bomba in der letzten Sitzung den Controlling-Bericht der Flughafengesellschaft zugesagt hatte, dürfen die Parlamentarier diesen nun nur in der Geheimschutzstelle des Bundestages einsehen“, erklärte Stephan Kühn, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion. Dies sei ein „untragbarer Zustand“. Dadurch seien kritische Äußerungen in der Öffentlichkeit ausgeschlossen.

CDU-Fraktion fordert sicheren Eröffnungstermin

Aus Sicht der Berliner CDU-Fraktion sind vier Maßnahmen nötig, um sicherzustellen, dass die Eröffnung im März klappt. So solle als Erstes eine Sonderkommission bei der Senatskanzlei gebildet werden, die sich mit allen Fragen zum BER befasst – nach dem Vorbild des Bundesverkehrsministeriums. Die Soko soll unter anderem die Berichte der Flughafengeschäftsführung an Berlin als Gesellschafter des Flughafens prüfen.

Die CDU-Fraktion fordert zudem alle sechs Wochen einen Bericht über den Projektfortschritt an das Parlament. Ferner soll der Senat einen Hilfsfonds einrichten. Damit soll Gewerbetreibenden geholfen werden können, die durch die verspätete Eröffnung wirtschaftliche Probleme bekommen. Zur Finanzierung schlägt die Union Mittel aus dem Haushalt für Entschädigung sowie eine Beteiligung der Investitionsbank Berlin vor.

Als letzte Maßnahme will die CDU dafür sorgen, dass die „Drehkreuzfunktion“ des BER zwischenzeitlich auch in Tegel geleistet werden kann. In „begründeten Ausnahmefällen“ müssten dafür etwa Genehmigungen für Flüge in den Tagesrandzeiten erfolgen, die beim BER innerhalb der Betriebszeiten liegen, in Tegel aber nicht. Eine generelle Ausweitung der Flugzeiten lehnt die CDU-Fraktion aber ab.