Flughafen-Debakel

BER-Händler bleiben größtenteils auf Schaden sitzen

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Den Händlern am BER drohen durch die verschobene Eröffnung herbe Verluste. Viele müssen Personal entlassen und Waren stornieren.

Das Debakel um die spätere Eröffnung des neuen Hauptstadt-Airports BER in Schönefeld wird alle Beteiligten viel Geld kosten: die Flughafengesellschaft, die Länder Berlin und Brandenburg, die Fluggesellschaften, aber auch die Händler am neuen Flughafen. Konkrete Zahlen will Flughafen-Chef Rainer Schwarz zwar erst Mitte Juni vorlegen, doch intern wird mit Mehrkosten in dreistelliger Millionenhöhe gerechnet. Das könnte laut Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sogar den Kreditrahmen sprengen. Und die Gewerbetreibenden am neuen Flughafen werden wohl größtenteils auf ihrem Schaden sitzen bleiben.

Vertragsklauseln verhindern Schadensersatz

Viele von ihnen hatten mit Blick auf den Eröffnungstermin Anfang Juni bereits neue Mitarbeiter eingestellt und Ware geordert, die nach der Verschiebung auf den 17. März 2013 nun mit großen Verlusten storniert werden muss. Händler und Gastronomen haben jedoch zumeist eine Klausel in ihren Verträgen, dass sie bei einer späteren BER-Eröffnung von bis zu 18 Monaten keinen Anspruch auf Schadenersatz haben. Wowereit, der auch Aufsichtsratschef ist, betonte allerdings im Verkehrsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses, dass es auf jeden Fall eine Härtefallregelung geben müsse. Dies sei der Geschäftsführung auch so gesagt worden.

Aber auch die Länder Berlin und Brandenburg sind in Not: Wowereit verwies auf einen deutlich geschrumpften Puffer der Flughafengesellschaft beim Kreditrahmen von 2,4 Milliarden Euro. „Wir sind da an der Kante. Und ich kann nicht ausschließen, dass die Kante auch übersprungen wird“, sagte Wowereit. Erstmalig sprach er auch davon, dass die Flughafen-Gesellschafter möglicherweise frisches Geld in das BER-Projekt pumpen müssen. Bislang hätten sich die Länder Berlin und Brandenburg und der Bund lediglich mit 440 Millionen Euro an dem Milliardenprojekt beteiligt. Auf Berlin entfällt dabei ein Anteil 180 Millionen Euro. Nach Möglichkeit soll die Flughafengesellschaft aber steigende Kosten durch eigene Erträge ausgleichen, so Wowereit.

Terminalgebäude deutlich teurer

Doch die hat mit erheblichen Finanzproblemen zu kämpfen. So sollen die Gesamtkosten für den Flughafenneubau von ursprünglich 2,4 Milliarden auf inzwischen fast drei Milliarden Euro gestiegen sein. Allein für das Terminalgebäude, das in der Vergangenheit mehrfach umgeplant und durch Anbauten vergrößert wurde, rechnen Bauexperten mit einer Verdoppelung der Kosten auf 1,2 bis 1,4 Milliarden Euro. Ursprünglich waren 630 Millionen Euro veranschlagt.

In der Rechnung noch nicht enthalten sind Schadenersatz-Ansprüche, etwa der betroffenen Airlines. Schwarz räumte ein, dass nicht alle im Flugplan vorgesehenen Flüge von Tegel auch stattfinden könnten. Dazu gebe es „kein absolutes Ja“.

Weil der neue BER-Airport erst 2013 eröffnet werden soll, müssen die beiden alten Flughäfen fast zehn Monate länger als ursprünglich geplant in Betrieb bleiben. Noch lägen jedoch keine Forderungen von Fluggesellschaften oder anderen Unternehmen vor, sagte Flughafen-Chef Schwarz. Erste Schätzungen gehen von Zusatzkosten für die Flughafengesellschaft in Höhe von 15 Millionen Euro pro Monat aus.

Sowohl Air Berlin als auch die Lufthansa haben angekündigt, den Mehraufwand in Rechnung zu stellen. Die Flughafengesellschaft will jedoch die Forderungen mit dem Geld verrechnen, das die Airlines sparen, weil sie in Tegel und Schönefeld vorerst nicht die höheren BER-Start-und-Lande-Gebühren zahlen müssen.

Alle Informationen rund um den neuen Berliner Flughafen BER im Special von Morgenpost Online – hier.