TÜV-Protokoll

Mängel am BER waren seit Monaten bekannt

Unterlagen belegen, wie Probleme beim Bau des Flughafens vertuscht wurden. Laut einem Bericht soll der BER erst 2013 in Betrieb gehen.

Foto: DAPD

Wie desolat die Lage auf Berlins größter und teuerster Baustelle, dem Hauptstadtflughafen BER, tatsächlich ist, das hätte der Geschäftsführung und dem Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft spätestens Ende Februar endgültig klar sein müssen.

In einem Protokoll des TÜV Rheinland, das Morgenpost Online vorliegt, stellen die Sachverständigen unmissverständlich fest, dass die Betriebssicherheit des Flughafens aufgrund zahlreicher Mängel und fehlender Unterlagen bis zum geplanten Eröffnungstermin 3. Juni nicht mehr bescheinigt werden kann.

Ernst zu nehmende Warnungen kamen auch von anderer Seite: In einem „Management Letter“, einem Problembericht, den die Unternehmensberatung McKinsey Anfang März direkt an Flughafenchef Rainer Schwarz schickte, machten die Experten deutlich, dass der vorgesehene Umzugstermin nicht zu halten sei.

„Bild“: BER geht erst 2013 in Betrieb

Die „Bild“-Zeitung berichtet am Mittwoch, dass der neue Hauptstadtflughafen erst 2013 in Betrieb gehen wird. Das Bauordnungsamt in Königs Wusterhausen habe eine Übergangslösung für die Sicherheitstechnik abgelehnt. Dazu zählt unter anderem der manuelle Betrieb von Sprinkleranlagen oder Türen.

Die Zeitung zitiert einen Flughafen-Bereichsleiter: „Eine vollautomatischen Betrieb werden wir so schnell nicht hinkriegen. Damit ist eine Eröffnung 2012 ausgeschlossen.“ Sinnvoll sei deshalb nur ein Termin zum Start des Sommerflugplans Ende März 2013.

Bereits am 28. Februar hatten die TÜV-Experten festgestellt, dass aufgrund der späten Fertigstellung die notwendigen „Wirk-Prinzip-Prüfungen“ der Brandmeldeanlagen „nicht bis zum 3. Juni durchführbar“ sind. Neben bereits früher angezeigten Mängeln an den für den Brandschutz wichtigen Luft-Umwälzpumpen, Wasser-Sprinklern und Entrauchungsklappen wird von den Sachverständigen auf „40 Bedenkanzeigen“ verwiesen.

Zudem bemängeln die Sachverständigen, dass zahlreiche Daten und Unterlagen trotz mehrmaliger Nachfrage nach wie vor fehlen. Ohne diese könne jedoch keine abschließende Bewertung der Sicherheitsbelange am Flughafen vorgenommen werden.

Und dies sei nicht etwa nur das Problem in einem Teilbereich des Flughafens. „Dies betrifft alle angeschlossenen Gebäude des BER“, heißt es in dem Schreiben, das sowohl der Flughafengesellschaft als auch der koordinierenden Planungsgruppe (PGBBI) zugestellt wurde.

"Interimsweise Mensch-Maschine-Kopplung"

Wie ernst die Bedenken der TÜV-Prüfer genommen wurden, zeigt eine Krisensitzung, die unmittelbar am Folgetag, dem 29. Februar, stattfand. Im Protokoll über das Treffen von Technikchef Manfred Körtgen mit Vertretern aus der brandenburgischen Staatskanzlei sowie der Bauaufsichtsbehörde des Landkreises Dahme-Spreewald ist vermerkt, dass „der verbleibende Zeitrahmen bis zur anstehenden Inbetriebnahme als kritisch“ angesehen wird. Die Flughafenbetreiber äußerten die Absicht, die Brandschutzanlagen so lange von zusätzlich einzustellenden Mitarbeitern betreiben zu lassen, bis deren eigentlich automatische Steuerung sicher funktioniere und behördlich abgenommen sei. Offenbar war den Verantwortlichen bereits damals klar, dass eine Lösung des Problems noch in weiter Ferne liegt: Diese „interimsweise Mensch-Maschine-Kopplung“ sollte so lange andauern, bis voraussichtlich im vierten Quartal 2012 die Brandmeldezentrale endlich in Betrieb und überprüft sei. Die Flughafengesellschaft wollte auf Nachfrage dazu keine Stellung nehmen und verweist auf die außerordentliche Sitzung des Aufsichtsrats am heutigen Mittwoch.

Die Fluglinie Air Berlin forderte Schadenersatz von der Flughafengesellschaft. Er gehe davon aus, dass der Flughafen alle Mehrkosten trage, sagte der Vorstandsvorsitzende Hartmut Mehdorn. Am heutigen Mittwoch will der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft nun über personelle Konsequenzen aus dem BER-Desaster beraten. Zudem soll über einen neuen Eröffnungstermin beraten werden.