Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin fordert nach der verschobenen Eröffnung des neuen Berliner Großflughafens BER Schadenersatz der Flughafen-Betreibergesellschaft – deren Gesellschafter wiederum die Länder Berlin und Brandenburg sowie der Bund sind.

Air Berlin gehe davon aus, dass der Flughafen die Mehrkosten trage, sagte der Vorstandsvorsitzende Hartmut Mehdorn. „Wir werden diese Kosten nicht übernehmen“, erklärte er. Eine Summe nannte Mehdorn nicht. „Das wäre nur Scharfmacherei“, sagte er. Air Berlin will sich binnen zehn Tagen Klarheit über die zusätzlichen Kosten durch die kurzfristige Absage des Flughafenstarts verschaffen.

Die erneute Verzögerung für den Flughafenstart habe Air Berlin völlig überrascht, sagte Mehdorn. „Am schlimmsten an dem Thema ist, dass wir es erst drei Wochen vorher erfahren haben.“

Der Berliner Senat hielt sich derweil mit einem Kommentar zurück. Bevor man Aussagen treffe, müsse erst das gesamte Ausmaß der Schadenersatzforderungen klar sein, sagte Senatssprecher Richard Meng im Anschluss an die Kabinettssitzung. Die Höhe der Forderungen hänge auch stark davon ab, wie lange die Eröffnung verschoben werden müsste. Deshalb sei die Flughafengesellschaft jetzt „am Zug“.

Auch die Berliner Autofahrer werden die Verzögerung zu spüren bekommen. In den kommenden Wochen müssen sie sich auf einen „Flugverkehr“ der ganz besonderen Art einstellen. So muss Air Berlin Kerosin aus ihrem neuen Tanglager in Schönefeld nach Tegel bringen.

Dies dürften erhebliche Mengen sein, da Air Berlin sein Hauptgeschäft in den Sommermonaten abfliegt. Außerdem müssen Ersatzteile für die Wartung bei Bedarf wieder nach Tegel gebracht werden, da das Ersatzteillager auf dem alten Westberliner Flughafen bereits größerenteils aufgelöst ist.

Auch der Air-Berlin-Konkurrent Lufthansa, Deutschlands größte Fluglinie, will die Flughafengesellschaft in die Pflicht nehmen. Lufthansa-Vorstand Carsten Spohr hatte Morgenpost Online gesagt: „Am Ende wird eine große Rechnung auf die Berliner Flughäfen zukommen. Wir brauchen zum Beispiel zusätzliches Personal, um die Passagiere umzubuchen und in Tegel angemessen zu betreuen. Wir haben immerhin täglich bis zu 20.000 Lufthansa-Gäste in Tegel.“

Mit der Eröffnung des Hauptstadtflughafens dürfen die Betreiber aus Sicht von Air Berlin nicht bis 2013 warten. „Davon halte ich überhaupt nichts“, sagte Mehdorn. „Wir brauchen den Flughafen so schnell wie möglich, Tegel reicht nicht mehr.“ Air Berlin will, dass der Airport Ende Oktober beim Wechsel vom Sommer- zum Winterflugplan in Betrieb geht.

Air Berlin hat im ersten Quartal trotz höherer Treibstoffkosten den Verlust verringert. Das Sparprogramm zeige Wirkung, teilte das Unternehmen mit. Bei einem um vier Prozent auf 812,9 Millionen Euro gestiegenen Umsatz verringerte sich der operative Verlust (Ebit) auf 149,3 Millionen Euro von minus 188,3 Millionen vor Jahresfrist. Unter dem Strich blieb Fehlbetrag von 102,9 Millionen Euro nach zuvor minus 120,6 Millionen. Dabei profitierte das Unternehmen von einem Steuerertrag von 50 Millionen Euro.

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dapd/dpa/Reuters/dino