Die Berliner Autofahrer müssen sich in den kommenden Wochen auf einen „Flugverkehr“ der ganz besonderen Art einstellen. Wegen der Verschiebung der Eröffnung des neuen Großflughafens in Berlin-Schönefeld muss zum Beispiel die Air Berlin Kerosin mit Tanklastern aus ihrem neuen und mittlerweile gut gefüllten Tanklager von Schönefeld nach Tegel bringen.
„Wir müssen einen Transfer von Treibstoff von BER nach Tegel machen“, sagte Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn bei der Vorstellung der Ergebnisse für das erste Quartal 2012. Dies dürften erhebliche Mengen sein, da Air Berlin sein Hauptgeschäft in den Sommermonaten abfliegt. Außerdem müssen die Berliner Ersatzteile für die Wartung ihrer Flugzeuge bei Bedarf wieder nach Tegel bringen, da sie ihr Ersatzteillager auf dem alten West-Berliner Flughafen bereits größtenteils aufgelöst haben. „Auch hier müssen wir einen Shuttle-Service organisieren“, sagte Mehdorn.
Beim Konkurrenten Lufthansa dürfte es ähnliche Überlegungen geben, zumal die größte deutsche Airline plant, sechs neue Flugzeuge fest in Berlin zu stationieren. Mehdorn rechnet deshalb damit, dass es in Tegel beim nächtlichen Parken der Maschinen „eng werden wird“.
Mehdorn fordert Verstärkung bei Gepäckverteilung
Zudem forderte er von der Flughafengesellschaft „Verstärkung bei Gepäckhandling“, da dieses bisher in Tegel händisch gemacht worden ist. Air Berlin hatte im Vorfeld des Umzuges in einem provisorischen Terminal bereits sogenannte Umsteigerverkehre organisiert. Fluggäste aus Skandinavien wurden zum Beispiel nach Berlin geflogen und mussten dort umsteigen, um an ihren Urlaubsort in Spanien oder in der Türkei weitertransportiert zu werden. Die Koffer wurden dann von Hand von einem Flugzeug ins andere umgeladen.
Mehdorn kündigte an, dass die Air Berlin von der Flughafengesellschaft Schadenersatz fordern und zusätzliche Betriebskosten in Kürze in Rechnung stellen wird. „Wir gehen davon aus, dass der Flughafen die finanziellen „Schäden durch die Panne reguliert.“ Eine Summe nannte er nicht. Es werde aber „nicht ganz billig“. Der Air-Berlin-Chef erneuerte seine Forderung, dass der neue Großflughafen „Willy Brandt“ nach Ablauf des Sommerflugplans, also Ende Oktober 2012, eröffnet werden soll.
Von Diskussionen in der Hauptstadt, den Airport erst im Frühjahr 2013 zu eröffnen, hält Mehdorn indes überhaupt nichts: „Wir wollen den neuen Flughafen möglichst schnell haben.“ Über einen Termin entscheidet möglicherweise der Aufsichtsrat der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH bei seiner Sitzung am heutigen Mittwoch. Air Berlin konnte unterdessen zwischen Januar und Ende März einen saisontypischen Verlust dank des Spar- und Schrumpfkurses spürbar eindämmen. Im Zuge des Sanierungskurses werden derzeit die Flotte und das Streckennetz verkleinert. Der Verlust belief sich trotz stark gestiegener Kerosinkosten bei einem Umsatz von knapp 813 Mio. Euro auf 103 Mio. Euro. Das sind rund 15 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
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