BER

Für Wowereit ist Verschiebung eine „mittlere Katastrophe“

Nicht nur der Brandschutz, auch andere Bereiche von Check-in über Zoll bis Boarding sollen nur zu 52 Prozent fertiggestellt sein.

Der neue Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg wäre einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Focus“ zufolge auch mit funktionierender Brandschutzanlage am 3. Juni nicht startklar gewesen.

Der Berliner Stadtentwicklungsverwaltung liegt demnach ein Bericht von Experten eines Münchner Unternehmens aus dem April vor, wonach wichtige Bereiche von Check-in über Zoll bis Boarding und Bodenverkehr nur zu 52 Prozent betriebsbereit sind. Die Firma ist für den Probebetrieb am neuen Flughafen mitverantwortlich.

Ein Flughafensprecher bestätigte die Existenz des Berichts. Nach seinen Angaben funktionieren 52 Prozent der Prozesse zu 100 Prozent. Der Rest sei „nicht immer zuverlässig“, die Probleme hätte man aber durch andere Maßnahmen in den Griff bekommen und den Flughafen termingemäß eröffnen können. Eine Sprecherin der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung konnte nicht bestätigen, dass der Bericht ihrer Behörde vorliegt.

Nach der verpatzten Eröffnung des Airports erhöht Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) den Druck auf das Flughafen-Management. Im „Focus“ forderte Ramsauer „eine wasserdichte Projektplanung“ sowie einen genauen Terminplan, der auch wirklich eingehalten werden könne. „Die Pannenserie muss endlich ein Ende haben“, sagte der CSU-Politiker.

„Es geht beim BER schließlich um ein international renommiertes Großprojekt und nicht um den Bau einer Pommes-Bude.“

Wowereit bei Flughafen-Fest: Neuer Termin nicht in Sicht

Ein neuer Termin für die Eröffnung des Hauptstadtflughafens ist nicht in Sicht. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte am Samstag bei einem Tag der offenen Tür auf der Flughafenbaustelle in Schönefeld, er hoffe, dass nach der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch ein „neuer, belastbarer Termin“ bekanntgegeben werden könne. Wowereit ist zugleich Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft.

Ursprünglich war für Anfang nächster Woche angekündigt worden, einen neuen Termin zu nennen. Luftfahrtexperten halten eine Festlegung selbst am Mittwoch für unrealistisch.

Trotz der Ungewissheit: Berliner und Brandenburger lassen sich die Vorfreude auf ihren neuen Grossflughafen nicht verderben. Zwar war die Besucherzahl bei den Publikumstagen anfangs überschaubar. Doch um die Mittagszeit standen die Leute Schlange vor den Fressbuden.

An bissigen Kommentaren mangelt es indes nicht. Beim Rundgang um das Terminal staunen die Besucher, an wie vielen Stellen noch gebohrt und gehämmert wird. „Das hätten die doch nie geschafft“, hört man immer wieder. „Die Mängel beim Brandschutz sind doch nur vorgeschoben", sagt Krasno Jarsk. Er arbeitet in einer Baufirma und ist mit Freunden gekommen, um sich ein Bild vom BER zu machen. „Der Rückstand bei den Bauarbeiten ist offensichtlich.“

Auf dem Vorfeld nehmen es die Leute gelassen. Sie bestaunen das Löschfahrzeug Panther 7, das durch Feuer fahren kann, und lassen sich von der Bundespolizei die Technik an der Sicherheitsschleuse erklären. Vor allem Kinder haben ihren Spaß. Sie klettern in das Innere einer alten Condor und in einen Hubschrauber.

Personelle Konsequenzen angekündigt

Wowereit schließt ein personelles Nachspiel wegen des verpatzten BER-Starts nicht aus. Man werde die gemachten Fehler aufarbeiten „und gegebenenfalls müssen auch Konsequenzen gezogen werden“, sagte Wowereit. Er schloss dabei aus, dass ein Mitarbeiter aus dem „unteren Bereich“ für die Chefs geopfert werde.

Wowereit entschuldigte sich erneut für die Probleme bei der Fertigstellung, die er als „mittlere Katastrophe“ bewertete.

Flughafen-Chef Rainer Schwarz, der ebenfalls auf der Veranstaltung sprach, drückte sein Bedauern über die Verzögerung aus. Man habe das Flughafen-Fest „unter anderen Vorzeichen geplant“. Am Ende des Tages fehle aber eine funktionierende Brandschutzanlage. Weitere technische Mängel seien zwar vorhanden, hätten der für 3. Juni geplanten Eröffnung allerdings nicht im Weg gestanden.

Air Berlin hält an Wachstumsplänen in der Hauptstadt fest

Ungeachtet der verschobenen Eröffnung des Berliner Großflughafens hält Air Berlin an seinen Wachstumsplänen in der Hauptstadt fest. Im Sommerprogramm biete das Unternehmen in Berlin acht Prozent mehr Kapazität an, sagte Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn am Sonnabend. Obwohl der Weiterbetrieb am Flughafen Tegel mit Abstrichen beim Service verbunden sei, solle das Flugprogramm einschließlich aller neuen Ziele umgesetzt werden.

Das Flugprogramm sei auf 1500 Starts und Landungen pro Woche erhöht worden, sagte Mehdorn. Es werde derzeit intensiv an der Anpassung des Programms auf die Infrastruktur in Tegel gearbeitet.

Zahlreiche Prozesse, die am neuen Flughafen in Schönefeld automatisiert seien, müssten in Tegel per Hand bewältigt werden wie die Gepäckverladung, sagte der Manager. Trotz der enormen Arbeitsbelastung sei Air Berlin zuversichtlich, die besondere Herausforderung bewältigen zu können.