Der neue Hauptstadtflughafen in Berlin-Schönefeld sollte nach Ansicht von Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn frühestens im Oktober 2012 eröffnet werden. Er wünsche sich den Umzug erst nach Abschluss des Sommerflugplans, der „in Deutschland und Europa nicht im August, sondern im Oktober endet“, sagte Mehdorn am Freitag in Berlin. Nach Einschätzung von Berlins Verkehrssenator Michael Müller (SPD) verfügt der Flughafen Tegel über Kapazitäten zur Abwicklung aller Flüge in den bisher geltenden Flugzeiten.

Die für 3. Juni geplante Inbetriebnahme des neuen Flughafens war am Dienstag aus sicherheitstechnischen Gründen auf einen noch unbestimmten Termin verschoben werden. Die Flughafengesellschaft will nach eigenen Angaben am Montag die Öffentlichkeit über weitere Schritte informieren. Vor diesem Hintergrund sagte Air-Berlin-Sprecher Uwe Berlinghoff, für Fluggesellschaften sei es quasi unmöglich, mitten im Sommerbetrieb den Flughafen zu wechseln.

Am Flughafen Tegel wird es eng

Mehdorn zeigte sich über die verschobene Eröffnung „verärgert und verschnupft“. Der erste Groll sei aber weg. Jetzt müsse man mit den Realitäten umgehen, sagte der Airline-Chef. Die Fluggesellschaft habe Arbeitsgruppen gebildet, um die Konzentration ihrer Flüge auf den Flughafen Tegel zu organisieren. „Das ist eine große logistische Herausforderung, die wir meistern werden“, sagte der Manager.

Ungeachtet der derzeitigen Schwierigkeiten bekannte sich der Air-Berlin-Chef zum Standort Berlin: „Wir freuen uns auf den neuen Flughafen und werden dort unser Drehkreuz weiter ausbauen.“

Müller dringt auf schnelle Terminfindung

Verkehrssenator Müller bezeichnete die Verspätung der Flughafeneröffnung als „peinliche Schlappe“. Jetzt müsse möglichst bald ein verlässlicher Termin gefunden werden. Die Fluggesellschaften favorisierten Oktober als neuen Eröffnungstermin, die Serviceunternehmen säßen dagegen schon auf gepackten Koffern. „Hier müssen wir einen Ausgleich finden“, sagte Müller.

Zur Forderung von Air Berlin, längere Flugzeiten in Tegel zu ermöglichen, sagte Müller: „Tegel platzt aus allen Nähten.“ Er gehe aber davon aus, dass alle Flüge in Tegel zu den bisher geltenden Flugzeiten durchgeführt werden können.

In Tegel herrscht ein Nachtflugverbot von 23.00 bis 6.00 Uhr. Air Berlin und Lufthansa bieten ab diesem Sommer ab Berlin zahlreiche neue Flugverbindungen an, die bis zur Inbetriebnahme des neuen Flughafens in Schönefeld nun in Tegel abgewickelt werden müssen.

dpad/ap