Flughafen-Panne

Experten glauben an weitere Schwachstellen am Flughafen BER

Nach Ansicht eines Flughafenexperten ist der Brandschutz nur die erste Schwachstelle des Großbauvorhabens, die ans Licht gekommen ist.

Foto: DAPD

Es gibt immer mehr Hinweise, dass die Flughafenführung die Mängel beim Brandschutz unterschätzt hat. Bis zuletzt soll es laut Informationen aus Sicherheitskreisen Pannen bei den Notfallübungen gegeben haben. Diese wurden angeblich regelmäßig abgebrochen, wenn eine Katastrophensituation wie etwa Feuer oder Rauch im Terminal ausgelöst wurde. Probleme bereiteten dann nicht nur die Entrauchungsanlage, sondern auch Türen. Diese mussten teils per Hand bedient werden. Zudem sollen die Leuchtstreifen im Boden, die den Weg nach draußen weisen, nicht richtig funktioniert haben.

Erst Mitte April wurden daher 700 zusätzliche Sicherheitskräfte bestellt, um die Mängel bei der Technik auszugleichen. So soll unter anderem das Zugangskontrollsystem nicht einwandfrei funktioniert haben. Dieses hätte anhand der Iris im Auge erkennen sollen, ob die Person Zugang zu einem bestimmten Bereich im Terminal hat. Doch das Gerät fiel offenbar immer wieder aus. Zusätzliche Wachen sollten daher an der Schleuse sitzen und die Personen anhand ihres Ausweises kontrollieren. Im Fall einer Evakuierung des Terminals hätten weitere Wachen zudem die Türen öffnen und den Passagieren den Weg nach draußen weisen sollen.„Es ist bekannt gewesen, dass es Probleme mit dem Brandschutz gibt“, sagt Michael Zehden, Mitglied im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft. „Aber immer mit der Maßgabe, dass sie bis zur Eröffnung behoben würden. Es war zu keinem Zeitpunkt davon auszugehen, dass es zu Verzögerungen der Eröffnung kommen würde.“

Dass eine rechtzeitige Genehmigung für den Betrieb des BER am Brandschutz scheitern könnte, wussten die Verantwortlichen aber spätestens seit dem 4. April. Dies bestätigte Stephan Loge (SPD), Landrat des Landeskreises Dahme-Spreewald. Die Flughafengesellschaft habe bei der Bauaufsicht des Landkreises vor mehr als einem Monat einen „Antrag auf Nutzung vor Fertigstellung“ gestellt. Ein normaler Vorgang, so Loge, weil bis zur Eröffnung nicht alle in der ursprünglichen Baugenehmigung enthaltenen Bauten fertiggestellt werden. Eben wegen der Abweichungen von der Ursprungsplanung müsse die Behörde aber auch „besonders hohe Ansprüche“ an die Sicherheitseinrichtungen anlegen, so der Landrat. „Uns war klar, dass es sich um eine absolut angespannte zeitliche Situation handelt. Das haben wir auch sehr deutlich gemacht.“

Nach Einschätzung der Behörde hätten spätestens bis zum 21. Mai alle Unterlagen vorliegen müssen, um grünes Licht für den Betrieb zu geben. Dafür müssten alle Anlagen von den Brandmeldern über Schutztüren und Sprinkler bis zur Entrauchungsanlage fertig gebaut, vernetzt, erprobt, vom TÜV abgenommen und zertifiziert sein. Nach Loges Informationen war zuletzt nicht einmal der erste Punkt vollständig erfüllt. Bei den derzeit sieben Mitarbeitern der Behörde, die in Containern auf der Baustelle in Kontakt mit Planern und Prüfern stehen, läge derzeit erst ein Teil der relevanten Dokumente vor, so Loge: „Bei weitem nicht so viel, dass wir es abschließend bewerten könnten.“

Unsicherheit bei Firmen

Nun ist die entscheidende Frage, wie lange der Flughafen braucht, um tatsächlich den ersten Passagier abfertigen zu können. Das betrifft längst nicht nur die Airlines selbst, sondern auch Restaurants und Geschäfte, die sich auf den 3. Juni als Starttermin eingestellt haben. Sie haben Mietverträge abgeschlossen, Ware bestellt und Mitarbeiter angeheuert. „Wir warten mit großer Spannung auf das neue Datum, an dem der Flughafen eröffnen soll“, sagt Udo Haase, Bürgermeister der Gemeinde Schönefeld. Anders sei für seine Gemeinde eine genaue Planung nicht möglich. Die Feste und Einweihungsfeiern sind da noch das geringere Problem. Weit mehr Mühe bedeute es, beispielsweise die Buslinien umzuleiten und die Abfahrtzeiten anzupassen. Zudem rufen jetzt laufend Firmen im Rathaus an, die um eine Auskunft bitten. Der Imageschaden für den Standort ist enorm. „Falls es wirklich nur an den Rauchklappen lag, sollte das Problem ja innerhalb der kommenden drei Monate zu lösen sein“, sagt Haase.

Doch genau daran zweifeln Experten. Nach Ansicht des Flughafenexperten Dieter Faulenbach da Costa ist der Brandschutz nicht das einzige Problem. „Die Schwachstellen kommen jetzt nach und nach ans Licht“, sagt da Costa. Er kennt das Bauvorhaben gut, da er seit 2005 als Gutachter die Flughafengegner betreut. „Wenn die Verantwortlichen im Luftverkehr nicht mehr weiter wissen, verweisen sie immer auf Sicherheitsbedenken.“