Der Reinickendorfer Bundestagsabgeordnete Frank Steffel (CDU) fordert von der Flughafengesellschaft eine „schonungslos offene und transparente“ Darstellung der Probleme am neuen Hauptstadtflughafen. Es entstehe gerade der Eindruck, als gebe es mehr Probleme als nur den Brandschutz, sagte Steffel Morgenpost Online. Vor allem gebe es Bedenken, dass die Kapazitäten nicht ausreichen würden.
„Wenn sich die Rahmenbedingungen derart verschieben, dann muss man auch über eine längere Nutzung von Tegel nachdenken.“ Vor allem ein dauerhafter Betrieb von Tegel als Regierungsflughafen und die Nutzung durch kleine Privatmaschinen, die am BER Kapazitäten kosten würden, wäre für Steffel denkbar. „Wir brauchen jetzt eine optimale Lösung“, sagte Steffel. Selbst wenn eine neue Konzeption eine weitere Verzögerung bedeuten würde, müsse man „ehrlich und unideologisch“ darüber beraten. Ziel sei die optimale Anbindung der Region und die Stärkung des Wirtschaftsstandortes. „Wenn nach dem Planungs- und Bauchaos auch der Betrieb die Erwartungen nicht erfüllt, dann ist das Debakel perfekt“, so Steffel. „Das gilt es zu verhindern.“
Der altehrwürdige Flughafen Tegel, der in gut drei Wochen eigentlich für immer geschlossen werden sollte, ist nun der Retter in höchster Not. Der Airport soll nicht nur für Monate länger geöffnet bleiben, sondern sogar noch zusätzlichen Verkehr bewältigen. Eine nur schwer lösbare Aufgabe.
Bei den Airlines trifft es vor allem die Lufthansa. Am guten Willen mangelt es bei Deutschlands größter ihr nicht wohl aber am Platz. Die Lufthansa will vom 3. Juni an nach wie vor ihren Flugplan ab Berlin deutlich ausweiten. Der Konzern will von Berlin aus künftig 50 Ziele direkt anfliegen. Die Anzahl der Flugbewegungen soll sich dazu von 650 auf über 1000 in der Woche fast verdoppeln. Dafür braucht die Airline aber Stellflächen für ihre Flugzeuge und sogenannte Slots, also Zeitfenster für Starts und Landungen. Beides ist in Tegel bereits jetzt knapp. Zurzeit hat die Lufthansa zehn Airbus-Maschinen in Tegel stationiert. Ab Juni sollen mindestens fünf weitere dazukommen. Wo die untergebracht werden können, ist bisher unklar. Auch über Flugzeitfenster verhandelt Lufthansa mit der Berliner Fluggesellschaft. Es gibt zwar noch freie Slots, doch liegen die zumeist außerhalb der nachgefragten Morgen- und Abendstunden.
Die Fluggesellschaft Air Berlin drängt nach der geplatzten Eröffnung des Hauptstadtflughafens darauf, das Nachtflugverbot am Flughafen Tegel einzuschränken. Es soll nur noch von Mitternacht bis 5 Uhr gelten. Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn schrieb dazu an Flughafenchef Rainer Schwarz: „Schon heute bitten wir Sie dringend zu prüfen, für diese Übergangsphase bei der Verlängerung von Tegel die Öffnungszeiten des Flughafens morgens und abends um je eine Stunde zu verlängern.“ So könne die geplante Drehkreuzstruktur ordnungsgemäß abgewickelt werden, heißt es in dem auf den 9. Mai datierten Brief.
BMO/dpa/sei



