Der Saal des „Kosmos“ an der Karl-Marx-Allee war am Mittwochmorgen gefüllt mit Menschen, die direkt von der Verschiebung der Flughafeneröffnung betroffen sind: Geschäftsleute der Tourismusbranche. Sie waren zu einer Veranstaltung gekommen, bei der allein das Thema BER auf dem Programm stand.

Natürlich war der Tag als Vorbereitung auf die bevorstehende Eröffnung geplant. Entsprechende Mühe mussten sich die geladenen Redner geben, Optimismus zu versprühen – und die Veranstaltung angesichts der Hiobsbotschaft nicht absurd erscheinen zu lassen.

„Ich werbe dafür, dass wir in dieser Situation nach vorn schauen und der Welt zeigen, wie gut wir damit umgehen können“, sagte Sybille von Obernitz, Berlins Wirtschaftssenatorin (parteilos, für CDU). „Wir werden am Ende unser Image verbessern und nicht nur eine coole Stadt sein, sondern auch eine, die sich für Sicherheit und Sorgfalt entscheidet.“

Sie halte fest daran, dass der Flughafen ein großer Wirtschaftsmotor für Berlin und Brandenburg sein werde, sagte die Senatorin. Wenn man die Entwicklung an anderen Flughäfen beobachte, dann könne Berlin auch „sehr optimistisch sein“, bald auch größere Hotelkapazitäten rund um den Flughafen zu brauchen.

Letztes fehlendes Puzzlestück

Auch für Industrieansiedelung gäbe es günstige Vorzeichen, und bald schon würde der neue Flughafen auch neue Destinationen brauchen. „Dabei möchte ich auch noch Lufthansa und Air Berlin danken, dass sie auf die aktuelle Lage so pragmatisch reagiert haben“, sagte Obernitz, und schloss mit der Aufforderung, sich jetzt ins Zeug zu legen, und zusammen zu stehen.

„Ich habe gestern noch gedacht, die Veranstaltung fliegt uns um die Ohren“, sagte Organisator Burkhard Kieker, Geschäftsführer von Visit Berlin. Wie alle Redner hatte auch Kieker nur wenig Zeit, seinen Vortrag entsprechend der Nachrichtenlage umzuarbeiten. Und auch er entschied sich für Optimismus, als er ausführte, warum der Flughafen das letzte noch fehlende Puzzlestück der Metropole Berlin sei.

Dennoch sei die Verschiebung der Eröffnung natürlich „die Vollbremsung eines Jumbos kurz vor Zielgeschwindigkeit“, sagte Kieker. „Wir haben es geschafft, die Welt lacht über uns.“ Er wolle die Blamage nicht schönreden, aber mache diese Krise den europäischen Musterschüler Deutschland nicht auch sympathischer?

„Der BER wird funktionieren, das wird ein toller Flughafen, wie er zu Berlin passt.“ Er sehe durch die Verzögerung keine Katastrophe für den Tourismus, so Kieker. „Langfristig brauchen wir den BER, aber die Verzögerung wird uns nicht die Saison verhageln.“

Terminmarathon für Rainer Schwarz

Damit der Tag keine „Erbauungsveranstaltung“ rund um den Flughafen werde, so Kieker, habe man Karl Born eingeladen. Der Professor für Tourismusmanagement an der Hochschule Harz ist eher als Mann deutlicher Worte bekannt.

Borns wichtigste Botschaft war dann auch: Noch schwieriger als einen Flughafen zu eröffnen sei es, ihn im internationalen Spitzenfeld dauerhaft zu etablieren. „Eine Krise vor der Eröffnung vergessen die Leute, aber eine Krise nach der Eröffnung hängt ihnen ewig an“, sagte Born.

Auch Rainer Schwarz stand auf der Rednerliste. Für zehn Uhr war er angekündigt, doch der Flughafenchef verspätete sich um fast anderthalb Stunden. Schwarz hatte am Mittwoch einen Terminmarathon zu absolvieren, vom Radiointerview am frühen Morgen in den Verkehrsausschuss des Bundestages, und bevor er im Kosmos ans Rednerpult trat musste noch ein Telefonat mit dem Regierenden Bürgermeister zu Ende geführt werden.

Keine optimistischenFloskeln

Zehn Minuten hatte Schwarz für die Geschäftsleute. Das Publikum honorierte durchaus, dass Schwarz den Termin nicht einfach abgesagt hatte. „Ich freue mich ja, hier noch Applaus zu bekommen“, sagte Schwarz. Dann erklärte er noch einmal, was es mit den Schwierigkeiten beim Brandschutz des neuen Flughafens auf sich habe.

„Ich kann mich nur entschuldigen, für das, was dadurch jetzt entstanden ist“, sagte Schwarz den Geschäftsleuten. Mit optimistischen Floskeln mochte der Flughafen-Chef am Mittwochmorgen nicht dienen.

„Das Ganze ist eine riesige Katastrophe“, sagte Schwarz. „Nicht nur für die Region, sondern auch für unsere Kunden und Mitarbeiter.“