Tausende Fluglärmgegner haben erneut am künftigen Großflughafen in Schönefeld für ein striktes Nachtflugverbot von 22.00 Uhr bis 6.00 Uhr demonstriert. Die Veranstalter sprachen von 10.000 Teilnehmern, unabhängige Beobachter schätzten, dass rund 7000 Menschen zum Flughafen Schönefeld gezogen sind.
Das Aktionsbündnis für ein lebenswertes Berlin-Brandenburg wirft der Flughafengesellschaft vor, bewusst über Auswirkungen des Flugbetriebs getäuscht zu haben. Sprecher Matthias Schubert kritisierte die Weigerung beide Landesregierungen, ein Nachtflugverbot am neuen Flughafen in Kraft zu setzen.
Vorwürfe, Fluglärmgegner würden Wachstum und Wohlstand verhindern, wurden zurückgewiesen. Schubert zweifelte an, dass die avisierten 40.000 neuen Arbeitsplätze entstehen werden. Im Gegenteil: Arbeitsplätze würden wegrationalisiert, Löhne gedrückt und neue Billigjobs in Fast-Food-Ketten geschaffen.
Die Proteste in Schönefeld sind dieses Mal Teil einer bundesweiten Aktion, bei der an den sechs größten deutschen Flughäfen gegen die wachsende Lärmbelastung demonstriert wird. Geplant war dabei eine Telefonkonferenz mit Demonstranten an den Flughäfen in Berlin, Köln, Düsseldorf, Leipzig und München.
Wie in Berlin protestierten auch am größten deutschen Flughafen – in Frankfurt am Main - mehrere tausend Menschen und machten dabei ohrenbetäubendem Lärm. Mit Blick auf die umstrittene Landebahn riefen sie immer wieder lautstark: „Die Bahn muss weg“. Auf Plakaten standen Sätze wie „Stoppt den Wahnsinn“, „Heimatzerstörer“ und „Ruhe geben wir erst, wenn wir wieder welche haben“.
Nach der Kundgebung im Terminal 1 zogen die Demonstranten zur Lufthansa-Basis. „Die Lufthansa durchlöchert jede Nacht das Flugverbot“, sagte ein Redner während der Kundgebung.
Im Prozess um ein dauerhaftes Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen will das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig am 4. April das Urteil verkünden. Derzeit gilt ein vorläufiges Flugverbot zwischen 23.00 Uhr und 05.00 Uhr, das der Kasseler Verwaltungsgerichtshof (VGH) im Herbst verhängt hatte.
In München protestierten die einige hundert Fluglärmgegner mit einem einem Picknick in einem Terminal des Flughafens. Nach Polizeiangaben wurde dort weder mit Beeinträchtigungen für die Fluggäste noch mit Behinderungen des Verkehrs rund um den Flughafen gerechnet. Die Demonstranten packten ihre Brotzeit und Tischdecken mit Sprüchen wie „Fluglärm macht krank“ aus. Sie wandten sich zudem gegen den Bau einer dritten Startbahn.
Fluglärmgegner kündigen Ausweitung der Proteste an
In Berlin und Brandenburg kündigten die Fluglärmgegner nun eine Ausweitung der Proteste an. In den kommenden Monaten wollen sie damit klar machen, dass nicht nur Anrainer leiden. „Jeder muss befürchten, dass seine Lebensqualität bei nächster Gelegenheit für ein vermeintliches Wirtschaftswachstum geopfert wird“, sagte Schubert. Er kündigte in Schönefeld wie in Frankfurt ab Juni wöchentlich eine Montagsdemo an. Ein strenges Nachtflugverbot müsse erreicht werden. „Wir werden nicht eher ruhen, bis wir das geschafft haben“, sagte der Sprecher. Die erste Demonstration soll am 11. Juni sein.
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BMO/ap/dpa/dpad





