Hauptstadtflughafen

Endspurt am BER – in 100 Tagen wird eröffnet

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Isabell Jürgens

In genau 100 Tagen sollen in Schönefeld die ersten Passagiere einchecken. Damit der 3. Juni reibungslos verläuft, werden jetzt schon sämtliche Szenarios simuliert. Und nicht immer ging alles glatt.

Seit exakt 1997 Tagen – das entspricht rund fünfeinhalb Jahren – wird am größten Infrastrukturprojekt in der Metropolregion Berlin-Brandenburg gearbeitet. Jetzt wird auf der Dauerbaustelle in Schönefeld vor den Toren Berlins der Endspurt eingeläutet. Mit dem 24. Februar bleiben den Bautrupps nur noch 100 Tage, bis vom Großflughafen „Berlin Brandenburg Willy Brandt“ am 3. Juni der erste Flieger abhebt. „Wir werden dieses Ziel auf jeden Fall erreichen“, versichert Flughafen-Chef Rainer Schwarz.

Damit dieses ehrgeizige Projekt gelingen kann, sind derzeit rund 5000 Bauarbeiter auf dem Flughafenareal unterwegs. Das Herzstück des Flughafens, das neue 220 Meter lange Terminal-Gebäude, macht von außen bereits einen fertigen Eindruck. Auch im Inneren der riesigen Halle ist schon zu erkennen, wozu sie einmal dienen soll: Die Check-in-Schalter der Airlines sind bereits aufgebaut, die Computer und Anzeigentafeln in Betrieb. Der zentrale Marktplatz hinter dem Sicherheitscheck dagegen ist noch von Pappen und Folien verhüllt. Die Bauarbeiter richten hinter den Absperrungen gerade die Shops und Restaurants ein. Im Hauptpier sind einige Bauleute dabei, die Sessel einzubauen, während ihre Kollegen die Wandverkleidungen aus edlem Nussbaumfurnier anbringen. Die Fußböden aus hellem Kalkstein sind zum Teil noch mit Spanplatten abgedeckt, von der Decke baumeln Kabelstränge. Die Rolltreppen und Rollbänder sind zwar zum Teil bereits eingebaut, jedoch noch fest in Folie verpackt. Baustaub und -lärm dringen in jeden Winkel. Zwischen den Bauarbeitern tummeln sich am Donnerstag wieder rund 250 von Komparsen gespielte „Fluggäste“, gut zu erkennen an ihren neongrünen Schutzwesten und Bauhelmen und den hoch beladenen Kofferwagen, die sie vor sich herschieben.

Störfälle im Testbetrieb

Damit in 100 Tagen alles läuft wie geplant, finden seit Anfang Februar jeweils dienstags und freitags Probebetriebstage statt, in dem die klassischen Betriebsabläufe an einem Flughafen eingeübt werden. Fehler und Störfälle sind dabei absichtlich eingebaut: Manche Passagiere wurden mit „Ereigniskarten“ versehen. Sie sollen etwa versuchen, Flüssigkeiten und Scheren im Handgepäck durch die Sicherheitskontrolle zu bringen oder ihren bereits eingecheckten Koffer zurückverlangen.

„Der Probebetrieb hat schon einige Schwierigkeiten zutage gefördert – dazu ist er ja auch da“, berichtet Flughafensprecher Ralf Kunkel. So sei gleich an einem der ersten Testtage die komplette Lautsprecheranlage im Boarding-Bereich ausgefallen, weil der Computer, der sie steuert, aufgrund mangelnder Kühlung überhitzte und sich ausschaltete. Zu einem Absturz sämtlicher digitaler Anzeigentafeln kam es dagegen, weil ein Mitarbeiter im Check-in-Bereich die falsche Taste am Computer drückte und damit sämtliche Fluginformationen löschte. Diese Probleme konnten bereits behoben werden. Der Bordkartendrucker dagegen fällt weiterhin dauernd aus – der viele Baustaub ist zuviel für das empfindliche Gerät.

„Umzug und Inbetriebnahme für die mit 20.000 Beschäftigten größte Arbeitsstätte in der Region sind kein Selbstläufer“, sagt Rainer Schwarz. „Der Endspurt in diesen 100 Tagen wird allen Beteiligten viel abverlangen“, so der Flughafen-Chef.

Der eigentliche Umzug der beiden Flughäfen Tegel und Schönefeld zum neuen Standort beginnt dann im April mit der Einrichtung einer eigenen Umzugsleitstelle. Ihre Aufgabe: Das Koordinieren von rund 190 Flughafennutzern. 4000 Räume und Büros am Airport mit dem internationalen Flughafencode „BER“ müssen eingeräumt, die 150 Shops mit Waren befüllt werden. Erste technische Anlagen und Geräte werden von den beiden Bestandsflughäfen zum BER transportiert.

Autobahnsperrungen für den Umzug

In der Nacht vom 2. auf den 3. Juni steht dann die größte logistische Meisterleistung an. Innerhalb weniger Stunden muss ein großer Teil der Fahrzeuge und sogenannten Vorfeldgeräte wie Schlepper, Tank-, Wartungs- und Servicewagen zum neuen Flughafen gebracht werden, die verbliebenen Flughafeneinrichtungen in 600 Lkw-Ladungen von Tegel nach Schönefeld transportiert werden. Die Autobahn von Tegel in Richtung BER wird in der Umzugsnacht für mehrere Stunden einseitig gesperrt. Am Morgen danach wird „Willy Brandt“ in Betrieb gehen. Um 5.30 Uhr werden je ein Flugzeug von Air Berlin und Lufthansa abheben.

>>> Mehr Informationen zum Flughafen Berlin Brandenburg gibt es in unserem Schwerpunkt zum Flughafen BER .