Kürzlich klingelt der Wecker mal wieder mitten in der Nacht. Für meinen Biorhythmus ist früher Schulanfang Gift. So geht es aber nicht allen Bewohnern des Hauses, denn der Dreijährige kommt singend ins Schlafzimmer. „Mama, guck aus dem Fenster! Es ist ein Wetter zum Aufstehen!“ Ich: „Mmmh.“ Der Dreijährige lümmelt sich auf einen Sessel: „So, Mama, was machst du denn jetzt mit deinem Leben?“

Erstens, was war das jetzt wieder für eine Frage? Zweitens, was antwortet man einem Dreijährigen darauf? Ganz einfach, mein Kleiner. Erst mal räume ich zwei Stunden lang die Sachen, die täglich von den Kinderzimmern in den Rest des Hauses diffundieren, wieder an die ihnen zugedachten Plätze. Durch die so gebahnte Schneise balanciere ich sodann Körbe mit Bergen von Wäsche. Denn wenn nicht jeden Tag mindestens zwei Maschinen laufen, schafft die Miele den Wäsche-Mount-Everest nur noch im Schnellprogramm, wenn überhaupt. Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen? Ich glaube, der hatte keine Kinder. Kaum hat man die Playmobil-Feuerwehr den Berg raufgerollt, wachsen unten Briobahnen und Lego nach. Zwischendurch arbeite ich ganz kurz. Und dann wird es auch schon wieder Zeit, die Kinder aus Schule und Kindergarten abzuholen.

Dann beginnt der Nicht-Sisyphos-Teil des Tages. Denn wer behauptet, dass das irgendwie ein bisschen langweilig sei und stundenlange Beschäftigung mit kleinen Kindern zur langsamen Verblödung, mindestens aber Verödung führen kann, dem sei hier gesagt: Kommt ganz drauf an. Ist denn das Erwachsenenleben so viel interessanter?

Kleine Kostprobe gefällig? Gespräch mit Chef. Chef: „Wir brauchen noch ein originelles Erklärstück, woher der Osterhase kommt.“ Ich: „Aber Chef, das hatten wir doch letztes, vorletztes, vorvorletztes Jahr und die Jahre davor auch.“ Chef: „Kann mich nicht erinnern. Wir machen das.“

Mit Kindern ist das anders. Weil deren Denken noch nicht durch Vernunft, Erfahrung oder Realität gebremst wird, sondern vom Reich der Feen und Elfen, Osterhasen, Hexen, Monster und Weihnachtsmänner bis zu sprechenden Tieren, fliegenden Teppichen und dem ewigen Leben reicht. Und weil man das Gefühl hat, dass man, wenn man ihnen auf ihren teils absurden Gedankengängen folgt, sein Gehirn mindestens so ordentlich stretchen und dehnen muss wie den Quadrizeps beim Sport.

Die Sechsjährige hat im Religionsunterricht gehört, dass Jesus gekreuzigt wurde. Und während ich noch versuche, eine kindgerechte Erklärung für sie zu finden, ob nun Kaiser Augustus oder Pontius Pilatus blöder sei, fragt mich der Dreijährige, welches Bild ich übers Klavier gehängt habe. Ich: „Schottische Landschaft.“ Dreijähriger: „Wohnt Jesus auch in Schottland?“ Ich: „Ja, der wohnt überall.“ Dreijähriger: „Auch im Weltall?“ Ich: „Bestimmt.“ Dreijähriger: „Alexander wohnt auch im Weltall …“ Den Astronauten Alexander Gerst kennt er aus der Sendung mit der Maus.

Die Sechsjährige ist gedanklich mittlerweile noch weiter oben angekommen. „Mama, wir stammen doch alle von Gott ab, oder?“ Ich: „Ja, quasi. Er hat die Menschen erschaffen.“ Tochter: „Dann sind wir ja alle mit dem Herzen verwandt …“ Ich: „Ja, schon irgendwie.“ Tochter: „Wer war denn der erste Mensch?“ Ich: „Das war Adam. Den hat Gott aus einem Stück Lehm geformt …“ Tochter: „Aha …?!“ Ich: „Und dann hat er eine Rippe von Adam genommen und daraus Adams Frau Eva geformt.“ Tochter: „Aus einer Rippe???!!! Aber das tut doch weh!“ Ich: „Hm, ja, wahrscheinlich.“ Sechsjährige: „Vielleicht hat Gott Adam ja vorher betäubt …“

Der liebe Gott, der erste Anästhesist der Welt. Während ich mich noch darüber freue, sagt die Sechsjährige: „Aber eins verstehe ich nicht. Wenn Ostern gefeiert wird, dass Jesus in den Himmel gefahren ist, wieso kommt dann ein Osterhase?“

Sandra Garbers
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