Mamas & Papas

Wie das so ist, wenn Mama plötzlich wieder arbeiten geht

Sandra Garbers steigt nach der Elternzeit wieder in den Beruf ein. Das bringt Geld. Ließe sich damit ein Einhorn finanzieren? Die Kinder sind sowieso hundertausendeinemillionmal mal toller als ein Job.

Foto: Alix Minde / picture-alliance / maxppp

Muddi arbeitet wieder. Nach gefühlten 20 Jahren Jahren Elterndienst. Ich freue mich. Darauf, dass ich endlich wieder mit Erwachsenen spielen darf. Und dass ich künftig mit vernünftigen und lösbaren Problemen konfrontiert werde anstatt mit: „Elias schmeißt immer mit Sand, kannst du den nicht wegzaubern?“ Oder: „Lotte hat gesagt, sie lädt mich nicht zum Geburtstag ein, wenn ich nicht mit ihr Baby spiele.“ – „Aber Lotte hat doch erst nächsten Herbst Geburtstag?!“ - „Ja.“

All das waren zwar tolle Übungen für das Berufsleben, aber eben nicht abendfüllend. Weder für mich noch für den anderen Erwachsenen in unserem Haus. Irgendwann kommt man sich halt selbst blöd vor, wenn man auf den Satz „Wir haben heute den Megadeal mit Australien an Land gezogen“ antwortet: „Gut, gut, und wann kommst du endlich nach Hause?“ Oder Geschichten aus dem Büro-Chaos nur mit solchen aus dem Wohnzimmer kontern kann: „Und hier ist erst mal was los! Habe das Lego-Bauernhaus aus Versehen mit dem Lego-Feuerwehrsatz zusammen in eine Kiste gekippt.“ Übertrieben, zugegeben, aber nicht ganz unwahr. Aber jetzt endlich wieder: Augenhöhe.

Leider wird meine Freude nicht von allen Mitgliedern meiner Familie geteilt. Unsere Vierjährige fährt ziemlich schweres Geschütz auf. „Du willst lieber arbeiten, als bei deinen beiden Kindern zu sein? HUHUHU, ich habe die gemeinste Mutter aller Zeiten.“ Sie sagt nicht: Bei „mir“ zu sein oder bei „uns“, sondern hebt es gleich auf die ganz große Bühne: „deine Kinder“. Keine Momentaufnahme, sondern eine Gesetzmäßigkeit. „Alle Kinder kriegen heute ein Eis. Nur deine Tochter nicht. Willst du deine Tochter etwa verhungern lassen?“

Das Buch von Mama „Lausemaus“ kam wieder fort

Nach meiner ersten Elternzeit hatte ich noch Fachliteratur zu dem Thema behutsames Gewöhnen an die neue Lebenswirklichkeit besorgt, zum Beispiel „Leo Lausemaus – Mama geht zur Arbeit“. Das Buch habe ich allerdings mittlerweile entsorgt, weil ich mich nicht so richtig mit Mama Lausemaus identifizieren konnte und meiner Tochter eigentlich lieber klarmachen wollte, dass Arbeit auch etwas Schönes sein kann und nicht nur die Zeitspanne, in der man sich nicht um seine Kinder kümmert. Dieses Mal versuche ich es mit vielen Erklärungen. Wie wichtig die Arbeit bei einer Zeitung ist, zum Beispiel. Ich: „Stell dir vor, ein Haus brennt. Dann geht ein Reporter hin und schreibt darüber und ein Fotograf fotografiert das brennende Haus...“ Tochter: „Und wer löscht das Feuer?“ Ich versuchte, ihr die materiellen Vorteile zu erklären. Arbeit ist nicht nur toll, man verdient auch noch Geld dabei. Und du weißt ja, ohne Geld kein Pony. Tochter: „Super, da können wir ja dann ein echtes Einhorn mit Flügeln haben.“

Und dann hat sie gefragt, ob ich die Arbeit nun lieber mag als sie. Ich hab ihr geantwortet, dass sie mindestens hundertausendeinemillionsiebenhundertmal toller ist, als selbst die tollste Arbeit der Welt sein könnte.