Mamas & Papas

Lasst uns Mütter doch einfach mal machen

Sandra Garbers über die allgegenwärtigen Benimm-Ratschläge für Mütter und frühe Erziehung zur Medienkompetenz. Nur: Jeder will ein Experte sein und rät irgendwas. Das muss doch nicht sein.

Foto: Alix Minde / picture-alliance / maxppp

Es gibt zum Glück jede Menge Hinweise und Ratschläge für Mütter, wie man sich im Alltagsleben richtig benimmt. Jeder ist Experte, weil ja schließlich jeder eine Mutter hat oder schon mal hatte und weiß, wie der Hase läuft. Nämlich so: Geht schnell wieder arbeiten nach der Geburt, ihr habt doch auch noch ein eigenes Leben. Oder wahlweise: Arbeitet doch nicht so viel, dafür hättet ihr nun wirklich keine Kinder in die Welt setzen müssen. Es heißt: Sprecht doch nicht andauernd von euren Kindern, als ob es kein ISIS oder keine Ukraine oder keine Kometen gäbe. Und andererseits: Mein Gott, sie sprechen kaum von ihren Kindern, die armen Kleinen kommen gar nicht vor.

Sie ermahnen uns: Zieht euch nicht so zurück, geht mal wieder aus. Aber: Bitte nicht allein mit euren Kindern in irgendwelche Cafés, wo ihr Latte Macchiato trinkt und eure Kinder leise „Spielplatz“ wimmern. Ganz ehrlich? Ich kenne NIEMANDEN, der sich FREIWILLIG mit seinen ein, zwei, drei, vier, fünf oder sechs Jahre alten Kindern in ein Café setzen würde. Viel zu stressig, mit der einen Hand den heißen Kaffee zu halten und mit der anderen Blumenvasen, Stühle und die Kaffeetassen der anderen aufzufangen.

Mütter, die auf dem Spielplatz telefonieren? Für manche empörend

Bei einer Sache sind sich allerdings alle Mütterversteher einig: Mit dem Handy telefonieren auf dem Spielplatz geht gar nicht. Empörung pur. Kindesmisshandlung. Wohlstandsverwahrlosung. Ich bin schon mindestens fünf mal fast überfahren worden, als ich mit dem Fahrrad unterwegs war und mich ein telefonierender Autofahrer nicht gesehen hat. Wer bei 50 Kilometern pro Stunde nur zwei Sekunden auf seine SMS schaut oder seinen Pin eingibt oder seine Whatsapp-Nachrichten checkt, fährt 30 Meter weit blind. Egal, denn es ist ja viel schlimmer, wenn man mit seinen Kindern auf den Spielplatz geht und nicht jederzeit mitbekommt, wie das Erdbeerförmchen zum 23. Mal gefüllt wird.

Lasst uns doch einfach mal machen. Lasst uns Kaffee trinken, telefonieren und über das sprechen, was wir wollen. Versprochen, wir reden auch mal über ISIS und die Ukraine, über den BER und über die SMS der Singlefreundin. „Er hat geschrieben, ich soll ihn endlich in Ruhe lassen... Was, meinst du, will er mir damit sagen? Dass er verliebt in mich ist und einfach nur ein bisschen Zeit braucht?“ Und keine Sorge, wir lieben unsere Kinder auch dann, wenn wir auf dem Spielplatz mal ans Telefon gehen.Vielleicht haben wir ja den ganzen Morgen mit ihnen Lego zusammengesteckt, Brio-Eisenbahnen aufgebaut und Kekse gebacken und jetzt müssen wir gucken, ob es endlich Nachrichten von der Herz-OP der Patentante gibt. Könnte ja sein, wer weiß das schon.

Und dass der Kleine seine Erdbeersandform ans Ohr hält und „Hallo, Hallo“ hinein spricht? Kein Grund zur Sorge: Das ist frühe Erziehung zur Medienkompetenz.