Mamas & Papas

Mama ist die tollste - aber macht zu nasse Küsse

Vierjährige halten ihre Mütter für die besten der Welt - wenn diese sie nicht immer so früh ins Bett schicken würden - und dergleichen mehr. Sandra Garbers über kleine Schwindeleien und scharfe Kritik.

Vierjährige Kinder sind großartig, weil sie ihren Eltern noch fast alles glauben. Kürzlich war ich beim Friseur und meine Haare wurden von einer echten Fee geschnitten. Sie trug ein silbernes, bodenlanges Feenkleid und ein Plastikdiadem im langen Haar. Es war der letzte Tag vor ihrer Hochzeit und ihre Kollegen hatten zu der Verkleidung gezwungen. Natürlich machte ich ein Foto von uns beim Föhnen und zeigte es hinterher meiner Vierjährigen und ihrer Freundin. „Ich gehe immer zum Feenfriseur, das sind die besten“, sagte ich. Fast feierlich schauten die beiden sich das Foto an. „Toll, und die hat dir die Haare so gezaubert?“ – „Ja.“

„Meine Mama geht nieeeeeee zu einem Feenfriseur, das ist gemein“, sagte die Freundin später im Wohnzimmer zu meiner Tochter. Und die lächelte nur stolz. Sie würde mir auch glauben, wenn ich ihr sagte, dass das Mittagessen ein lieber Zwerg gekocht hat und dass es ein großes Traumbuch gibt, in dem alle, alle Träume der Kinder aufgeschrieben werden. Nur so bekam ich heraus, dass der angebliche Traum von der Mutter, die gestorben war, nur der Versuch war, an Gummibärchen heranzukommen.

Ich genieße die Zeit, in der ich mit kleinen Schwindeleien noch die Wahrheit herausbekomme oder sie tief beeindrucken kann, aber ich weiß: Lange geht das nicht mehr gut. Denn sie reden schon über uns.

Die tollste Mama, die den falschen Joghurt kauft

Wir sind nicht mehr nur einfach die tollste Mama der Welt, sondern die tollste Mama der Welt, die den falschen Joghurt gekauft hat. Oder die tollste Mama der Welt, die ihre Kinder immer viel zu früh ins Bett bringt und damit heiße Anwärterin für den Titel doofste Mama der Welt ist. Sie fangen an, an uns zu zweifeln und uns kritisch zu bewerten.

Als ich der Vierjährigen in der Kita vor den anderen Kindern einen Abschiedskuss gab, wurden wir sofort von drei ihrer Kitafreunde umringt, die das kommentierten. „Ich hab’ meiner Mama heute keinen Kuss gegeben, weil die immer so einen ekligen Schokomund hat“, sagte ein Mädchen. „Igitt“, rief ein kleiner Junge. „Ich mag meine Mama nicht küssen, weil das immer so nass ist.“ Und ein dritter sagte sehr weise und fachmännisch: „Ja, ich weiß, meine Mama hat auch so nasse Küsse, die kann man sich dann aber ganz schnell so abwischen“, und dann nahm er den Ärmel seiner Jacke und wischte sich damit etwa eine halbe Minute großflächig über das Gesicht. Keine Ahnung, was sie sonst noch so über uns reden, und vielleicht will ich es auch gar nicht wissen.

Nachmittags spielen meine Vierjährige und ihre Freundin immer Hausaufgaben machen. Sie liegen auf Polstern auf dem Boden, malen Bilder aus und dann kommt fast immer folgende Unterhaltung. Kind eins: „Aus Spiel ist es jetzt Abend, ja?“ Kind zwei: „Ok, und wir müssen noch nicht ins Bett, weil unsere Eltern schon gestorben sind...“ Kind eins: „Ja, ok, gute Idee.“

Hoffentlich lernt das Baby nicht so schnell sprechen.