Mamas & Papas

Vielleicht wäre ein riesiger Staubsauger die Lösung

Sandra Garbers fand es immer albern, Kindern den Zugang zu bestimmten Räumen in der Wohnung zu verbieten. Dann bekam sie selbst Kinder, und ungezählte Spielsachen später sieht sie die Sache anders.

Foto: Felix Müller

Vor einigen Jahren habe ich mal ein Buch gelesen über eine Nanny, die auf die Kinder eines snobistschen Pärchens in New York aufpassen musste. Damals hatte ich selbst noch keine Kinder und fand es ziemlich uncool, wie die Eltern dort beschrieben wurden. Zum Beispiel durften die Kleinen unter keinen Umständen das Wohnzimmer der New Yorker Penthouse-Wohnung betreten, um dort keinen Dreck und keine Unordnung zu hinterlassen. Damals fand ich es , wie gesagt, etwas befremdend. Zwei Kinder, einige beschmierte Wände und einen mit Wasserflecken ruinierten ungegerbten Leder-Loungesessel später halte ich es für eine ganz hervorragende Idee. Kinderfreie Zonen im Haus. Zonen guten Geschmacks, Zonen der Ruhe und Ordentlichkeit und vor allem Zonen, in denen man nicht in Gefahr läuft, über Skateboards zu stolpern und auf Lego zu treten oder, noch schmerzhafter, auf Murmeln auszurutschen. Wie gerne würde ich vor dem Wohnzimmer ein Adults-only-Schild aufhängen. Zuwiderhandlungen würden bestraft mit Spinatgerichten nicht unter einer Woche. Oder mit drei Tagen kein Shaun-das-Schaf-gucken.

Das rätselhafte Druckgefälle

Wahrscheinlich wäre das Projekt „Schöner Wohnen trotz Kindern“ trotzdem zum Scheitern verurteilt, denn es scheint eine Art Naturgesetz zu sein: Alles, was sich im Kinderzimmer befindet, muss ins Wohnzimmer hinüber diffundieren. Da scheint es irgendeine Art Druckgefälle zu geben. Ich glaube, man könnte 300 Kinderzimmer im Haus haben und trotzdem würden haufenweise Gummibänder, Pixiebücher, Schienen von Brio-Eisenbahnen, Puppenköpfe, Sättel von Playmobilpferden und dergleichen herumliegen. Warum also nicht gleich ganz aufgeben? Und das Einrichten nach „Architectural Digest“ oder „Elle DECO“ auf die Zeit nach dem Abitur verschieben. Wir haben in unserem Wohnzimmer eine große Holz-Ikea-Rutsche, gigantische bunte Stoffbauklötze, aus denen man ein richtiges Haus bauen kann, das auch nicht kleiner ist als das, was man in Berliner Kleingärten so findet.

Ein Schaukelpferd von der Größe eines New-Forest-Ponys, mehrere Gummi-Hüpfpferde und eine Kinderküche. Wer aber glaubt, dass man damit seine Ruhe hat, irrt sich. Denn nun klingeln quasi täglich irgendwelche Kinder an der Haustür, die (wenn man so wahnsinnig ist, ihnen zu öffnen) wortlos an mir vorbei gehen und in unserem Wohnzimmer zu spielen anfangen. Manchmal sprechen sie auch mit mir. Sie sagen dann Wörter wie „Apfelschorle“ oder rufen Sätze wie „Ich hab PUUUUUUUP gemacht.“

Abends, nach dem Aufräumen, arbeite ich dann an meiner Erfindung. Ein gigantischer Staubsauer, mit dem man einfach alles aufsaugt: Staub, Lego, Bügelperlen, Playmobil, schmutzige Kinder. Und der dann in seinem Inneren alles feinsäuberlich sortiert und in die jeweiligen Fächer, Schubladen oder Betten ausspuckt.