Mamas & Papas

Unser Problem mit der Kinderschaukel

Sandra Garbers schreibt, warum es in Prenzlauer Berg gar nicht so einfach ist, ein Spielgerät für sein Kind zu finden. Müssen die Berliner jetzt für Schaukeln sammeln?

Falls sich irgendjemand fragt, warum es in Prenzlauer Berg Kinder-Yoga gibt: Es ist gut fürs Gleichgewicht. Das ist Schaukeln auch? Stimmt, die Frage ist nur, wie man schaukeln soll, so ganz ohne Schaukel. Bei uns im Umkreis sind alle Babyschaukeln gleichzeitig abgebaut worden. Wirklich, alle drei. Mit den Schaukeln ist das wie mit den Baustellen in Berlin, da werden ja gefühlt auch alle Straßen gleichzeitig aufgebuddelt. Keine Ausweichmöglichkeiten, lange Staus.

Dabei ist Schaukeln in Berlin auch ohne abgebaute Schaukeln schon anstrengend genug. Kaum ist das eigene Töchterchen auf die Schaukel geklettert, hat einmal Anschwung genommen, kann man sicher sein, dass sich eine Schlange mit streng dreinschauenden Eltern bildet, die nonverbal zum Ausdruck bringen: „Ich bin zwar noch ganz entspannt, aber ich wollte nur mal nonverbal zum Ausdruck bringen, dass man als verantwortungsvolles Mitglied der Gesellschaft schon auch bedenken sollte, dass jetzt verdammt noch mal das nächste Kind dran ist. Mein Kind.“

Wenn man es wagt, noch drei Schwünge weiter zu machen, werden sie übergriffig: „JA, LEA-SOPHIE, DU BIST AUCH GLEICH DRAN. DAS MÄDCHEN IST BESTIMMT GLEICH FERTIG MIT SCHAUKELN.“ Sie tun so, als würden sie es zu ihrem Kind sagen, aber sie sagen es allen, sie rufen es über den ganzen Spielplatz, sie brauchen Zeugen.

Aber ich mache mir keine großen Sorgen. Berliner sind ja eigentlich so findig. Als kürzlich das morsche Piratenschiff auf dem Spielplatz abgebaut wurde, sammelten die Eltern für einen Piratenschiff-Neubau. Ganze 25.000 Euro sollte das neue Holzschiff kosten. Ich will ja nichts sagen, aber Blohm und Voss hätte das sicher billiger hingekriegt, so ein kleines Holzschiff. Aber immerhin, es ist genügend Geld zusammen gekommen, irgendwann steht das Schiff wieder. Jedenfalls vielleicht. In Berlin weiß man ja nicht so genau, ob das nicht doch plötzlich und unvermutet doppelt so teuer wird. Und vielleicht erst Jahre später fertig ist, wenn die Kinder längst aus dem Haus sind.

Müssen wir jetzt auch für Schaukeln sammeln? Vielleicht könnte der Bezirk auch Baumpatenschaften vergeben für Bäume, an deren Äste man Schaukeln hängen kann. Dann nimmt man neuerdings nicht nur Tonnen von Sandspielzeug mit zum Spielplatz, sondern auch noch mobile Schaukeln. Nur leider scheinen in Prenzlauer Berg bereits alle Baumpatenschaften von Hundebesitzern übernommen worden zu sein. Man könnte Schaukeln zu Hause in den Türzargen der Wohnungen aufhängen, aber vermutlich gilt das schon wieder als Luxussanierung und das ist ja neuerdings streng verboten in Prenzlauer Berg.

Vielleicht macht auch jemand einen Schaukelpark auf, dann kann man zahlen für zehn Minuten Schaukeln oder 20 Minuten. Das ist eine echte Marktlücke. Oder die drei Schaukeln werden einfach wieder aufgehängt. Wir einigen uns schon untereinander. Ganz bestimmt.