Kürzlich hat die Tochter mit ihrer kleinen Freundin gespielt. Die Freundin nahm das Pippi-Langstrumpf-Stoffpferd aus dem Regal und sagte: „Das ist jetzt meins, ok?“ Meine Tochter sagte böse: „Nein, das ist doch meins!“ Freundin: „Ich mein’ doch nur aus Spiel. Aus Spiel ist das jetzt meins.“ Meine Tochter dachte kurz nach: „Ja, und jetzt ist es aus Spiel wieder meins.“ Und damit nahm sie es ihrer Freundin wieder aus den Händen. Das Leben kann so einfach sein.
Ich würde jetzt nicht behaupten, dass es in jedem Fall sinnvoll ist, sich Dinge bei seinen Kindern abzuschauen, aber hin und wieder frage ich mich doch, ob deren Verhandlungsstrategien nicht doch die richtigen sind. Immerhin kommen sie meist damit durch.
Zum Beispiel wäre es vermutlich in Sitzungen mit den Kollegen wesentlich zielführender, wenn man es macht wie die Kleinen. Wenn einem also etwas nicht passt, einfach mal die Ohren zuhalten: „Lalalalala, ich kann Sie nicht HÖREN. Hat jemand was gesagt? Lalalala.“ Wenn Ignoranz nicht weiter hilft, kann man schwerste Geschütze aus dem Repertoire der Zwei- bis Dreijährigen auffahren: den außerordentlichen Trotzanfall!
Chef, sind Sie ein böses Krokodil?
Warum lange diskutieren, wenn man weiß, dass der eigene Vorschlag genial ist, die anderen das aber partout nicht erkennen wollen? Besser ist es, sich einfach auf den Boden vor dem Konferenztisch fallen zu lassen, zu strampeln und zu schreien. Das macht die anderen handlungsunfähig: „Kollegin Garbers, stehen Sie doch bitte wieder auf, Ihr Rock wird ja ganz knittrig.“ Ich bleibe liegen. „Na, gut, dann verlassen wir jetzt alle den Raum und Sie bleiben ganz allein im Konferenzraum... Wir gehen jetzt wirklich... Jetzt gehen wir, sehen Sie?“ Sie bleiben natürlich und ich bleibe weiter liegen, strample mit den Füßen und schreie. „Gut, Kollegin Garbers, Ihr Vorschlag ist angenommen. Aber das nächste Mal gehen wir wirklich.“
Die Kollegin hat eine neue Tasche? Her damit: „Darf ich mir die ausleihen, sonst kriegst Du nie wieder was von mir.“ Auch Gehaltsverhandlungen wären viel einfacher, wenn man dem Chef nur die Möglichkeit bietet, die Perspektive zu wechseln. „Chef, heute bin ich mal Sie und Sie sind ich, ja? Aus Spiel gebe ich Ihnen das Doppelte. Und möchten Sie vielleicht ein bisschen Urlaub und ein größeres Büro und einen neuen Computer? Ich unterschreibe das gleich mal für Sie. Aus Spiel.“ Hat der Chef eine unerfreuliche Aufgabe zu verteilen oder stapelt sich das schmutzige Geschirr mal wieder in der Spüle und einer muss es aufräumen? Kein Problem, wenn man nur schnell genug: „Keinseier!“ in die Runde ruft. Das ist alles Kinderkram? Tatsächlich? Stimmt, sonst geht es in den Büros ja viel erwachsener zu.
Und wenn die anderen einen für bekloppt halten? Dann sollte man sich schnell aus dem Staub machen. „Chef, sind Sie ein böses Krokodil? Ein KROKODIIIIIIIILLLLL, HIIIIILLLFFFEEEE.“





