Toll, dieses London. Wie Berlin. Nur ohne eigene Wohnung. Aber die Chefin wollte die volle Ladung Kultur. Im Gegensatz zu unserem kleinen Dorf ist London eine Großstadt, was bedeutet: lange Wege, viele Menschen, niemals Ruhe. Wir hatten Hans mit Lego bestochen, damit er wenigstens ein Museum lang die Klappe hielt. Ich wollte mich mit Bier bestechen, aber leider ist hier England. Frühstück war im Hotelpreis nicht enthalten, also zum Starbucks nebenan.

Nach zwölf Kilometern Kulturmarsch meldete sich Hans mit Knieschmerzen und der Magen mit Hunger. Die Chefin wollte koreanisch. In einer Frauenzeitschrift stand, dass eingelegter Kohl gut sei für den Fettverbrennungsmetabolismus. Toll, wie die Koreaner es schaffen, dass der Spinat genauso schmeckt wie die Pilze. Ich hatte mich für Tofu entschieden. Damit kann man nichts falsch machen. Schmeckt wie das Huhn der Chefin.

London ist verschenkt ohne wilde Klubnacht. Im Designhotel gab es Babysitter zu mieten. Unser hieß Maik, kam aus Königs Wusterhausen und arbeitete tagsüber an der Rezeption. Er wird unser Kind mit chemischen Drogen vollpumpen, wisperte die Chefin. Ich verspürte Neid. Natürlich kamen wir zu spät zum Konzert im Hyde Park, es regnete, wir hatten nichts zu essen. Dieses elende Schlangenstehen der Briten verhindert zudem strategisch kluges Vorarbeiten. Jamie Cullum wird überbewertet. Die knappe halbe Stunde reichte völlig. Die richtigen Stars sind wahrscheinlich alle in Berlin.

Kein Einheimischer, aber Pärchen aus Europa

So, und jetzt ab in die Szene. Die Chefin hatte ein Lokal in Shoreditch ausgesucht – „absoluter Geheimtipp“. Stimmt. Kein einziger Einheimischer, dafür Pärchen aus ganz Europa, die auf derselben Internetseite wie die Chefin nach Geheimtipps gesucht hatten. Das Essen war fast so gut wie bei unserem Stamm-Italiener, nur kleinere Portionen. Dafür teurer. Die Geheimtipp-Disko der Chefin bot an diesem Abend eine Gay-Schaumparty. Keine Ahnung, warum uns die Türsteher nicht einließen. Ich wies darauf hin, dass wir aus der Partyhauptstadt Europas kämen. Wortlos schob mich der Muskelmann weiter.

Ein Zwerg mit Sicherheitsweste, der für Ordnung sorgen sollte, war so nett, uns einen Klub empfehlen. Nach einer guten halben Stunde Fußmarsch hatten wir den Laden gefunden. Wir kamen tatsächlich am Türsteher vorbei, was auch daran gelegen haben mag, dass außer uns nur drei weitere Paare da waren; eines kannten wir schon vom Essen. Sonntag dann Programm fürs Kind. Zoo ist toll. Und Technikmuseum. Irre.

Der Rückflug verlief reibungslos, was auch daran lag, dass wir fünf Stunden vor Abflug die Reise nach Heathrow angetreten haben, jenen Irrsinnsflughafen, der uns noch bevorsteht. Wenn das Konto wieder ausgeglichen ist, fahren wir übrigens nach Paris. Da gibt es auch einen Zoo und ein Technikmuseum und andere Geheimtipps.