Heute geht es mal um Väter. Väter sind der natürliche Feind der Mütter. Wenn sie nicht da sind, also arbeiten oder andere selbstsüchtige Dinge tun, lassen sie uns mit dem ganzen Kinderkram allein. Wenn sie da sind, beschränkt sich ihr Beitrag zur Kinderbetreuung nicht selten darauf, seltsame High-Tech-Dinge wie Windeleimer mit hochkompliziertem Ritsch-Ratsch-Mechanismus zu kaufen, wo bei jedem Ritsch-Ratsch zwar die aktuelle Windel verschwindet, die alten aber wieder nach draußen befördert werden. Wenn man sich beschwert, hört man nur: „Mit dem Windeleimer stehst du wohl auf Kriegsfuß.“ Ja. Mit dem auch.

In letzter Zeit bin ich mit dem Windeleimer immer häufiger allein. Denn der Vater ist ja auf Geschäftsreise. Irgendeine höhere Macht legt diese Ausflüge immer so, dass der Papa leider verpasst, wie die Backenzähne beim Kleinen durchbrechen. Oder eine neue Bewusstseinsebene bei der Großen hinzu kommt (Aufräumen ist was für Feiglinge). Mit anderen Worten: Er verpasst diese Abende, wo man erschossen mit zwei heulenden Kindern in der verwüsteten Wohnung sitzt. Seine Wellnesstrips stelle ich mir dagegen so vor: Ein bisschen arbeiten, noch einen Champagner mit den Kollegen auf den erfolgreichen Tag und dann ab ins beste Haus am Platz, wo die einzige geistige Anstrengung nur noch darin besteht, den Whirlpool zum Laufen zu bringen.

Wenn man Kinder bekommt, landet man so schnell zurück in der Steinzeit, so schnell kann man gar nicht Australopithecus sagen. Und zwar unabhängig vom vorher ausgeübten Job oder dem Grad der Emanzipiertheit. Herdprämie? Her damit! Mein Leben unterscheidet sich derzeit in keiner Weise von dem meiner Mutter in den 70er-Jahren. Außer natürlich, dass es heute Geschirrspüler, Latte Macchiato und Mami-and-Me-Pilateskurse gibt. Und vollautomatische Windeleimer. Davon abgesehen ist es aber doch so: Mit der Geburt des Kindes ist man der schwächere Part in einer eben noch so modernen und gleichberechtigten Beziehung. Er erzählt am Telefon von Millionendeals, sie fragt, ob er noch Windeln und Feuchttücher von unterwegs mitbringen könnte. Und plötzlich erwischt man sich sogar bei der verbotenen Frage, bei der man sich früher lieber die Zunge blutig gebissen hätte. „Wann kommst du heute nach Hause?“

Diese Erfahrung hat auch eine Bekannte von mir gemacht. Sie war die ersten zehn Monate nach der Geburt der Tochter in Elternzeit, dann ist sie wieder arbeiten gegangen, und ihr Mann hat Küche und Kind übernommen. In der ersten Vater-Woche ging noch alles prima. Der frischgebackene Vollzeitvater lernte lauter nette Mütter auf Spielplätzen kennen. Die gaben ihm von ihren Dinkelkeksen ab und lobten ihn für seine Bereitschaft, seine Karriere ganze zwei Monate auf Eis zu legen. Er war euphorisch und fragte sich, warum seine Frau immer so erschöpft gewesen sei. So ein kleines Kind und so eine große Frau – tststs. Einige Spielplatzbesuche und viele Windeln später kühlte auch seine Begeisterung ab. Als er merkte, dass mit Rückbildung auch das Gehirn gemeint sein könnte.

Man kann sich die Freude meiner Bekannten gar nicht vorstellen, als er endlich so weit war. Und völlig entnervt am Telefon fragte, wann sie denn heute nach Hause zu kommen gedenke – hoffentlich nicht wieder so spät wie gestern.

Da war sie dann endlich wieder, die Gleichberechtigung.