Berliner helfen

Berliner Schüler knüpfen Kontakte im Flüchtlingsheim

Elftklässler der Kennedy-Schule in Zehlendorf besuchen Kinder in einer Erstaufnahme-Einrichtung in Gatow und bringen Spielsachen mit.

Mit einer Mail fing alles an: die 16-jährige Sophia Schnauck, Schülerin der 11. Klasse an der John-F.-Kennedy Schule Berlin, hatte an Berliner helfen geschrieben, dass sie mit einer Gruppe von Mitschülern gerne ein Projekt für Kinder unterstützen würde. Die Kennedy-Schule in Zehlendorf ist eine deutsch-amerikanische staatliche Gesamtschule, alle Kinder sprechen englisch, viele Schüler und Lehrer sind Amerikaner oder haben ausländische Wurzeln. Sophia und ihre Mitschüler haben beschlossen, etwas für Kinder in einem Flüchtlingsheim zu tun. „Das hatten wir schon lange überlegt, aber das ist gar nicht so einfach“, erzählt die 16-jährige. Denn die Schüler wollten nicht nur Spenden sammeln, sondern persönlichen Kontakt zu Kindern aufzunehmen, die mit ihren Familien oder allein aus Syrien, Afghanistan oder dem Irak geflohen sind.

Vermittlung durch Berliner helfen e.V.

Auf Vermittlung von Berliner helfen und Dank organisatorischer Unterstützung von Birgit Schmidt-Möller aus der Senatsschulverwaltung wurde ein Besuch im Awo-Flüchtlingsheim in Gatow verabredet. Das ehemalige Klinikgelände wurde zu einer Erstaufnahme-Einrichtung umgebaut und beherbergt aktuell etwa 550 Flüchtlinge, davon 250 Kinder. Und für die wurde anhand einer vom Heim vorgegeben Liste ein bereitgestellter Awo-Transporter beladen: mit Kinderfahrrädern, Skateboards, Inline-Skatern, Fuß- und Volleybällen und vielen Spielsachen und Büchern, aus denen die Elftklässler „herausgewachsen“ waren. Am Dienstag war es dann soweit: 25 Schüler, zwei Lehrer und eine Mutter machten sich nach Schulschluss um 16 Uhr im Bus auf den Weg von Zehlendorf-Mitte nach Gatow auf der anderen Seite der Havel.

Zusammen spielen

Dort wurden sie von Manfred Nowak, Vorsitzender des Awo-Kreisverbands Berlin-Mitte, Heimleiter Piotr Skrzedziejewskiund und einer temperamentvollen Kinderschar in Empfang genommen. Nachdem sich die anfängliche Aufregung gelegt hatte - die mitgebrachten Spielsachen waren einfach zu verlockend - fanden sich Kennedy-Schüler und Flüchtlingskinder zu zweit oder in kleinen Gruppen zusammen.

Um Bilder zu malen, ein Puzzle zu lösen, im Kaufmannsladen einzukaufen oder in der Puppenküche zu kochen. Die Jungs lieferten sich ein Match am Kicker und bei Verständigungsschwierigkeiten war Laila Mirzai zur Stelle. Die Kinderbetreuerin kam 1986 aus Afghanistan nach Deutschland und spricht mehrere arabische Sprachen. „Die älteren Kinder aus Syrien können Englisch, die Kleinen nicht.“ Die Flüchtlingskinder gehen in Spandau zur Schule oder in die Kita. „Alle lernen relativ schnell deutsch“, sagt die Kinderbetreuerin.

Kontakte zu deutschen Kindern

„Wir freuen uns so über diese Aktion, genau solche Kontakte brauchen wir“, betont der Heimleiter, den alle wegen seines schwierig auszusprechenden Nachnamens nur Herrn Piotr nennen. Er zeigt den Kennedy-Schülern bei einem Rundgang die Anlage, drei große Gebäudetrakte in denen die Flüchtlinge untergebracht sind: Familien in einem Zimmer, Alleinstehende in Sechs-Bett-Zimmern. Es gibt Gemeinschaftsduschen und Küchen, in einem Gebäude ist ein schlichter Speisesaal mit langen Holztischen und Bänken und die Essensausgabe untergebracht. „Verglichen mit anderen Einrichtungen ist das hier komfortabel, vor allem haben wir auch im Außenbereich genug Platz zum Spielen und Toben“, sagt der Heimleiter.

Regelmäßige Besuche

Einige der Kinder begleiten die Schüler auf dem Rundgang und zurück zum Bus,. Der Abschied fällt auf beiden Seiten sichtlich schwer. „Das war jetzt das erste Kennenlernen. Wir kommen auf alle Fälle wieder. Wir können zusammen lernen oder etwas unternehmen“, sagt Sophia Schnauck. Dazu wollen sich die Kennedy-Schüler in kleinen Gruppen zusammen tun und Fahrgemeinschaften bilden. „Wenn man das hier sieht, merkt man doch, wie viel Glück wir im Leben haben. Das muss man dann auch teilen“, meint die 16-jährige und überlegt schon, wie sie weitere regelmäßige Besuche organisieren kann. Vielleicht klappt es sogar mit einer gemeinsamen Weihnachtsfeier im Flüchtlingsheim am 11. Dezember, zu der die Schüler herzlich eingeladen sind.