Berliner helfen

Ein neuer Rollstuhl für André

Ein 20-jähriger Berliner kämpft nach einem schweren Unfall um seine Selbständigkeit. Berliner helfen sammelt Spenden, damit er sich einen besser geeigneteren Rollstuhl kaufen kann.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Es war nur eine kleine Meldung, die am 15. Mai 2011 erschien: „Auf dem S-Bahnhof Köpenick ist am Sonnabendmorgen ein schwer verletzter Jugendlicher aufgefunden worden. Wie die Polizei mitteilte, entdeckte ein Stellwerksmitarbeiter den alkoholisierten jungen Mann gegen 5.30 Uhr, er lag lebensbedrohlich verletzt neben den Gleisen und wurde ins DRK-Klinikum Köpenick gebracht.“

André Hobusch heißt der junge Mann, der damals schwer verletzt gefunden wurde. Er ist inzwischen 20 Jahre alt und sitzt im Rollstuhl. Seit jener verhängnisvollen Nacht hat sich sein Leben komplett geändert. „Ich habe keine Erinnerung, was passiert ist. Ich war in der Disco und sehr betrunken. Wegen meiner Verletzungen vermuten Polizei und die Ärzte, dass mich der S-Bahn-Zug erfasst hat.“, sagt der 20-jährige. Er spricht langsam und schleppend, seine Motorik ist rechtsseitig gestört. Bei dem Unfall vor drei Jahren hat er nicht nur eine Querschnittslähmung und schwerste Beckenfrakturen erlitten, sondern auch Blutungen im Kleinhirn. „Die Kopfverletzung hat man erst später erkannt“, sagt André Hobusch. Die Ärzte hatten ihm damals keine großen Überlebenschancen gegeben, doch nach einem Monat im Koma war er wieder aufgewacht.

Es folgten eine Reha in Hohenstücken, mit der André Hobusch nicht zufrieden ist. „Die haben mich sieben Monate nur im Bett liegen lassen, keine Physiotherapie gemacht“, sagt er. Doch er wollte unbedingt wieder laufen lernen. Mit einer starren Carbon-Schiene trainierte er unermüdlich - und verletzte den gefühllosen rechten Fuß dadurch so schwer, dass er sich fast nur noch im Rollstuhl fortbewegen kann. Aber der Rollstuhl ist nicht auf seine Bedürfnisse und Körpermaße ausgelegt, denn André Hobusch ist fast zwei Meter groß und hundert Kilo schwer. „Der Rollstuhl wiegt 20 Kilo, passt in der Wohnung nicht durch die Tür und ist total schwergängig. Aber die Krankenkasse will keinen anderen bezahlen“, sagt der junge Mann. Er träumt von einem für ihn maßgeschneiderten Aktivrollstuhl, der nur sechs Kilo wiegt, in denen seine Mitspieler beim Rollstuhl-Basketball-Verein sitzen. „Ich möchte doch nur die 700 Meter zum Bahnhof Südkreuz schaffen, ohne schweißgebadet zu sein“, sagt der junge Mann. „Ich will mobil sein!“

Der 20-jährige lebt bei seiner alleinstehenden berufstätigen Mutter in Schöneberg im dritten Stock. Mühsam zieht er sich am Geländer die Treppen hoch und hinunter, der schwere Rollstuhl muss unten im Hausflur bleiben. Sein Bruder Patrick, ein 23-jähriger Student, lebt im gleichen Haus in einer eigenen Wohnung und kümmert sich mit seiner Freundin um den jüngeren Bruder. „Mittags kann ich zum Essen kommen, er hilft mir hier im Haushalt, ohne meine Familie wäre ich aufgeschmissen“, sagt André Hobusch. Auch einen freundlichen Nachbarn im ersten Stock kann er um Hilfe bitten, wenn seine Mutter bei der Arbeit ist. Gleichzeitig möchte er ihr, seinem Bruder und anderen Menschen nicht immer zu Last fallen, sondern seine Selbständigkeit erhalten. Er hat seinen Mittleren Schulabschluss gemacht und eigenständig einen Ausbildungsplatz gefunden – in einer Orthopädie-Werkstatt in Hellersdorf. Dorthin könnte er sogar mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, wenn er einen geeigneteren Rollstuhl hätte, meint er. Das Arbeitsamt wollte ihn in die Behinderten-Werkstatt ins Oberlin-Haus nach Potsdam vermitteln, aber das kam für ihn nicht in Frage: „Ich will herausgefordert und nicht abgeschoben werden“, sagt er und hofft, dass das Arbeitsamt die nötigen Zuschüsse für den Umbau der Werkstatt gibt, zum Beispiel für eine erhöhte Werkbank und einen Spezialstuhl.

Mit der Siemens-Betriebskrankenkasse kämpft er nicht nur um einen geeigneteren Rollstuhl, sondern auch um eine bessere Versorgung der schlecht heilenden Wunde an seinem Fuß. „Eigentlich bräuchte ich eine Diabetiker-Fußpflege, aber die zahlen sie nicht, weil ich kein Diabetiker bin. Dabei sind die Kosten für Verband- und Pflastermaterial viel höher und helfen ja nicht“, sagt André Hobusch. Seine Einsprüche und Eingaben sind bisher alle abgewiesen worden, die Kasse hält sich strikt an ihre Vorschriften.

André Hobusch will nicht den ganzen Tag sitzen, aber sein Arzt hat ihm geraten, den Fuß möglichst wenig zu belasten. In der Wohnung bewegt er sich nur zwischen zwei Zimmern. Bereut er, dass er in jener Mai-Nacht vor drei Jahren so betrunken war, dass es zu dem schweren Unfall kam? „Eigentlich bin ich eher wütend, dass mir echte Hilfe verweigert wird und ich wie ein alter kranker Mensch abgeschoben werde“, sagt er. Im September beginnt seine Ausbildung, seit Monaten schreibt er unermüdlich Stiftungen und Vereine an und bittet um Spenden für den Kauf eines maßgefertigten Rollstuhls. Berliner helfen wird ihn unterstützen, damit er trotz aller Einschränkungen eine Perspektive für sein junges Leben hat.

So können Sie helfen

Der Verein Berliner helfen gewährt in Einzelfällen Zuschüsse zu behindertengerechten Fahrzeugen, Umbaumaßnahmen oder medizinischen Hilfsmitteln. Wenn Sie André Hobusch den Kauf eines auf seine Bedürfnisse angepassten Rollstuhls ermöglichen wollen, spenden Sie an:

Berliner helfen e.V.

Stichwort: André, Konto 3307100 (Spendenkonto 55)

Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 100 205 00

IBAN: DE69 1002 0500 0003 3071 00