Kinderserie

Wenn ich einmal groß bin, werd’ ich… Boxer

Der 13-jährige Drago meint es ernst mit dem Boxen. Er trainiert jeden Tag im Ring und an diesem Sonntag kämpft er zum zweiten Mal um die Berliner Meisterschaft.

Foto: Reto Klar

Der Boxer Rocky Balboa rennt durch den Schnee im russischen Sibirien, er bereitet sich in der Einöde auf seinen Kampf vor, in der Natur. Sein Gegner ist der Mann, der seinen besten Freund getötet hat: Ivan Drago, ein großer Blonder, dessen Wangenknochen so kantig sind, dass sie fast gefährlicher wirken als seine Fäuste.

Der 13 Jahre alte Drago hat mit dieser Muskelmaschine wenig gemein. Er ist mit seinen 51 Kilo eher ein „Fliegengewicht“. Das ist der offizielle Ausdruck für seine Gewichtsklasse. Drago lacht mehr als die russische Killermaschine und er hat eine 1 in Englisch und eine 3 in Französisch. Er geht auf ein Sportgymnasium. Er hat Harry Potter gelesen und interessiert sich auch für Computerspiele, die er durch einen Zimmernachbarn im Internat kennengelernt hat.

Gegner und Punkte

Drago ist ein normaler Junge mit der einen Besonderheit – dass er es wirklich sehr ernst meint mit dem Boxen. „Meine Stärke ist meine Rechts-Links-Rechts-Kombination“, sagt er und täuscht es sehr überzeugend vor. Er ist eigentlich Linkshänder, aber beim Boxen spiele das nicht so eine große Rolle, sagt er. „Beim Boxen geht es ja nicht nur um den Kampf.“ Da stecke alles drin: Disziplin, Körperkontrolle, ein Gegner, gegen den man gewinnen muss. „Aber ich boxe nach Punkten“, sagt Drago, „ich will mit Taktik besiegen.“

Angefangen hat Drago mit dem Kampfsport im Alter von vier. Der Vater Ralf Schade erinnert sich noch gut. „Als ich ihn zum Judo mitgenommen habe“, erzählt er, „war es um ihn geschehen, ich wusste, jetzt hab ich ihn ein Stück verloren.“ Dieses „verloren“ meint, dass Drago eine Welt für sich entdeckt hatte, die nichts mit Eltern und Kindergarten zu tun hat, sondern für ihn zu einer weiteren Heimat wurde: Das Kämpfen. Er ging vom Judo zum Ju-Jutsu und von da vor zwei Jahren zum Boxen. Die beiden anderen Sportarten macht er weiter, aber das Boxen hat für ihn Priorität. Seine Idole heißen Max Schmeling, Mike Tyson Felix Sturm, die Klitschko-Brüder – und Rocky Balboa.

Gefühle verbergen können

Dabei ist Drago eher ein zurückhaltender Kämpfer, der nicht gleich jede seiner Regungen – Wut, Ärger, Stolz – äußerlich zeigt. „Beim Boxen geht es doch eher darum, nicht getroffen zu werden“, sagt er, als habe er diese Regel verinnerlicht. Sie hilft ihm. Als er einmal bei einem Kampf vom Publikum, das für seinen Gegner war, ausgebuht wurde, hat er ein Pokergesicht aufgesetzt. Die Ringrichter hatten sich nach Punkten für ihn entschieden. Dann hat Drago sich in alle vier Richtungen verbeugt, wie er es gelernt hat – und als dann plötzlich einzelne Buhrufe einem respektvollen Klatschen wichen, da hat er doch etwas gegrinst.

Der eine große Moment

Es gibt sie beim Boxen, wie in nur wenigen Sportarten, die richtig großen Sieg-Momente, wenn der Arm am Ende des Kampfes nach oben geht. Sieben Mal hat Drago das in Wettkämpfen schon erlebt. Zwei Mal hat er verloren, seinen ersten Kampf zum Beispiel, ausgerechnet bei der Berliner Meisterschaft. „Da war er sehr traurig“, sagt der Vater Ralf Schade. „Aber er hat dann sofort angefangen, an sich zu arbeiten.“ Diesen Sonntag hat Drago Gelegenheit, zu zeigen, was er gelernt hat. Er tritt wieder bei der Berliner Meisterschaft an.

Angst hat der Vater um seinen Sohn generell nicht. „Im Gegenteil“, sagt er, „ich weiß, dass er sich wehren kann.“ Aber Drago geht schwierigen Situationen aus dem Weg. „Wenn ich wütend bin, lasse ich das am Sandsack aus.“ Dabei hat er sich einmal verletzt. „Da hatte ich ohne Handschuhe gegen einen Sandsack geschlagen – das mache ich nicht noch einmal.“

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