Kinderserie

Wenn ich einmal groß bin, werd’ ich… Schwimmerin

Jasmin schwimmt fünfmal pro Woche in ihrem Charlottenburger Verein und hat oft Wettkämpfe. Sie hat schon viele Medaillen gesammelt und träumt davon, einmal bei den Olympischen Spielen dabei zu sein.

Foto: Reto Klar

Für ihre neun Jahre hat Jasmin schon eine Menge Badeanzüge verschlissen. 20, schätzt sie, vielleicht sogar noch mehr. Aber schließlich schwimmt Jasmin auch fünfmal in der Woche. Mindestens. Manchmal kommt noch ein Wettbewerb am Wochenende dazu. Zu anstrengend findet sie das nicht: „Schwimmen macht mir doch Spaß, vor allem Delfin, meine Lieblingsdisziplin.“ Und Wettbewerbe mag sie besonders: „Ich finde es toll, wenn ich mich mit anderen messen kann.“

Sonderlich verbissen wirkt sie nicht, wenn sie das sagt. „Ehrgeizig bin ich schon, aber es ist auch nicht so schlimm, wenn ich nicht den ersten Platz mache“, sagt die Viertklässlerin aus Spandau. Leicht gesagt für sie, denn tatsächlich hängen in ihrem Kinderzimmer reichlich Medaillen. Die meisten fürs Kraulen, „das kann ich am besten“.

In Berlin hängt sie die Konkurrenz ihres Jahrgangs in ihrer Top-Disziplin oft ab. Ihr Ziel: Wenn sie in zwei Jahren auf die Oberschule wechselt, hofft sie darauf, einen der wenigen und begehrten Plätze in einer Sportschule zu ergattern.

Vom Seepferdchen bis Silber brauchte sie nur wenige Monate

Wann Jasmin zum ersten Mal im Schwimmbad war, weiß sie nicht mehr. Auf jeden Fall war sie schon eine Meisterin im Planschen, bevor sie laufen konnte. Ihre Mutter ging mit ihrer Tochter zum Babyschwimmen, mit vier Jahren kam Jasmin dann in eine private Schwimmschule. Dort machte sie in kurzer Zeit alle Abzeichen bis Silber und bald riet der Schwimmlehrer Jasmins Mutter, einen Verein für ihre Tochter zu suchen, der sie intensiver fördern würde. So schwamm Jasmin vor drei Jahren bei den Wasserfreunden Spandau 04 vor und landete gleich in einer der Leistungsgruppen.

Insgesamt schwimmen etwa 1000 Kinder und Jugendliche bei „Spandau 04“, wie der Verein in Kurzform meist nur genannt wird. Etwas verwirrend, denn er hat seinen Sitz nicht in Spandau, sondern in Charlottenburg. Geschwommen wird im Forumbad auf dem Olympiagelände. 300 Kinder kommen am Nachmittag in die Schwimmgruppen.

Sie hat Training neben den Hertha-Spielern

Den Vormittag über bis in den frühen Nachmittag hinein werden Kitakinder in vereinseigenen Kleinbussen zum Bad gefahren. Seit zehn Jahren bietet der Verein Schwimmunterricht mit Shuttle-Service für Berliner Kitas an. Etwa 700 Kinder sind in dem Programm dabei. Für den Verein eine gute Gelegenheit, neue Mitglieder zu gewinnen und Talente früh herauszupicken.

„Es ist ganz wichtig, sich bei den jüngeren Kindern breit aufzustellen, denn nach oben dünnt es später ohnehin aus“, sagt Trainer Heiko Hopf, „bei einigen Jugendlichen ist dann eben in der Pubertät Party wichtiger als Training.“

In Jasmins Alter ist Motivation noch kein Problem. Schon der Fußweg über das Olympiagelände, vorbei an den Übungsplätzen von Hertha, ist spannend. „Das ist so eine sportliche Atmosphäre hier“, sagt sie und verrät: „Manchmal dürfen wir den Hertha-Spielern den Ball klauen – natürlich zum Spaß.“ Nur ganz selten hat sie keine Lust, zum Training zu fahren. Aber dann geht sie trotzdem.

Das Training zu schwänzen, kommt in den Leistungsgruppen nicht gut an. Selbst wenn Jasmin zu einem Geburtstag eingeladen ist, überlegt sie mit ihrer Mutter, ob sie da hingehen kann. „Vor einem Wettbewerb entscheide ich mich eher fürs Training.“

Hinterher quatscht sie mit ihren Freundinnen unter der Dusche

Inzwischen sind ihr viele Schwimmkinder genauso ans Herz gewachsen wie ihre Freundinnen in der Schule. Mit ihnen verbringt sie ja ähnlich viel Zeit. Und sie erlebt mit ihnen Aufs und Abs, wenn sie sich vor einem Wettbewerb gegenseitig Mut machen oder sich trösten, wenn ein Lauf mal nicht gut geklappt hat. Das schweißt zusammen.

Das Training ist für Jasmin eine Verabredung – zum Schwimmen statt zum Spielen. Und hinterher kommt noch der gemütliche Teil: das Quatschen unter der warmen Dusche. Das ist auch der einzige Zeitpunkt, an dem Bummeln erlaubt ist.

Während des Trainings ist Tempo angesagt. Wer trödelt, riskiert einen Anpfiff von Trainer Heiko Hopf. Ihm entgeht nicht, wer am meisten Zeit beim Umziehen braucht oder wer nicht richtig zuhört, wenn er die nächste Aufgabe stellt. Etwa 20 Kinder sind in seiner Gruppe, und während des Trainings hat er alle im Blick. Mindestens 2000 Meter werden geschwommen, dazu kommen noch reichlich Technikübungen wie Wenden oder Startsprung.

Für Gitarre und Leichtathletik hat sie keine Zeit mehr

Neben der Schule und dem Training bleibt Jasmin kaum Zeit für anderes. Früher hat sie noch Leichtathletik gemacht und Gitarre gespielt, aber das schafft sie nicht mehr. Manchmal denkt ihre Mutter, auch das viele Schwimmtraining könnte ihrer Tochter zu viel werden, aber so lange Jasmin Spaß daran hat und ihr die Schule leichtfällt, will sie nicht eingreifen.

Für Jasmin ist das ohnehin erst der Anfang. Sie hat große Pläne: In zwei Jahren will sie erst einmal einen Platz auf der Poelchau-Oberschule bekommen, eine der Eliteschulen des Sports in Berlin. Und in ihren kühnsten Träumen sieht sich Jasmin schon bei den Olympischen Spielen. Bis dahin hat sie noch viele harte Trainingseinheiten vor sich. Die Profischwimmer nennen das: „Kacheln zählen“.

Alle Folgen der Serie findet ihr unter www.morgenpost.de