Potsdamer Kabinett

Brandenburgs Wirtschaftsminister Gerber tritt zurück

Erneuter Umbau im Potsdamer Kabinett: Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) gibt seinen Job auf - aus persönlichen Gründen.

Albrecht Gerber (SPD) tritt aus persönliche  Gründen von seinem Amt zurück (Archivbild)

Albrecht Gerber (SPD) tritt aus persönliche Gründen von seinem Amt zurück (Archivbild)

Foto: dpa / doa

Potsdam. Die Entscheidung ist über viele Wochen gereift, im Sommerurlaub wurde sie dann zur Gewissheit. Am vergangenen Sonntag informierte Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) Brandenburgs Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD) über seinen Rücktritt. „Seit nunmehr 28 Jahren habe ich mit großer Freude, mit ganzem Herzen und mit vollem Einsatz in und für Brandenburg gearbeitet“, sagte Gerber am Dienstag. Doch damit ist jetzt Schluss. „Die erforderliche Kraft für mein Amt und die damit verbundene sehr hohe Arbeitsbeanspruchung kann und will ich aus rein familiären Gründen nicht mehr aufbringen.“ Ein enges Familienmitglied sei schwer erkrankt, heißt es. Nähere Angaben wollte Gerber nicht machen.

Nach vier Jahren im Amt des Wirtschaftsministers zieht sich Gerber nun zurück. Für die Landesregierung in Potsdam ist das ein schwerer Schlag, war der 51-Jährige doch, trotz seiner umstrittenen Haltung zum Festhalten an der Kohleenergie, eine verlässliche Größe im Woidke-Kabinett. Nicht die Spur einer Kontroverse habe zwischen beiden Männern bestanden, versicherte der Ministerpräsident am Dienstag. Dazu hat es auch kaum Anlass gegeben, denn die Wirtschaft im Land entwickelt sich hervorragend. Bei der Wirtschaftskraft und dem Abbau der Arbeitslosigkeit belegt Brandenburg seit Jahren Spitzenplätze im Vergleich der Ost-Länder, immer mehr Firmen siedeln sich vor allem im Umland von Berlin an. Die Einkommen steigen moderat, aber stetig.

Andere Minister in Woidkes Kabinett gelten als angeschlagen

Gerbers Rücktritt verschärft den Druck auf Woidke. In den vergangenen Wochen geriet die Landesregierung bereits durch den Pharmaskandal um den Verkauf illegaler Medikamente des Brandenburger Unternehmens Lunapharm in die Kritik. Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke) sieht sich massiven Rücktrittsforderungen ausgesetzt, weil ihr Ministerium möglicherweise nicht oder nur unzureichend seine Kontrollfunktion ausgeübt hat. Noch immer ist nicht klar, wie viele Patienten möglicherweise von dem Skandal betroffen sind und mit illegalen, vielleicht unwirksamen Medikamenten versorgt wurden. Woidke vermied zuletzt, der angeschlagenen Gesundheitsministerin Rückendeckung zu geben.

Schon vor einem Jahr verließ der populäre Bildungsminister Günter Baaske (SPD) das Kabinett, weil er mehr Zeit mit seiner Familie verbringen wollte. Und auch die aktuellen SPD-Minister für Landwirtschaft, Jörg Vogelsänger, und Inneres, Karl-Heinz Schröter, gelten als angeschlagen. Vogelsänger machte sich wegen seiner umstrittenen Wolfsverordnung bei den Landwirten im Land unbeliebt, Schröter wird für das Scheitern der Kreisreform verantwortlich gemacht, die das zentrale politische Projekt der Woidke-Regierung war. Vieles spricht nun dafür, dass der Ministerpräsident Gerbers Rücktritt zum Anlass nimmt, ein Jahr vor den Landtagswahlen eine Regierungsumbildung vorzunehmen, um die in Schieflage geratene rot-rote Landesregierung aus der Krise zu führen.

Albrecht Gerber wird das politische Geschehen nun aus der Ferne beobachten. Er sucht nach einer Tätigkeit, die es ihm erlaube, jederzeit die Familie in den Vordergrund zu stellen und sich den Alltag nicht von der Arbeit diktieren zu lassen, kündigte er am Dienstag an. Bis zur kommenden Landtagssitzung am 19. September bleibt er im Amt, wird aber nicht mehr alle geplanten Termine wahrnehmen.

Kollegen und Wirtschaft würdigen Gerbers Arbeit

Gerber, der 1967 im schleswig-holsteinischen Preetz geboren wurde, wirkte seit der Wende von Beginn an in der Brandenburger SPD, zunächst als Partei- und Fraktionssprecher, später als Büroleiter der Ministerpräsidenten Manfred Stolpe und Matthias Platzeck (beide SPD) und als Chef der Staatskanzlei, bevor ihn Woidke vor vier Jahren in sein Kabinett berief. „Ich bin froh und dankbar, dass ich so viele Jahre gemeinsam mit vielen anderen Menschen bei der guten Entwicklung unseres Landes mitarbeiten konnte und durfte“, sagte Gerber am Dienstag – spürbar bewegt von den Umständen seines Rückzuges aus der Politik.

Regierungskollegen und Wirtschaftsvertreter würdigten Albrecht Gerbers Arbeit für das Land. „Seine Biografie ist seit 1990 mit dem Land verbunden. In unterschiedlichsten Tätigkeiten hat er sich in besonderer Weise um den Aufbau unserer Demokratie verdient gemacht“, sagte Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Linke). Der SPD-Fraktionschef im Potsdamer Landtag, Mike Bischoff, erklärte, Gerber sei ein hoch angesehener Minister, der viel für Brandenburg bewegt habe. Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB), sagte: „Albrecht Gerber hat an der guten Entwicklung der Unternehmen in Brandenburg in den vergangenen Jahren seinen Anteil“, sagte Amsinck.

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) äußerte Bedauern und Verständnis für Gerbers Entscheidung. „Für diese persönliche Entscheidung hat er unseren vollen Respekt. Politik ist eben doch nicht alles“, sagte der Vorsitzende des Landesbezirks Berlin-Brandenburg, Christian Hoßbach.

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