Autobahn-Ausbau

Bald geht es auf sechs Spuren nach Hamburg

Der Ausbau der Autobahn zwischen Pankow und Neuruppin (A10 und A24) hat begonnen. Die Fahrbahn soll sechsspurig werden.

Oranienburg/Potsdam.  Zehn Jahre haben die Planungen gedauert, im vergangenen Jahr wurde die Ausschreibung entschieden, jetzt geht es los: Am Dienstag wurde in Oranienburg der Startschuss für den Ausbau der Autobahn zwischen Pankow und Neuruppin gegeben (A10 und A24). Auf 65 Kilometern wird die viel befahrene Autobahn hier in den kommenden vier Jahren sechsspurig ausgebaut und erneuert. Ein Riesenprojekt, denn neben dem Streckenausbau ist der Neu- und der Umbau von insgesamt 38 Brückenanlagen notwendig, zehn davon sind komplette Neubauten.

Nach den ersten Rodungsarbeiten soll mit dem Beginn der Fahrbahnerweiterung bereits Ende Mai begonnen werden. Der eigentliche Neubau, also der Abbruch der alten und der Bau der neuen Fahrbahn sowie die Brückenbauarbeiten, beginnen dann voraussichtlich Ende August 2018 – mit dem Ende der Sommerferien.

Erstmals kommt dabei für eine Brandenburger Autobahn eine öffentlich-private Partnerschaft (ÖPP) zum Tragen. Die Autobahn bleibt zwar in öffentlichem Besitz, der Bund sucht sich aber Partner für den Betrieb und die Instandhaltung. Den Zuschlag bekam ein niederländisch-österreichisches Firmenkonsortium, das den Streckenabschnitt nun baut und in den kommenden 30 Jahren für die Instandhaltung zuständig ist. Insgesamt hat das Bauvorhaben ein Volumen von 1,4 Milliarden Euro, die hauptsächlich vom Bund getragen werden.

Das Vorhaben umfasst den sechsspurigen Ausbau der A10 zwischen den Dreiecken Havelland und Pankow sowie die Sanierung der A24 zwischen den Anschlussstellen Neuruppin und Kremmen. Die A10 wird auf 30 Kilometern Länge sechsspurig ausgebaut. Damit verschwindet ein Nadelöhr, das in der Vergangenheit zu vielen Verkehrsbeeinträchtigungen und Unfällen geführt hat. Der bisher vierspurige Abschnitt der A24 wird komplett erneuert, wobei die Seitenstreifen verbreitert werden, um Teilabschnitte je nach Lage zeitweise für den Verkehr freizugeben.

Abwechselnde Bauabschnitte und "Erholungsstrecken"

Um die Belastungen für die Autofahrer möglichst gering zu halten, wird der Ausbau in Teilabschnitten erfolgen. Dabei wechseln sich Ausbauabschnitte mit sogenannten Erholungsstrecken ab, in denen keine Bautätigkeit stattfindet (siehe Grafik). Es ist mit zum Teil erheblichen Verkehrseinschränkungen zu rechnen. "Natürlich wird es unvermeidliche Beeinträchtigungen und Einschränkungen geben, etwa durch Sperrungen, Lärm und Umleitungen", sagte der Geschäftsführer der Havellandautobahn GmbH, Günter Kaufmann. Die Gesellschaft wurde eigens für den Ausbau gegründet. "Hier fühlen wir uns in der Pflicht, möglichst umfassend und planbar zu kommunizieren", so Kaufmann. Es soll regelmäßig Informationen über die anstehenden Arbeiten und Beeinträchtigungen geben, damit Pendler und Anwohner sich darauf einstellen können.

Soweit es machbar ist, sollen während der Bauarbeiten aber immer mindestens zwei Fahrspuren in jede Richtung zur Verfügung stehen. Voll- und Teilsperrungen werden nach Möglichkeit vermieden, hieß es am Dienstag von den Betreibern. Sollten Sperrungen erforderlich sein, erfolgen diese möglichst in verkehrsarmen Zeiten außerhalb des Berufs- und Ferienverkehrs, kündigte das Konsortium an.

Mit dem durchgängigen Ausbau des Berliner Nordrings wird ein Hauptziel des neuen Bundesverkehrswegeplans 2030 in Brandenburg umgesetzt. Verkehrsexperten erwarten auf der Strecke Berlin-Hamburg in den kommenden Jahren einen starken Verkehrszuwachs – vor allem beim Wirtschaftsverkehr. Schon jetzt fahren bis zu 50.000 Fahrzeuge täglich auf der Strecke.

2013 und 2014 wurden bereits die um- und ausgebauten Autobahndreiecke Havelland und Barnim fertiggestellt. 2015 folgte der Abschnitt bei Pankow. Bis 2019 wird der Lückenschluss Pankow bis Dreieck Barnim für den Verkehr freigegeben. Berlin hatte bereits den Abschnitt Pankow-Buch saniert und auf je drei Spuren ausgebaut.

Die Bezahlung erfolgt nach Verfügbarkeit der Strecke

Der Vertrag mit dem internationalen Konsortium, das in ganz Europa Verkehrsvorhaben realisiert, wurde im Februar unterzeichnet und gilt seit 1. März. Er beinhaltet den Bau, Betrieb und die Erhaltung sowie die anteilige Finanzierung des Großvorhabens. Die Vergütung erfolgt nach der Qualität der erbrachten Leistung und der Verfügbarkeit der Autobahn für die Auto- und Lastwagenfahrer.

Dazu investiert der private Betreiber im Gewerbegebiet Vehlefanz in den Bau eines Betriebsdienstzentrums, das für die Betreuung des Autobahnabschnitts zuständig ist. Darüber hinaus gewährleistet das Konsortium den Winter- und Räumdienst auf einem zehn Kilometer langen Streckenabschnitt von der Anschlussstelle Falkensee bis zum Autobahndreieck Havelland. Die Autobahnmeisterei Birkenwerder, die bislang für den Abschnitt zuständig war, wird aufgelöst, da ihre Aufgaben nun in private Hände fallen. Die 20 Mitarbeiter sollen in andere Abteilungen wechseln, Kündigungen soll es nicht geben.

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