Verkehr

So sollen die Kreuzungen in Berlin sicher werden

Die Verkehrsverwaltung plant den Umbau von gefährlichen Knotenpunkten. Radaktivisten sprechen von halbherzigen Aktionen.

Berlin.  In den kommenden drei Jahren sollen 60 Berliner Kreuzungen umgebaut werden. Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) will so den Straßenverkehr sicherer machen. Vor allem Radfahrer und Fußgänger sollen von den kürzlich bei der Vorstellung der Unfallstatistik für 2017 veröffentlichten Planungen profitieren.

Wie berichtet, sind zehn Kreuzungen in mehreren Bezirken betroffen, wobei neun bereits feststehen. Welche Knotenpunkte umgebaut werden müssen, wurde statistisch ermittelt. Umgestaltet werden die Kreuzungen, an denen es innerhalb von drei Jahren mindestens fünf Unfälle mit leichtem Personenschaden oder mindestens fünf Unfälle gleichen Typs innerhalb eines Jahres gab.

Doch Radaktivisten kritisieren nun die Verkehrsverwaltung. „Das ist nicht das, was wir uns unter Kreuzungsumbau vorstellen“, sagte Peter Feldkamp von Changing Cities, einer Initiative für das Berliner Radgesetz, der Berliner Morgenpost auf Nachfrage. Während Feldkamp geschützte Kreuzungen („protected intersections“) fordert, bei denen Fußgänger und Radfahrer auch baulich vom Autoverkehr klar getrennt werden, setzt die Senatsverwaltung vor allem auf mehr Signalanlagen und veränderte Verkehrsführungen. Die Berliner Morgenpost dokumentiert, was bislang geplant ist:

Yorckstraße/Katzbachstraße

An dieser Kreuzung soll vor allem die Ampelschaltung angepasst werden. Wenn Linksabbieger von der Yorckstraße in die Katzbachstraße Grün haben, haben alle anderen Verkehrsteilnehmer Rot. Zudem soll die Ampel verkehrsabhängig gesteuert werden. Derzeit gibt es häufig Rückstau in der Katzbachstraße durch viele Rechtsabbieger. Zudem soll die Radfahrer-Haltelinie vorgezogen werden und ein separates Signal bekommen. Baulich soll der Kurvenradius auf der Yorckstraße-Ost so verändert werden, dass Fußgänger von Autofahrern besser gesehen werden. Geprüft wird auch, ob der Gehweg an der Katzbachstraße verlängert wird, um die Strecke der Fahrbahnquerung zu verringern.

Britzer-/Buckower Damm/Mohriner Allee

Hier sollen die Pfeilmarkierungen auf der Mohriner Allee geändert werden. So soll zweispuriges Rechtsabbiegen minimiert werden. Momentan kommt es hier häufig zu Unfällen, weil Radfahrer parallel zu den Rechtsabbiegern fahren und oft von Autofahrern übersehen werden. An der gesamten Kreuzung sollen die Radfahrerampeln angepasst werden. Das heißt, die Grünphasen erhalten einen geringen Vorlauf. Auch bei den Linksabbiegern vom Buckower Damm in die Mohriner Allee soll die Verkehrsführung angepasst werden, um Unfälle mit Fußgängern und Radfahrern zu vermeiden.

Schönhauser Allee

Die Dreiecksinsel im Bereich des Schönhauser Tores soll umgebaut und so die Sicht für Autofahrer verbessert werden, die nach rechts in die Schönhauser Allee abbiegen wollen und dort auf Radfahrer treffen, die die Schönhauser Allee entlangfahren.

Blücherstraße/Brachvogelstraße

Hier soll eine komplette Ampelanlage neu gebaut werden. An dieser Kreuzung kam es häufig zu Unfällen, weil die Vorfahrt missachtet wurde.

Siemensdamm/Letterhausweg

Die Ampel soll mit zusätzlichen Masten ausgestatten werden, die über die Fahrbahn reichen. Außerdem sollen die Leuchtfelder der Signalanlagen vergrößert werden.

Bundesallee/Hohenzollerndamm/Nachodstraße

Die Rechtsabbieger in den Hohenzollerndamm sollen auf zwei Streifen geführt werden und eine separate Ampel erhalten. Die Leuchtfelder der Ampeln sollen vergrößert, zusätzliche Schutzblinker angebracht und vorgezogene Haltelinien für Radfahrer ergänzt werden. Außerdem entsteht eine neue Radfahrverbindung zwischen Pariser Straße und der Regensburger Straße. Die Ampel soll behindertengerecht umgebaut werden.

Alle vier Minuten wurde die Polizei 2016 zu einem Verkehrsunfall gerufen

Seestraße/Nordufer

Die Ampel soll für besser Sichtbarkeit mit LED-Technik ausgestattet werden. Zudem sollen die Leuchtfelder vergrößert werden. Laut Verkehrsverwaltung kam es an dieser Kreuzung zu vielen Unfällen von Fußgängern und Radfahrern, weil das Rotlicht missachtet wurde.

Danziger Straße/Greifswalder Straße

Auf der Danziger Straße soll ein Radfahrstreifen entstehen, Ampeln und Fahrbahnmarkierungen dementsprechend angepasst werden. So sollen auch Unfälle zwischen Rechtsabbiegern und Radfahrern künftig vermieden werden.

Kurfürstendamm/Joachimsthaler Straße

Hier kommt es häufiger zu Unfällen von Linksabbiegern, die vom Kurfürstendamm in die Joachimsthaler Straße abbiegen. Um das künftig zu verhindern, sollen die Mittelstreifenköpfe auf dem Kurfürstendamm verkürzt werden. Dadurch verändert sich der Abbiegewinkel der Autofahrer. Zudem sollen die Ampeln mit LED-Technik ausgestattet werden.

Mehr Unfälle, weniger Verkehrstote

Statistik: Die Zahl der Verkehrstoten in Berlin ist auf einem Rekordtiefstand. Insgesamt kam es 2017 allerdings zu etwas mehr Unfällen (plus 1,6 Prozent auf 143.424) mit etwas mehr Verunglückten (plus 0,12 Prozent auf 17.415). Darunter sind auch mehr Schwerverletzte (2317) und mehr verunglückte Kinder (742).

Unfallursachen: Die häufigsten Unfallursachen im vergangenen Jahr waren laut Statistik Abbiegefehler, das Nichtbeachten der Vorfahrt und zu hohes Tempo.

Unfallfluchten: Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisierte eine zunehmende Rücksichtslosigkeit im Straßenverkehr. Diese Tendenz spiegele sich in 33.150 Unfallfluchten wider. Das ist der höchste Stand seit mehr als eineinhalb Jahrzehnten.

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