Stadtplanung

Streit um Abriss des "Mercure"-Hotels entzweit Potsdam

Potsdam streitet um die Zukunft des Hotelriesen „Mercure“. Obürgermeister Jann Jakobs verteidigt seine Abriss-Pläne.

Das Hotel „Mercure“ (l.), ein Plattenbau aus DDR-Zeiten, steht gegenüber dem wieder aufgebauten Stadtschloss

Das Hotel „Mercure“ (l.), ein Plattenbau aus DDR-Zeiten, steht gegenüber dem wieder aufgebauten Stadtschloss

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

„Ich verstehe die Aufregung nicht“, sagt Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD). „Wir wollen den Stadtverordneten doch lediglich einen Vorschlag unterbreiten, das Sanierungsgebiet für die Potsdamer Mitte zu präzisieren.“ Es werde kein Beschluss befasst, das „Mercure“ demnächst abzureißen. Vielmehr gehe es um eine langfristige Weichenstellung. „Man kann das Thema nicht immer ausklammern“, betont Jakobs, „in der Hoffnung, es werde nie die Situation kommen, in der eine Entscheidung dazu getroffen werden muss“. Er wolle zumindest die Option dafür schaffen, verteidigt sich Jakobs im Gespräch mit der Berliner Morgenpost.

Den Abriss des 17-stöckigen Hotelriesen in der historischen Mitte Potsdams will derzeit tatsächlich keiner beschließen. Mit der Vorlage für die Stadtverordnetenversammlung an diesem Mittwoch arbeitet der Oberbürgermeister aber auf eine aus seiner Sicht längst fällige Entscheidung hin. Denn der Antrag sieht vor, dass künftige Sanierungen des erst jüngst an ein US-amerikanisches Konsortium verkauften Hotels verhindert werden könnten.

„Das Ganze ist absolut durchsichtig“, kritisiert der oppositionelle Linken-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg. Offenbar wolle die Stadt das Hotel irgendwann erwerben und abreißen lassen. Die Linke ist gegen einen Abriss des früheren Interhotels und fordert eine repräsentative Bürgerbefragung. Mehr als 7000 Bürger stimmten bei der Befragung zum Bürgerhaushalt, dafür, kein Steuergeld für den Ankauf und Abriss des „Mercure“ einzusetzen. Der 60 Meter hohe, 1969 erbaute „Klotz“ aber steht nach Ansicht von Jakobs dem Traum einer Rekonstruktion der alten Potsdamer Mitte im Weg. Wie aus Plänen der Stadtverwaltung hervorgeht, ist stattdessen geplant, an jener Stelle einen neuen Lustgarten als „Wiese des Volkes“ für Bürgerfeste zu errichten.

Stolpe und Speer warnen vor Abriss des Hotels

Der Oberbürgermeister bekommt bei seinem Plan inzwischen Gegenwind auch aus den eigenen Reihen. Der frühere Innenminister Rainer Speer (SPD) sagte den „Potsdamer Neuesten Nachrichten“: „Einen Abriss halte ich für Schwachsinn.“ Brandenburgs früherer Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) warnt seinen Parteifreund Jakobs davor. „Das ‘Mercure’ entstand in einer Trümmerlandschaft und war für Alt-Potsdamer ein Zeichen für den Aufbau des Stadtzentrums“, sagt Stolpe. „Nicht wenige Potsdamer verbinden mit dem ‘Mercure’ angenehme Erinnerungen. Sie haben den Eindruck, dass mit dem Abriss des Hotels gute Erinnerungen an die DDR.-Zeit ausgemerzt werden sollen“, so Stolpe. Er rät den Hotelbetreibern gar zu einer Schadenersatzklage.

Dem „Mercure“ entstehe durch die Diskussion erheblicher Schaden, sagt Hoteldirektor Marco Wesolowski. „Wenn Kunden im Internet nach dem ‘Mercure’ in Potsdam suchen, erscheinen sofort Berichte über Abrisspläne“, klagt der Direktor. „Wir müssen erhebliche Kraft darauf verwenden, die Interessenten davon zu überzeugen, dass wir ein gut ausgestattetes Hotel sind.“

Daher würden nun alle denkbaren juristischen Schritte gegen die Stadt geprüft. Der Oberbürgermeister sagte der Berliner Morgenpost: „Ich sehe dem gelassen entgegen.“ Er gehe nicht davon aus, dass die Planungshoheit einer Kommune und deren Auswirkungen zu Schadenersatz führten.

Stornierungen nach früherer Abrissdebatte

„Als Hasso Plattner vor einigen Jahren mit Unterstützung der Stadt plante, anstelle des ‘Mercure’ sein privates Kunstmuseum zu errichten, hatten wir allein durch Stornierungen einen Umsatzverlust von mehr als 100.000 Euro“, entgegnet Hotelchef Wesolowski. Auch für das Personal sei die Situation schwierig. „Unsere Mitarbeiter arbeiten zum Teil schon sehr lange hier im Hotel“, sagt er.

Olaf Lücke, Hauptgeschäftsführer des brandenburgischen Hotel- und Gaststättenverbandes, spricht von einer „Debatte zur Unzeit“.