Stadtplanung

Neuer Anlauf für Abriss des Hotel "Mercure" in Potsdam

Potsdams Stadtspitze hätte gern statt des "Mercure"-Hotels eine Rasenfläche in der historischen Innenstadt. Doch es gibt Widerstand.

An diesem Kontrast scheiden sich die Geister: Das Hotel „Mercure“ (l.) gegenüber dem neuen Potsdamer Stadtschloss am Alten Markt in Potsdam

An diesem Kontrast scheiden sich die Geister: Das Hotel „Mercure“ (l.) gegenüber dem neuen Potsdamer Stadtschloss am Alten Markt in Potsdam

Foto: dpa Picture-Alliance / Ralf Hirschberger / picture alliance / ZB

Wer durch das Fortuna-Portal in den Innenhof des wieder erbauten historischen Stadtschlosses tritt, hat nicht nur das beeindruckende Landtagsgebäude vor sich. Er schaut auch direkt auf die oberen Stockwerke des schräg gegenüberliegenden Betonklotzes. Mit seiner Höhe von 60 Metern ist das 17-stöckige „Hotel Mercure“ in grauem Beton von überall in der historischen Innenstadt zu sehen. Damit das nicht so bleibt, will die Stadtspitze nun erneut einen Versuch zum Abriss des früheren DDR-Intel-Hotels unternehmen.

In der nächsten Stadtverordnetenversammlung am 27. Januar sollen dafür die Weichen gestellt werden: Im Zuge der Diskussion um die neuen Sanierungsziele für den Lustgarten, die dann beraten werden. Eine Vorlage aus dem Rathaus sieht vor, dass künftig für das „Mercure-Hotel“ eine Art Veränderungssperre gelten soll. Denn der DDR-Bau aus den 60er-Jahren liegt im historischen Lustgarten.

Derzeit müsste das Bauamt genehmigungsfähige Anträge auf Sanierung oder Umbauten absegnen, das soll mit dem angestrebten Beschluss offenbar umgangen werden. „Bei den Sanierungszielen soll das ‚Mercure‘ keine Rolle mehr spielen“, sagt ein Stadtpolitiker. „Ziel ist es, dass es in absehbarer Zeit nicht mehr an diesem Standort zu finden ist.“

Freie Sicht auf den Lustgarten

Also eine Demontage auf Raten? Eine Möglichkeit, den Preis für das Hotel zu drücken und so den Kauf durch die Stadt von dem derzeitigen US-Eigentümer zu ermöglichen? Eine Antwort dazu aus dem Rathaus darauf bleibt aus.

Die oppositionelle Linke kritisiert den neuen Plan scharf. Deren Fraktionsvorsitzender Hans-Jürgen Scharfenberg sagt: „Für mich ist dies eine klare Bestätigung dafür, dass das ganze Werkstattverfahren zum Lustgarten nur die Hülle diente, das ‚Mercure‘ zum Abriss freizugeben.“

Das vom Land finanzierte, rund eine halbe Million teure Verfahren zur Neugestaltung des Bereichs in der „neuen“ historischen Mitte endete mit einem umstrittenen Ergebnis: Alle sieben beteiligten Architekturbüros sehen eine freie Sicht vor. Also einen Lustgarten ohne ‚Mercure‘. „An Begleitprogramm zur Neugestaltung des Areals ist nur Pillepalle vorgesehen“, kritisiert Scharfenberg.

Prominente Potsdamer für Abriss des Betonriesen

Zum Beispiel die künftige Gestaltung des Bahndamms und des Festplatzes. „Wenn nun versucht wird, den Potsdamern die Beseitigung des ‚Mercurs‘ schmackhaft zu machen, indem an der Stelle eine Wiese des Volkes entsteht, ist das nur lächerlich“, meint Scharfenberg. Ein Entwurf aus dem im Juni vorigen Jahres beendeten Planungswerkstattverfahrens sieht eine für die Bürger freizugebene Rasenfläche vor. Der Oppositionsführer kündigt eine „harte Diskussion“ an. Die Linke fordert eine Bürgerbefragung.

Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) verfolgt den Abriss hingegen weiter. Er hofft auf die Unterstützung der Rathauskooperation von CDU/ANW und Grünen. Die Chance war schon einmal da und galt als „einmalig“: Der Potsdam-Mäzen Hasso Plattner wollte das Hochhaus gegenüber des von ihm mitfinanzierten wieder aufgebauten Stadtschlosses kaufen und es abreißen lassen, um an dessen Stelle eine Kunsthalle zu errichten. Daraus wurde nichts. Denn Plattner entfachte damit 2012 unbeabsichtigt einen heftigen Streit unter den Potsdamern. Für viele gehört das ‚Mercure‘ einfach dazu.

Bei einer Demonstration warben prominente Potsdamer damals für die Kunsthalle und für den Hotel-Abriss. An einem Sommertag hielten Designer Wolfgang Joop, Schauspielerin Nadja Uhl und Günther Jauch leidenschaftliche Plädoyers. Jauch wandte sich gegen Versuche, den Abriss zum „Verlust an DDR-Geschichte hochzustilisieren“. Ja, eine städtebauliche Dominante, das sei das ‚Mercure‘. „Und was für eine“, sagte Jauch. Schönheit liege im Auge des Betrachters. Über den Vorwurf der sozialistischen Notdurft-Architektur könne gestritten werden. „Doch dass dieser Kasten hier nicht reinpasst, das realisiert jeder städtebaulich nur ansatzweise sensible Mensch.“ Genau so sieht es auch der Oberbürgermeister. Er gibt nicht auf.