Architektur

In Hauch von Italien in der Potsdamer Innenstadt

Die brandenburgische Landeshauptstadt ist als Wohnort begehrt. Es entstehen historisierte Nachbildungen, moderne Townhouses, aber auch Mietwohnungen auf einem ehemaligen Kasernengelände. Ein Überblick.

Foto: Baywobau

Die Lage am Wasser, die Nähe zu Berlin, die Mischung aus Historie und Moderne, das viele Grün. Potsdam ist als Wohnort begehrt. Den Prognosen nach wird die brandenburgische Landeshauptstadt in den kommenden fünf Jahren um weitere 6000 Einwohner auf knapp 170.000 wachsen. „Wir haben in den vergangenen Jahren viel Platz für den Bau von Wohnungen festgelegt. Mehr als 10.000 Wohnungen können so in den nächsten Jahren in der Stadt errichtet werden“, sagt Potsdams Baubeigeordneter Matthias Klipp (Grüne). „Dabei ist es uns wichtig, aus der Mitte heraus zu wachsen und nicht am Stadtrand.“ Potsdams Linke-Chef Sascha Krämer warnt: „Wir müssen den schwierigen Spagat zwischen Luxussanierung und bezahlbarem Wohnraum hinbekommen. Was nützen schöne Fassaden, wenn nur noch die Reichen dahinter leben?“ Die Berliner Morgenpost stellt einige Wohnprojekte vor.

5900 Euro pro Quadratmeter

Prachtvoll wohnen lässt sich künftig in einem Ensemble an der Yorckstraße mitten in der historischen Innenstadt. Die Baywobau mit Sitz in München hat das „Brockessche Palais“ am alten Stadtkanal entkernt und saniert. In dem denkmalgeschützten Bürgerhaus von 1776 und den beiden Neubauten entstehen 108 Wohnungen und drei Gewerbeeinheiten. Auf der Rückseite sind drei Wohnflügel geplant. Die ersten der Zwei- bis Vierzimmerwohnungen sollen Ende dieses Jahres fertig sein.

Nach Auskunft des Bauträgers sind rund 40 Prozent verkauft. Darunter die größte und teuerste Wohnung: Knapp 5900 Euro pro Quadratmeter soll ein Käufer für seine Eigentumswohnung bezahlt haben. Das ist der höchste Preis, der in Potsdam 2013 erzielt wurde.

Im Karree zwischen Dortu- und Charlottenstraße, Yorckstraße und Wilhelm-Staab-Straße gibt es viel Grün, drei Spielplätze und eine Rosengartenanlage mit Klanginstallation: Hier entstehen mit den Nikolai Gärten drei Mehrfamilienhäuser mit 30 Wohnungen, 14 Townhouses und acht Penthouses. Ein Townhouse mit sechs Zimmern, 145 Quadratmetern Wohnfläche und Terrasse kostet in den Nikolai Gärten 499.000 Euro.

Historische Fassade

In Potsdams historischer Mitte findet sich das Prestigeprojekt der Prinz von Preussen Grundbesitz AG: das Stadtschloss-Ensemble. In Zusammenarbeit mit Condor Wessels entstehen an der Alten Fahrt der Palazzo Chiericati von Palladio in Vicenza und der Palazzo Pompei von Sanmicheli in Verona neu. Die einstigen Nachbildungen kehren somit nach Potsdam mit historischer Fassade zurück. 27 Wohnungen entstehen. Wer hier wohnen will, mus 5100 Euro pro Quadratmeter hinlegen.

An der Berliner Straße 103 bis 105 unweit der Glienicker Brücke sind die neuen Stadtvillen Charlotte & Luise unübersehbar: In zwei klassisch gestalteten Fünfgeschossern werden dieses Jahr 89 Eigentumswohnungen bezugsfertig. Damit werden zwischen Heiligem See und Tiefem See weitere Zwei- bis Fünfzimmerwohnungen angeboten – von 49 Quadratmeter bis zu 168 Quadratmeter. Etwa 70 Prozent der Wohnungen sind laut dem Projektentwickler Formart verkauft. Der Durchschnittskaufpreis beträgt 3500 Euro. Für eine Zweizimmerwohnung mit rund 81 Quadratmeter sind rund 287.000 Euro zu zahlen, eine Vierzimmerwohnung mit etwa 115 Quadratmetern liegt bei 414.500 Euro.

Mietwohnungen auf früherem Kasernengelände

Das Unternehmen Semmelhaack investiert rund 65 Millionen Euro im Westen Potsdams. Auf dem ehemaligen Kasernengelände in Potsdam-Eiche entstehen 740 Mietwohnungen. Geplant sind vor allem kleine Wohnungen für Senioren und für Studenten. Die ersten sollen im August fertig sein. Der durchschnittliche Mietpreis pro Quadratmeter liegt nach Auskunft des Unternehmens bei 11 Euro. Zudem ist ein Seniorenstift mit 120 Plätzen geplant.

Direkt an der Havel liegt die historische Speicherstadt. Die GrothGruppe hat dort 249 Wohnungen bauen lassen, von den 98 Eigentumswohnungen sind etwa 70 Prozent verkauft. Die Quadratmeterpreise liegen bei 2750 bis 5900 Euro, je nach Ausstattung und Lage. Der Rest sind Mietwohnungen.

Aus dem Gelände der leer stehenden Alten Brauerei am Leipziger Dreieck soll ein von Gärten geprägtes Wohnquartier werden. Die Nürnberger Terraplan Grundstücksentwicklungsgesellschaft restauriert auf dem Nachbargrundstück die Brauerei an der Heinrich-Mann-Allee und schafft dort etwa 50 Wohnungen. Um den Hof herum entwickelt die Lume Development GmbH Townhouses mit Gärten und acht Penthouses mit Dachgärten. 35 Wohnungen und sechs Geschossbauten sind geplant. Die Hälfte davon ist reserviert oder verkauft. Ein Townhouse mit vier Zimmern auf rund 100 Quadratmetern kostet nach Auskunft der Investoren Christian Daniel und Rainer Rothkegel rund 350.000 Euro. Die Zielgruppe: Familien mit Kindern. Gerade die zieht es nach Potsdam.