Sanktsuusi, sagen alteingesessene Potsdamer: Der Park von Schloss Sanssouci ist so etwas wie ein Vorgarten. Jeder hat dort wohl seinen eigenen Lieblingsplatz. Welches Kind kennt nicht die graue, halbrunde Flüsterbank. Egal, wie weit man auseinander sitzt und wie leise man spricht, man versteht sich aufgrund der wundersamen Akkustik.
Potsdam, das ist auch: Zur Dämmerung Rotwein trinken hinten bei den Römischen Bädern mit ihrem italienischen Flair. Oder das Einschulungspicknick am Fuße des Pfingstberges. Es gibt tatsächlich fast touristenfreie Winkel, die nur die Potsdamer kennen. Ob in Sanssouci oder um das Schloss Babelsberg herum. Der Alt- wie der Neu-Potsdamer liebt die von den Preußenkönigen hinterlassenen Schätze, spannungsgeladen hingegen ist das Verhältnis zwischen ihm und der staatlichen Schlösserstiftung.
Festkonzert und Empfang im Potsdamer Nikolaisaal
Seit 25 Jahren genießen die Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin besonderen Schutz. Am 12. Dezember 1990, zwei Monate nach der Wiedervereinigung, wurden sie in die Unesco-Welterbeliste eingetragen. Am heutigen Donnerstag soll das im Nikolaisaal in Potsdam gefeiert werden. Mit Festkonzert und anschließendem Empfang.
Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) räumt ein: „Die Diskussion um die Bedeutung und die Konsequenzen des Welterbestatus in Potsdam verlaufen nicht ohne Emotionen.“ Jedoch sei die Anerkennung der in Potsdam vorhandenen und weltweit bekannten Kulturgüter ein Privileg für die Stadt. „Das sehen auch die Bürgerinnen und Bürger so. Schon mehrfach haben sie in Befragungen die Schlösser und Parks als wichtiges Alleinstellungsmerkmal Potsdams genannt.“
Doch die Potsdamer wollen nicht in einem Museum wohnen. Die Parkordnung ist ein Dauerärgernis, viele halten sie für zu streng. Radfahren ist nur auf ausgewiesenen Wegen erlaubt, doch kaum einer hält sich daran, abzusteigen und das Rad zwischendrin zu schieben. Auf dem Weg zur Arbeit hat dazu auch kaum einer die Zeit.
Dauerkonflikt mit Radfahrern und Hundebesitzern
Hunde gehören in den Parks an die Leine. Zuweilen eskaliert der unentwegt schwelende Konflikt, denn Verstöße kosten Geld. „Wir werden mitunter heftig beschimpft“, berichtet eine Mitarbeiterin des Ordnungsdienstes der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, „von Hundebesitzern, Fahrradfahrern und im Sommer von Badenden“.
Anwohner fühlen sich von Kontrolleuren gegängelt. Viele sehen Potsdam unter der Fuchtel der Schlösserstiftung. Es gibt auch Kommunalpolitiker, die dieser Meinung sind. Allerdings nur hinter vorgehaltener Hand. Der Generaldirektor der Stiftung, Hartmut Dorgerloh, wiederum hält der Stadt vor, die Stiftung nicht genug zu unterstützen. Und kritisiert auch die Bürger. Er habe den Eindruck, erklärte Dorgerloh jüngst bei einer Veranstaltung, man sei in Potsdam sehr zufrieden mit dem Welterbe, „weil man dafür nicht viel tun muss“.
Trotz großer Erfolge bei der Sanierung stehe es keineswegs zum Besten mit dem Zustand der Welterbeschlösser. Noch immer gebe es einen Instandhaltungsbedarf von einer Milliarde Euro. Bislang zahlen nur die beiden Länder Berlin und Brandenburg und der Bund als Stiftungsgeber. Die Stadt schießt neuerdings bis 2018 jeweils eine Million Euro für die Parkpflege zu. Eine Entscheidung, um die vom Stiftungsrat verfolgten Eintrittsgebühr in den Park Sanssouci abzuwenden.
Dorgerloh wirft der Stadt wie den Potsdamern vor, nicht sensibel genug mit dem Welterbe umzugehen. Statt historisch unbebaute Flächen im direkten Welterbe-Umfeld zu schützen, werde ein Bauvorhaben wie am Humboldtring genehmigt. Ein Investor will zwischen Nutheschnellstraße, Havel und dem Wohngebiet Zentrum-Ost bis zu fünfgeschossige Gebäude mit Wohnungen errichten.
Kontroverse Diskussionen um die Stadtvillen nahe der Glienicker Brücke
Einmal war der Unesco-Welterbe-Status bereits in Gefahr: Mitte der 90er-Jahre drohte Potsdam wegen der als Bausünde geltenden Stadtvillen am Glienicker Horn nahe der Glienicker Brücke auf die Rote Liste zu kommen.
Nach dem Fall der Mauer sorgten die Nacktbadenden am Heiligen See für erbitterte Diskussionen. An sie haben sich mittlerweile auch die Touristen gewöhnt. Allerdings will Schlösserchef Dorgerloh die Zustände im Welterbe-Gebiet nicht mehr länger hinnehmen. „70.000 Euro fielen allein für die Entsorgung des Mülls an der Badestelle im Neuen Garten an“, beklagt er. „Das Gelände dort geht vor die Hunde.“
Mit 2064 Hektar zählt das Welterbegebiet, das zweimal erweitert wurde, zu den flächenmäßig größten in Deutschland. Die Stiftung ist zuständig für die Parks von Sanssouci, den Neuen Garten, den Park von Babelsberg und von Sacrow und in Berlin für den Park Glienicke und die Pfaueninsel. Die Stadt kümmert sich unter anderem um die Russische Kolonie Alexandrowka und Teile von Sacrow.





