Sanierung

Neuer Flügel des Schloss’ Charlottenburg wird wiedereröffnet

Zum Weihnachtsspaziergang ins Schloss: Am zweiten Weihnachtstag können nach zwei Jahren Sanierung die Königswohnungen und Säle des Flügels besucht werden.

Es war der Tag der Premieren: Der erste offizielle Termin von Berlins neuem Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) als Kultursenator. Denn auch diesen Posten hat Müller von Klaus Wowereit übernommen. Zudem war es der erste gemeinsame öffentliche Auftritt mit Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU). Und ein Bekenntnis zur City West. Und ein Bauprojekt, das fristgerecht und im vorgegebenen Kostenrahmen realisiert worden ist. Anfang des Jahres hatte Hartmut Dorgerloh, der Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG), angekündigt, dass der Neue Flügel des Schlosses Charlottenburg ab dem 26. Dezember wieder für Besucher geöffnet sein wird – und er hat Wort gehalten.

Entsprechend gelöst war am Freitag die Stimmung bei der Pressekonferenz im Weißen Saal. 4,5 Millionen Euro hat die Stiftung in die Sanierung des Neuen Flügels investiert. Ein großer Teil der Maßnahmen ist für die Besucher allerdings nicht sichtbar: So wurde die Geschossdecke zum Dach gedämmt und im Keller die technische Infrastruktur teilweise erneuert. Ins Auge fällt hingegen der neue Fassadenanstrich, der sich an der Farbgebung aus der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg orientiert.

Die jetzt abgeschlossenen Arbeiten stellen nur einen Teil der Generalsanierung dar. Bis 2017 folgen noch acht weitere Bauabschnitte, insgesamt stehen 14,3 Millionen Euro zur Verfügung, davon stammen 5,2 Millionen Euro aus dem Energiesparprogramm des Bundesumweltministeriums. Die Stiftung rechnet damit, dass sie künftig einen sechsstelligen Betrag bei den Betriebskosten einsparen kann.

Zwei Wohnungen für Friedrich den Großen

Der Neue Flügel wurde von 1740 an errichtet, im Auftrag Friedrich des Großen, der Charlottenburg bei seinem Regierungsantritt als Residenz wählte. Der König machte seinerzeit Druck, denn „wir gedenken, einen Großteil unserer Zeit dort zu verbringen“. Er hatte dort zwei Wohnungen, eine befand sich hinter den beiden großen Festsälen. Bibliothek, Arbeits- und Schlafzimmer des Monarchen lagen unmittelbar beisammen, auch Watteaus Gemälde „Die Einschiffung nach Cynthera“ hängt dort, Monika Grütters hatte sich bei Dorgerloh eigens nach diesem Werk erkundigt.

Ein „besonderer Termin“ sei das heute, sagte Michael Müller und räumte ein, dass er sich an die „Rolle des Kultursenators noch gewöhnen muss“. Mit der Kulturstaatsministerin hatte er sich in dieser Woche bereits bei der Hauptstadtkulturfonds-Sitzung getroffen. „Wir haben den Fonds zugunsten Berlins geplündert“, scherzte Grütters. Die beiden kennen sich schon lange, die Kulturstaatsministerin hat ja einige Jahre Berliner Landespolitik gemacht und hofft, dass sie gemeinsam mit dem neuen Regierenden Bürgermeister die Brache Kulturforum beleben kann, nachdem der Bund kürzlich 200 Millionen Euro für einen Neubau des Museums der Moderne bewilligt hatte.

Umstritten ist derzeit noch, wo gebaut werden soll. Grütters möchte ein Zeichen an der Potsdamer Straße setzen – und hat sich darüber schon mit Müller verständigt. Andere neigen eher zu einem Neubau an der Sigismundstraße, direkt hinter der Neuen Nationalgalerie.

>>> Im Westen Berlins - der Blog aus der City West <<<

Erstmals aber setzten beide ein Zeichen für die „Stärkung des Kulturstandortes Charlottenburg“, der „City West“, wie sie einmütig betonen. Insgesamt 155 Millionen Euro stellen der Bund, Berlin und Brandenburg der Schlösserstiftung seit 2008 im Rahmen eines Sonderinvestitionsprogramms zur Verfügung, um bedeutende Denkmäler aus dem Portfolio der Stiftung vor dem Verfall zur retten. Und mit dem Schloss Charlottenburg steht seit zwei Jahren ein großes Projekt in Berlin auf der Agenda, nachdem anfangs vorzugsweise Gebäude in Brandenburg saniert wurden.

Rund eine halbe Million Besucher kommen jährlich zum Charlottenburger Schloss, zwei Drittel davon aus dem Ausland, viele auf der Suche nach dem authentischen Preußen, wie Dorgerloh sagte. Der barocke Bau ist die größte erhaltene ehemalige Hohenzollernresidenz in Berlin. Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg durch Luftangriffe schwer beschädigt, aber von 1945 an wieder aufgebaut, anders als das im Ostteil der Stadt gelegene Stadtschloss, dessen Reste die SED sprengen ließ.

An dessen Stelle laufen die Aufbauarbeiten für das Humboldt-Forum ebenfalls planmäßig, wie Monika Grütters betonte. Im Frühjahr soll Richtfest gefeiert werden. Aber mit den Hohenzollern hat das Gebäude nur entfernt etwas zu tun. Wer den Geist des königlichen Preußens in Berlin erleben will, kommt an Charlottenburg nicht vorbei.