Nach Streiks

Tarifstreit im Brandenburger Nahverkehr ist beigelegt

Lange standen in Brandenburgs Nahverkehr fast alle Räder still. Nachdem Busse und Straßenbahnen schon zu Wochenbeginn wieder angerollt waren, gibt es jetzt auch eine Tarifeinigung.

Nach wochenlangen Streiks im brandenburgischen Nahverkehr haben sich Arbeitgeber und Gewerkschaft auf einen Tarifkompromiss geeinigt. Danach erhalten die Beschäftigten rückwirkend ab 1. Mai 2015 monatlich 100 Euro brutto mehr. Der Vertrag hat eine Laufzeit bis Ende 2016.

Diesem zuvor vom Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV) bekanntgegebenen Ergebnis stimmte die Tarifkommission der Gewerkschaft Verdi mit großer Mehrheit zu, wie sie am Mittwochabend mitteilte. Um den Arbeitskampf der Bus- und Straßenbahnfahrer endgültig zu beenden, müssten den Abschluss jetzt noch die Gewerkschaftsmitglieder in einer Urabstimmung annehmen. Sie findet vom 21. bis 27. Mai statt.

Verdi sprach von einem guten Kompromiss. Beide Seiten hatten sich in Verhandlungen während der vorangegangenen Nacht geeinigt.

Ursprünglich hatte Verdi eine Lohnerhöhung von 120 Euro monatlich brutto für alle Entgeltgruppen verlangt, was einer Erhöhung von 5,2 bis 5,6 Prozent entsprochen hätte. Ein entscheidender Knackpunkt war lange, dass die Arbeitgeber den Verdi-Mitgliedern eine jährliche Urlaubsbeihilfe von 400 Euro zuzüglich 50 Euro pro Kind gewähren sollten. Dies hatte der KAV kategorisch abgelehnt.

Tatsächlich sei am Ende keine solche Leistung vereinbart worden, sondern die Gewerkschaft habe die Position der Arbeitgeber für den Moment akzeptieren müssen, sagte der Verdi-Verhandlungsführer und -Streikleiter Marco Pavlik. Allerdings bleibe die Forderung richtig, und sie werde das nächste Mal wieder auf den Tisch kommen.

Nach Angaben des KAV haben die beteiligten Gremien bis zum 1. Juni Zeit, eine Erklärung abzugeben. Die Nahverkehrsunternehmen im Verband würden am 21. Mai über das Ergebnis beraten, teilte KAV-Geschäfsführer Klaus Klapproth mit. Die Tarifeinigung sei für die Arbeitgeberseite ein schmerzhafter Kompromiss, hieß es.

Um neue Verhandlungen zu ermöglichen, hatte Verdi nach gut zweiwöchigem Streik eine Pause verkündet und den Nahverkehr am Montag wieder anrollen lassen. Zuvor hatten Beschäftigte von 16 Brandenburger Nahverkehrsbetrieben in zehn Landkreisen und vier kreisfreien Städten den Verkehr lahmgelegt. Besonders betroffen waren die Schüler auf dem Land, weil auch die Schulbusse nicht fuhren.

Bildungsminister Günter Baaske (SPD) begrüßte die Einigung. Der lange Streik habe Schüler und Lehrer stark belastet, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Dass er nicht noch gravierendere Auswirkungen hatte, sei engagierten und einfallsreichen Jugendlichen, aber auch Lehrkräften zu verdanken, die Schüler einfach mit in die Schule gebracht hätten.