Brandenburg und Berlin

Was Sie über den Kita-Streik wissen müssen

Ab Montag wird in Brandenburgs Kitas gestreikt. Die Gewerkschaften fordern mehr Gehalt für Erzieher. Auch Berliner Kitas sind betroffen. Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Die Gewerkschaft Verdi ruft an den kommunalen Kitas in Deutschland zum unbefristeten Streik auf. Der Arbeitskampf soll in den meisten Bundesländern am Freitag starten, in Brandenburg allerdings erst am Montag. Berlin ist größtenteils nicht betroffen. Die Morgenpost beantwortet die wichtigsten Fragen zum Arbeitskampf.

Welche Kitas streiken in Berlin und Brandenburg?

Die Gewerkschaft Verdi hat in der ersten Streikwoche Einrichtungen im Bereich Potsdam-Mittelmark, Havelland, Neuruppin, Uckermark-Barnim, in Frankfurt (Oder), Königs Wusterhausen, Wildau und Zeuthen zum Streik aufgerufen. In Berlin streiken die sieben Kitas des Studentenwerks sowie die Sozialberatung des Studentenwerks ab Montag, dem 11. Mai 2015. Potsdam ist von dem Arbeitskampf nicht betroffen, da es in der Stadt keine kommunalen Kitas mehr gibt. Die alle Kitas befinden sich mittlerweile alle in privater Trägerschaft.

Worum geht es?

Verdi, der Deutsche Beamtenbund und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordern eine bessere Eingruppierung und damit mehr Gehalt für Erzieher und Sozialarbeiter. 750.000 Beschäftigte arbeiten bundesweit im Sozial- und Erziehungsdienst bei Kommunen, freien und kirchlichen Trägern. In kommunalen Einrichtungen arbeiten rund 240.000 Erzieherinnen, Sozialpädagogen, Kinderpflegerinnen, Heilpädagogen und Sozialarbeiter. in kommunalen Einrichtungen über eine deutliche Aufwertung der Berufsfelder.

Was fordern die Erzieher?

Silke Liebert, Leiterin der Kita Schwalbennest in Falkensee und Verdi-Mitglied wünscht die Anerkennung der Leistungen der Erzieher und Kita-Leiter. „Es werden hohe Anforderungen an uns gestellt. Wir sollen frühkindliche Bildung leisten und hohe Qualitätsstandards erfüllen.“ Sie wisse, dass auch die freien und kommunalen Träger die Arbeit der pädagogischen Fachkräfte schätzten. Aber mit Lob alleine sei es nicht mehr getan. 1991 sei das letzte Mal über die Eingruppierung der Erzieher verhandelt worden, jetzt sei es an der Zeit, wesentlich zu verbessern. „Wir brauchen gut ausgebildete Fachkräfte. Die bekommen wir aber nicht, wenn keine adäquate Bezahlung angeboten wird.“ Besonders junge Erzieher mit wenig Berufserfahrung würden durchschnittlich nur für 30 bis 32 Wochenstunden eingestellt und mit der geringsten Gehaltsstufe entlohnt. Von diesem Gehalt könnten sie aber kaum leben.

Mit welchen Problemen hat eine Kita-Leiterin in Brandenburg zu kämpfen?

Eines der derzeitigen Hauptprobleme „ist der schlechte Personalschlüssel“, sagt Silke Liebert. „In unserer Kita sind acht Erzieherinnen für 100 Kinder zuständig. Eine Gruppenerzieherin muss zwischen 16 und 18 Kinder betreuen. Dadurch ist die Belastung während der Gruppenarbeit für die Pädagogen sehr hoch.“ Auch die Kita-Leiter in Brandenburg litten unter einer hohen Belastung. Sie arbeiteten pro Woche nur zehn Stunden als Leiter und die restlichen 30 Stunden in der Gruppe. Das sei in anderen Bundesländern oft anders geregelt: „Dort unterliegen die Leiter nicht dieser Doppelbelastung und müssen nicht zusätzlich in der Gruppe arbeiten.“

Wie lange wird der Streik dauern?

Wie lange der Streik dauert, kann im Augenblick niemand sagen. Je schneller ein Kompromiss auf dem Verhandlungsweg gefunden wird, desto schneller sei der Konflikt beendet, sagt Verdi Vertreter Andreas Splanemann. Wenn es zu keiner Annäherung zwischen den Arbeitgebern und der Gewerkschaft komme, könne der Streik notfalls auch über Pfingsten weiter geführt werden, heißt es in einer Erklärung von Verdi. Auch Kita-Leiterin Silke Liebert kann noch keine genauen Daten nenne. Die Länge des Streiks hänge davon ab, in wie weit die Arbeitgeber den Tarifforderungen der Erzieher entgegen kommen würden, sagt die 52-Jährige. Wenn es zu keinen Kompromissen kommen würde, müssten die Erzieher weiter streiken und sich für ihre Ziele einsetzen.

Welche öffentlichen Streikversammlungen gibt es?

Am Montag plant Verdi, eine zentrale Streikkundgebung in Potsdam zu veranstalten. Beginn ist 11 Uhr auf dem Steubenplatz. In Eisenhüttenstadt wird am Dienstag und Mittwoch gestreikt. Geplant ist auch eine Versammlung mit anschließender Demonstration vom Rathaus zum Sportplatz in der Waldstraße. Am Dienstag wird es außerdem in Falkensee eine öffentliche Streikversammlung mit anschließender Kundgebung geben. Am Mittwoch sind in Hennigsdorf und Königs Wusterhausen weitere Aktionen geplant.

Wie reagieren denn die Eltern auf den Streik?

„In unserer Kita haben die Eltern sehr positiv reagiert, sie wissen welche qualitativ hochwertige Arbeit wir leisten“, sagt Silke Liebert. Viele Eltern „haben uns bereits zu Beginn des Bahnstreiks darauf angesprochen, ob die Kitas auch streiken würden“. Für die Eltern sei es jetzt wichtig, zu organisieren, wer sich in der Streikzeit um das Kind kümmere. Ob die Kinder beispielsweise in einer solchen Situation mit zur Arbeit gebracht werden dürfen, muss mit dem Arbeitgeber abgeklärt werden. Am besten natürlich vorher.