Tierschutz

Neues Potsdamer Tierheim hängt in der Warteschleife

Eine Prinzessin kämpft mit Gleichgesinnten für ein Tierheim in Potsdam. Fast am Ziel, bemängelt die Kommunalaufsicht den Kaufvertrag für das Grundstück. Und es gibt weitere schlechte Nachrichten.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Susann Prinzessin von Preussen stapft durch den Wald. Der Weg ist matschig. Ihren Terriermischling Teddy hat sie dabei. Eben kommt auch Niklas Wanke, der Vorsitzende des Tierschutzvereins. Heute soll ein Container für die Arbeitsgeräte aufgestellt werden. Die Freude ist immer noch groß. Endlich haben die Tierfreunde ein Grundstück gefunden, auf dem ein Tierheim für Potsdam entstehen kann – und sie bereiten seit Wochen alles vor. An der Michendorfer Chaussee, auf dem verwilderten sogenannten Sago-Gelände.

Die Stadt hat das brach liegende Grundstück mitsamt fünf desolater Baracken an den Tierschutzverein verkauft. Doch es gibt neue Probleme, dieses Mal mit der Kommunalaufsicht beim Innenministerium. Sie kritisiert einiges an dem Verkauf. „Wir lassen uns nicht entmutigen“, sagt Susann Prinzessin von Preussen. „Ich hoffe ganz stark, dass wir zügig weitermachen können.“

Bis vor einigen Jahren hatte Potsdam ein Tierheim an der Forststraße in Wildpark West, betrieben vom Tierschutzverein. Die Stadt ließ es 2007 schließen, angeblich, weil zu wenig Platz war. 2004 hatte die Stadt eigens einen Tierheimbeirat gegründet, der sich an der Suche nach einem neuen Standort beteiligte. Nachdem die erfolglos blieb, kündigte die Stadtverwaltung den Betreibervertrag mit dem Tierschutzverein. „Das Thema Tierheim hat die Potsdamer nicht losgelassen“, sagt Susann Prinzessin von Preussen. Drei Ausschreibungen scheiterten. Derzeit werden heimatlose Tiere im Tierheim Zossen untergebracht.

„Das Verfahren ist im Schwebezustand“

Der Rückschlag für den Tierschutzverein und seine Unterstützer kam überraschend. Sie glaubten alles in bester Ordnung, da meldete die Kommunalaufsicht Bedenken an, ob der am 4. November 2014 geschlossene Kaufvertrag über das Grundstück rechtsgültig ist. „Ihr genügte die Begründung nicht, weshalb das Gelände nicht an den Meistbietenden verkauft worden ist“, sagt Rathaussprecherin Christine Weber. „Zudem verlangt das Land ein neues Verkehrswertgutachten.“ Der Vertrag sieht eine Verkaufssumme von 121.000 Euro vor. „Das Verfahren ist im Schwebezustand“, so ein Sprecher des Innenministeriums.

Susann von Preussen hat zahlreiche Unterschriften für ein Tierheim in Potsdam gesammelt. Darunter mehrere Mitglieder des Hauses Hohenzollern sowie Erbprinz Alexander von Sachsen und seine Frau. Auch Designer Wolfgang Joop ist dabei. „Es ist unglaublich beglückend, wie viele Tierfreunde seit dem Kauf anpacken“, sagt die Prinzessin. „Beim ersten Arbeitseinsatz haben mehr als 200 Helfer mit Kind und Kegel das Grundstück aus dem Dornröschenschlaf erweckt.“ Mittlerweile sei das Gestrüpp verschwunden. Alle fünf Baracken seien besenrein. Viele Firmen stellen kostenlos ihre Dienste bereit. Selbst das Architekturbüro verlange kein Geld. „Ein tolles bürgerschaftliches Engagement“, freut sich Susann von Preussen. Sie glaubt ganz fest, dass alles gut wird. „Ich hoffe, dass die Stadt sich beeilt, die Fragen mit der Kommunalaufsicht zu klären.“ Am Mittwoch befasste sich der Hauptausschuss damit. Die Stadtverordneten wurden informiert, wie die Verwaltung die Vorbehalte ausräumen will.

Probleme mit dem Abwasser

Doch es gibt neue Probleme. Die Energie und Wasser Potsdam GmbH hat dem Tierschutzverein überraschend mitgeteilt, dass es für das Gelände keinen Anschluss an die zentrale Abwasserentsorgung gebe. In dem Schreiben heißt es: „Der Zustand bereitet uns Sorge, da sich das Gelände in der Trinkwasserschutzzone III des Wasserwerkes Leipziger Straße befindet. Dort ist das Aufstellen von Trockentoiletten, das Versickern von Abwasser, das Verbringen von Fäkalien als auch die Neuerrichtung von Kleinkläranlagen verboten. Völlig unklar ist uns in dem Zusammenhang, wie mit den Fäkalien der Tiere umgegangen wird.“ Damit haben die Tierschützer nicht gerechnet. Denn die Bedenken bezüglich der Tierhaltung waren nicht Bestandteil der Ausschreibung. Auf dem Areal befand sich früher ein Asylbewerberheim und zuvor eine Gehörlosenschule.

Während die Stadtverordneten im Rathaus tagten, versammelten sich davor rund 150 Demonstranten. Der Tierschutzverein hatte zu der Aktion aufgerufen. Unter dem Motto „Tierheim gemeinsam bauen“. Die Tierfreunde bauten aus Pappe eine Kopie des Tierheims auf und sangen „Wer will fleißige Handwerker seh’n, der muss zu uns Tierfreund’n geh’n. Stein auf Stein, Stein auf Stein, das Tierheim wird bald fertig sein“. Die Prinzessin, eine ausgebildete Pianistin, sang zuversichtlich mit.