Tierschutz

Luckenwalde führt Kastrationspflicht für Katzen ein

In Luckenwalde müssen ab August Katzenhalter ihre freilaufenden Vierbeiner kastrieren lassen. Es gibt dafür sogar eine finanzielle Unterstützung. In 250 deutschen Städten gibt es diese Pflicht bereits.

Foto: Soeren Stache / pA/dpa

Als erste Kommune Brandenburgs führt die Stadt Luckenwalde (Teltow-Fläming) ab 1. August eine Kennzeichnungs- und Kastrationspflicht für freilaufende Hauskatzen ein. Laut Beschluss der Stadtverordnetenversammlung gibt es hierzu einen Zuschuss von 10.000 Euro, um die Kosten für die Halter abzufedern. Wer der Verordnung nicht nachkommt, dem drohen bis zu 200 Euro Bußgeld, so die Angaben aus dem Luckenwalder Rathaus.

„Halter, die ihrer Katze Zugang ins Freie gewähren, haben diese zuvor von einem Tierarzt kastrieren und mittels einer Tätowierung oder durch das Implantieren eines Mikrochips kennzeichnen zu lassen“, so steht es in der Verordnung zur Kastrationspflicht. Betroffen sind Tiere ab einem Alter von fünf Monaten. Als Halter gilt auch, wer freilaufende Katzen regelmäßig füttert. Eine Ausnahme ist die Zucht, sie ist in Paragraf 3 geregelt: „Lediglich für die Zucht von Rassekatzen können auf Antrag Ausnahmen von der Kastrationspflicht zugelassen werden, sofern eine Kontrolle und Versorgung der Nachzucht glaubhaft dargelegt wird.“

Tierschützer unterstützen die neue Regelung. „Katzenkastration ist bei uns auf dem Land ein Thema. Viele Märker halten davon leider wenig, weshalb wir die Kennzeichnungspflicht begrüßen“, so eine Katzenbetreuerin vom Tierschutzverein Luckenwalde-Jüterbog. Die „Katzensaison“ spüre man im Luckenwalder Tierheim allerdings weniger als in den Vorjahren.

Grund für die Kastrationsverordnung sind die Probleme mit und Sorgen um Straßenkatzen. So hatte das Bürger- und Rechtsamt der Stadt in seiner Begründung für die Kastrationspflicht bereits vor einem Jahr schriftlich gewarnt: „Verwilderte Katzen in der Nachbarschaft streunen auf dem eigenen Grundstück, die Katzen hinterlassen Kot und Urin, sie sind verwahrlost, krank und befallen von Würmern und Flöhen. Die Futterplätze ziehen Ratten an. Viele (Bürger) machen sich aber auch Sorgen um das Wohlergehen der Katzen.“ Andere wiederum setzen ihre Vierbeiner einfach aus oder geben sie im Tierheim ab. In Märkisch-Buchholz (Dahme-Spreewald), in einem der größten Brandenburger Tierheime, werden gegenwärtig rund 60 Katzen betreut. Das sind etwa doppelt so viele wie sonst. „Die Katzenstation quillt fast über. Es sind viele verwilderte Tiere darunter“, sagt Tierpflegerin Stefanie Krüger.

800 Katzen warten im Tierheim

Ähnliches berichtet der Tierschutzverein Potsdam. „In unserer kleinen Auffangstation betreuen wir deutlich mehr Katzen als sonst, darunter sind acht Jungtiere“, sagt Mitarbeiterin Anja Themel. Eine Kastrationsverordnung gebe es auch in Potsdam und Umgebung nicht. „Das ist bei uns praktisch reine Privatsache.“ Evamarie König, Pressesprecherin des Tierschutzvereins Berlin, verweist auf ein weiteres Problem insbesondere im Märkischen: „Katzenhalter lassen Tiere mit Freigang nicht kastrieren, sodass es ab Frühjahr eine sprunghafte Vermehrung gibt.“ Dies gelte aber genauso für die Hauptstadt. So leben auf dem Tierheimgelände am Hausvaterweg in Falkenberg derzeit fast 800 Katzen, Anfang März waren es nur 450. Nach Königs Angaben kommen die Tiere mit steigender Tendenz aus Brandenburg: aus Oberhavel, Barnim und Märkisch-Oderland.

„Als Tierschutzverein fordern wir seit Jahren eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für private Freigängerkatzen. Doch passiert ist nichts“, kritisiert Wolfgang Apel, Präsident des Berliner Tierschutzvereins. Im Gegenteil: „Ehrenamtliche müssen in Tierschutzvereinen ausbügeln, was die Politik versäumt“, so Apel. Dabei werde eine entsprechende Verordnung bereits seit Jahren in Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein erfolgreich praktiziert.

In Berlin äußerte sich auf Anfrage lediglich Daniel Buchholz, Tierschutz-Sprecher der SPD-Fraktion. Eine Pflicht zur Kastration hält der 46-Jährige für sinnvoll. Aktuell würden praktische Erfahrungen der Städte ausgewertet, die bereits entsprechende Vorschriften erlassen haben. Vorreiter war bereits im Jahr 2008 die Stadt Paderborn in NRW. Dort hatte man die Erfahrung gemacht, dass „eine flächendeckende Kastration auf freiwilliger Basis nicht ebenso effektiv“ war, obwohl betroffenen Tierhaltern die Kostenübernahme (teilweise) zugesichert wurde. So steht es in einer Vorlage der Ordnungsbehörde zur geänderten Verordnung. Dem Beispiel Paderborns, die Kastrationspflicht einzuführen, sind inzwischen 250 Städte gefolgt. Berlin ist nicht dabei.