Tierliebe

Igel in der Wohnung sind ein Kündigungsgrund

Igel dürfen nicht so ohne Weiteres in einer Wohnung gehalten werden. Das hat jetzt eine Spandauerin erfahren müssen. Der Vermieter kündigte ihr - zu Recht, wie ein Gericht feststellte.

Foto: Wolfgang Kumm / dpa

Die Tierliebe der Berliner ist bekanntlich groß – und birgt ungeahnte Risiken. Das zeigt jetzt der Fall einer Frau aus Spandau, die in ihrer Wohnung eine Auffangstation für verletzte und schwache Igel eingerichtet hatte. Denn Igel sind keine Haustiere und dürfen daher auch nicht ohne Weiteres in Wohnungen gehalten werden. Weil die Igelfreundin auf entsprechende Abmahnungen ihres Vermieters nicht reagierte, wurde ihr die Wohnung gekündigt – und das zu Recht, wie das Amtsgericht Spandau entschied (Az.: 12 C 133/14).

In dem verhandelten Fall hatte eine Mieterin in ihrer 60 Quadratmeter großen Mietwohnung verletzte Igel zeitweise aufgenommen und gesund gepflegt. Angefangen hatte der Streit bereits im Sommer 2013. Nach Angaben des Klägers hausten die Stacheltiere damals zeitweilig in drei großen Kartons und einem Käfig auf dem Balkon. Zusätzlich hätten sich auch noch im Schlafzimmer ein großer Karton und sieben Käfige befunden.

Nachbarn beschwerten sich daraufhin über den Geruch, daher sprach die Vermieterin eine Abmahnung aus. Weil die Mieterin die Igel weiterhin in ihrer Wohnung pflegte, wurde der Mietvertrag schließlich gekündigt. Zu Recht, wie das Amtsgericht befand: Igel zählten nicht zu den typischen Haustieren, sondern seien Wildtiere. Daher könnten für sie auch nicht die Regeln der Kleintierhaltung gelten. Eine übermäßige Tierhaltung könne vielmehr zur Belästigung der Nachbarn führen. Da die Mieterin die Beschwerden der Nachbarn ignoriert habe und auch sonst uneinsichtig sei, sei eine Kündigung gerechtfertigt.

„Es ist schade, wenn jemand, der Igeln hilft, seine Wohnung verliert, zumal sie im Tierheim nicht aufgenommen werden“, sagt Gabriele Gaede vom Arbeitskreis Igelschutz Berlin. Jedes Jahr würden rund 1000 Tiere beim Verein abgegeben. „Wir brauchen dringend mehr Leute, die bereit sind, die Tiere bei sich zu überwintern“, so Gaede. Zu dem konkreten Fall könne sie nichts sagen. „Aber für den Igelschutz ist das ein sehr schlimmes Urteil, weil es dadurch noch schwieriger wird, die Tiere an Helfer zu vermitteln.“