Tierschutz

Im Tierheim Berlin herrscht nun Vogelnotstand

Normalerweise muss das Tierheim in regelmäßigen Abständen eine Überbelegung durch Katzen oder Hunde melden. Doch diesmal ist es eine andere Spezies: Vögel. Mehr als 200 sind nun in Obhut.

Foto: Massimo Rodari

Alle Volièren im Vogelhaus „Loras Laube“ sind belegt. „Der Platz ist knapp geworden. Schon seit einigen Monaten werden verstärkt Vögel abgegeben beziehungsweise als Fundtiere eingeliefert“, berichtet Tierheimsprecherin Evamarie König. Zugleich laufe die Vermittlung schleppend: Die Zahl der betreuten gefiederten Hausgenossen ist auf 200 angestiegen.

„In so einem Ausmaß hatten wir das noch nie“, sagt König. Sie vermutet, dass auch die Online-Verfügbarkeit von Tieren zu der Entwicklung geführt hat. „Man kann per Mausklick ein Tier kaufen, ohne die Arbeit abzuschätzen, die seine Haltung macht.“ Futter kostet Geld, Tiere müssen gepflegt werden und ein Vogelkäfig auch geputzt. Manche Vögel würden Jahrzehnte alt und müssten mal zum Tierarzt. „Wer dem nicht gewachsen ist, entledigt sich des Tieres eben wieder.“

Das Stichwort „Fundtier“ muss man bei Vögeln mit Skepsis betrachten. Denn sehr selten werden nach Königs Erfahrung ganze Käfige mit Vögeln am Straßenrand abgestellt. Vielmehr bringen manche „Finder“ einen Vogel ins Heim mit der Erklärung, er sei ihnen zugeflogen oder hätte plötzlich vor dem Fenster gesessen.

Viele der nun im Tierheim untergebrachten Vogelarten würde man dort gar vermuten. „Wir beherbergen aktuell vier Graupapageien-Pärchen, die eine große Volière in einem neuen Zuhause bräuchten. Auch ein Gelbwangenkakadu-Paar sowie ein Amazonen-Paar warten schon länger auf ernsthafte Interessenten“, sagt König.

Es gebe auch viele Einzeltiere, die dringend einen Artgenossen als Partnertier benötigten. So warte Mönchsittich Mönchi seit über einem Jahr auf den passenden Partner, Grünwangenamazone Carlos lebt seit Juli 2012 im Tierheim Berlin und Goffinikakadu Gigi seit nunmehr einem Jahr.

Weibliche Artgenossen gesucht für männliche Nymphensittiche

Allein in der Volière für Nymphensittiche drängen sich mehr als 40 Tiere. Auch dort stehen Pärchen zur Vermittlung. Es gibt aber auch einige männliche Einzeltiere, die zu weiblichen Artgenossen vermittelt werden sollen.

„Wir appellieren dringend an tierliebe Berlinerinnen und Berliner, auf der Suche nach einem Pärchen oder einem Partnertier auch dem Tierheim Berlin einen Besuch abzustatten“, sagt König. „Die Tierpfleger im Vogelhaus beraten gerne zu Fragen der Vergesellschaftung, Haltung und Pflege der unterschiedlichen Arten.“

Das Tierheim Berlin ist täglich von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Montags ist Ruhetag. Neben den 200 Vögeln sind dort derzeit 110 Kleintiere, 297 Hunde, 480 Katzen und 204 Reptilien untergebracht.