Sanierungsstau

Museumspark Rüdersdorf – ein Industrie-Denkmal bröckelt

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Jeanette Bederke

Foto: Museumspark Rüdersdorf

Viele Ausstellungsbereiche des beliebten Freilichterlebnismuseums in Rüdersdorf sind bereits nicht mehr zugänglich. Dem Museumspark fehlen Millionen für die notwendige Sanierung.

– Berlin wird von Rüdersdorfer Kalk zusammengehalten – ob das Brandenburger Tor oder die Mietshäuser im Prenzlauer Berg. Der 17 Hektar große Rüdersdorfer Museumspark befindet sich im größten Kalksteinbruch Norddeutschlands. Er widmet sich der langen Geschichte von Kalksandsteingewinnung, Kalkherstellung und der Baustoffindustrie. Jeep-Safaris im Tagebau sind wie ein Ausflug ins Bilderbuch der Erdgeschichte. Doch nun könnte damit Schluss sein.

Es bröckelt in dem beliebten Freilichterlebnismuseum, und das liegt nicht nur am porösen Kalkstein selbst. „Der Instandhaltungs- und Reparaturrückstand ist nicht zu übersehen – ob nun an der aus Sicherheitsgründen bereits gesperrten Schachtofenbatterie oder dem eigentlichen Aussichtspunkt Seilscheibenpfeiler mit den zerfallenden Bögen. Auch die Rumfordöfen sind schon teilweise für Besucher nicht mehr zugänglich“, zählt Jörg Lehmann auf. Er ist Geschäftsführer der Rüdersdorfer Kultur GmbH, verantwortlich für Museumspark und Kulturhaus der 15.000-Einwohner-Gemeinde im Berliner Speckgürtel.

„Touristischer Leuchtturm“

Der Sanierungsbedarf liegt seinen Angaben nach bei mehr als drei Millionen Euro. Geld, das er nicht hat. Rüdersdorf allein sei mit dem weiteren Unterhalt des 17 Hektar großen Areals überfordert, macht Lehmann deutlich. „Ich muss das Museum dichtmachen, weil ich die Sicherheit der Besucher nicht mehr gewährleisten kann“, sagt der Geschäftsführer. Im September hatte er einen Förderantrag für das Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ eingereicht, konkurrierte da allerdings mit 270 weiteren Anträgen aus ganz Deutschland. „Wir wurden nicht berücksichtigt, die Enttäuschung ist groß“, reagierte Lehmann gestern. Er hatte ein größeres Engagement des Landkreises Märkisch-Oderland und auch ein eindeutiges Bekenntnis des Landes Brandenburg erwartet.

Das Brandenburger Infrastrukturministerium betont zwar die große Bedeutung des Museumsparks als touristischer „Leuchtturm“ in der Mark, eine Unterstützung habe es jedoch nicht gegeben, so sein Vorwurf. Zusätzliches Geld stellt Potsdam nicht zur Verfügung oder in Aussicht. Und der Landkreis ist gerade dabei, seine eigene Kultur GmbH aus Kostengründen aufzulösen, dafür Kultureinrichtungen zu schließen oder an andere Träger zu vermitteln. 100.000 Euro hat der Förderverein der Baustofffirma Cemex zugesagt, die in Rüdersdorf Kalkstein abbaut. Weitere 300.000 Euro will die Gemeinde selbst in den kommenden drei Jahren bereitstellen. Doch das allein reicht nicht. Mit dem Geld sollte nicht nur repariert und saniert, sondern laut Lehmann auch neu gestaltet werden. Konkret geht es um die städtebauliche Anbindung des Museumsparks an den Ort sowie um einen Umbau des historischen Eingangsbereiches. Das bisher noch leer stehende Kurfürstliche Bergschreiberamt von 1693 soll touristisches Service- und Eingangscenter werden.

Von Readymix an die Gemeinde übegeben

Das Gebiet des heutigen Museumsparks gehörte zu DDR-Zeiten zum Zementwerk Rüdersdorf. Die Treuhand verkaufte es nach der Wende an die Firma Readymix, die das Zementwerk übernommen hatte. An dem stillgelegten Abraumgelände aber hatte das Unternehmen kein Interesse und übergab die Grundstücksrechte an die Gemeinde Rüdersdorf. „Damals warf man uns die Fördermittel regelrecht hinterher, auch Readymix sponsorte viel“, erinnert sich Lehmann, noch heute stolz darauf, dass der Museumspark damals sogar den deutschen Denkmalpflegepreis erhielt.

Nur an wenigen Stellen tritt in der norddeutschen Tiefebene Kalkstein an die Erdoberfläche. Der Rüdersdorfer Kalkberg ist das größte Kalksteinvorkommen in Norddeutschland, seit 750 Jahren wird der Rohstoff hier abgebaut. Als Werkstein und als Branntkalk oder zu Zement verarbeitet, war der Rüdersdorfer Kalkstein neben den Ziegeln aus der Mark Brandenburg der wichtigste Baustoff für die Metropole Berlin. Der Museumspark dokumentiert die Gewinnung und Verarbeitung von Kalkstein. Germanische Kalkbrennöfen sind hier ebenso zu besichtigen wie modernste Zementöfen. Direkt am Museumseingang stehen die Kammer- und Rumfordöfen, bis 1874 zur Branntkalkherstellung genutzt. Die Ofenanlage war während der Saison auch der Wohnplatz der dort tätigen, unverheirateten Arbeiter. Eine zeitgenössische Wohnanlage gehört zu diesem Komplex.

Eheschließung im Museum

Nicht nur das Industriedenkmal Kalksteinbruch beeindruckt, sondern auch der Park dazu. Die Kalkscheune, ein ehemaliges Lager für den gebrannten Kalk mit Grundmauern aus dem Jahre 1665, wurde zur Museumsgastronomie umgestaltet. Das Dachgeschoss, es beherbergte ehemals die Wohnung des Kalkbrennmeisters, wird über das Rüdersdorfer Standesamt als romantischer Eheschließungsraum genutzt. Im Kalksteinbruch können Besucher sogar versteinerte Fossilien sammeln – Helme, Brillen, Warnwesten und Hämmer werden vom Museumspark gestellt, knöchelhohes festes Schuhwerk sollten die Hobbyforscher selbst dabeihaben. Am besten und auch bequemsten lässt sich das Gelände bei geführten Land-Rover-Touren entlang der Abbruchkante erkunden. Einblicke in das heutige Tagebaugeschehen gibt es ebenso wie Wissenswertes zu Geologie und Historie.

Besuch Der Museumspark Rüdersdorf ist von November bis März 10.30– 16 Uhr geöffnet. Eintritt: Erwachsene 5, Kinder 3 Euro. Führungen kosten extra. Mehr unter museumspark.de