Personalprobleme

Brandenburgs Museen fehlen ehrenamtliche Mitarbeiter

In Brandenburg gibt es über 400 Museen – gemessen an den Einwohnern ist das mit Berlin vergleichbar. Doch kleine Häuser finden immer schwerer Personal. Besonders ehrenamtliche Mitarbeiter fehlen.

Foto: Patrick Pleul / dpa/Patrick Pleul

Deutsches Schweinemuseum in Teltow, Archiv verschwundener Orte in Forst, Schloss Sanssouci in Potsdam: Brandenburg hat Hunderte große, kleine und teils sehr spezielle Museen. Landesweit sind es rund 400 Ausstellungshäuser, wie die Geschäftsführerin des Brandenburger Museumsverbandes, Susanne Köstering, sagt. Jüngst hat jedoch eine Umfrage ergeben, dass in manchen märkischen Museen zu wenig und nicht ausreichend qualifizierte Mitarbeiter tätig sind. „Die Personaldecke ist sehr dünn“, betont Köstering.

Nach 1990 seien Mitarbeiter entlassen worden. Neugegründete Museen hätten sich entsprechend orientiert und mit zu wenig Personal angefangen. „Museen sind nicht einfach Häuser, die man auf- und zuschließt. Es müssen auch Angebote gemacht werden“, sagt Köstering. Und: Vielerorts geht ohne freiwilliges Engagement kaum etwas. Drei Viertel der Häuser werden Köstering zufolge ehrenamtlich betrieben. Ohne die würde es einige Museen gar nicht erst geben. Denn wenn Ehrenamtliche ein kleines Spezialmuseum nicht mehr unterhalten können, muss es meist schließen.

Brandenburgs große museale Vielfalt

Dabei ist Brandenburg ausgesprochen stolz auf seine museale Vielfalt, wie es in einem der zahlreichen märkischen Reiseführer heißt. Mehr als 170 entsprechende Einrichtungen hat der Museumsverband Brandenburg aufgelistet. Gemessen an der Einwohnerzahl muss sich die Mark mit dieser Anzahl nicht hinter der Hauptstadt Berlin verstecken. Neben mehr oder minder großen und bekannten Häusern gibt es ein Modemuseum in Meyenburg, ein Wettermuseum in Lindenberg und ein Gerbermuseum in Doberlug-Kirchhain. Die Liste dieser kleinen, außerhalb der jeweiligen Region zumeist nur als Geheimtipp bekannten Museen ist lang.

Und in fast allen Fällen haben die nunjetzt vom Verband angesprochenen Personalprobleme zwei Ursachen. Eine, die im gesamten Bundesgebiet auftritt und eine, die typischerweise in den neuen Ländern auftritt.

Finanzielle Probleme bei vielen Brandenburger Museen

Nahezu jede Kleinstadt in Deutschlang betreibt in der einen oder anderen Weise ein Museum oder eine museumsähnliche Einrichtung. Das war und ist von Vorteil fürs Renommee und – falls vorhanden – für den Fremdenverkehr. Eingerichtet wurden und werden die Häuser mit Mitteln der Länder oder des Bundes, aber an Kalkulationen für den langfristigen Betrieb mit seinen regelmäßigen Kosten mangelt es in vielen Fällen.

In einfachen Worten: Für die Einrichtung eines Museums ist das Geld vorhanden, für den Betrieb selbst häufig nicht oder nur in begrenztem Umfang. Da bleibt in vielen Fällen keine andere Möglichkeit, als mit ehrenamtlichen Kräften zu arbeiten. Und wenn die plötzlich fehlen, droht schnell das Aus, weil viele überschuldete Kommunen keine hauptamtlichen Mitarbeiter bezahlen können. Das gilt in Brandenburg ebenso wie in Hessen, in Bremen wie in der Hauptstadt Berlin, wo der Zustand der öffentlichen Kassen keinen ausreichenden Spielraum mehr bietet.

Neugründungen nach der Wende

Eine zweite Ursache für die nun bekannt gewordenen Schwierigkeiten lässt sich in fast allen neuen Bundesländern finden. Nach der Wende wurden nicht nur alte, lange vernachlässigte Häuser mit neuem Leben erfüllt. Es gab auch einen rasanten Zuwachs an neuen Einrichtungen. Gründerzeitgebäude in den Städten, Herrenhäuser auf dem Land oder auch nicht mehr genutzte Gewerbeimmobilien wurden von den Kommunen oder privaten Erwerbern restauriert und mangels eines anderen ertragreicheren Verwendungszwecks zu öffentlichen Einrichtungen mit Theater, Begegnungsstätten oder Museen umfunktioniert. Bei Privatinvestoren waren zudem die Fördermittel häufig an die Bedingung geknüpft, dass ein Objekt in Teilen für die Öffentlichkeit zugänglich sein muss.

Doch der Verlust der überlebenswichtigen Ehrenamtlichen trifft nicht nur die kleinen, wenige bekannten Museen, auch größere Häuser erleiden dieses Schicksal. So ist noch immer keine Lösung für das DDR-Dokumentationszentrum in Eisenhüttenstadt in Sicht.

Freilichtmuseum Altranft trotz 20.000 Gästen vor dem Aus

Auch das Freilichtmuseum Altranft (Märkisch-Oderland) ist auf der Suche nach einem neuen Träger – sonst muss es zumachen, wie Andrea Hafenbrack vom Museum sagt. Bis zu einer Entscheidung sei die Einrichtung mit Schmiede und Bockwindmühle aber weiter für Besucher geöffnet. Bis zu 20.000 Gäste kämen pro Jahr. Um den Betrieb kümmern sich Andrea Hafenbrack zufolge 7 haupt- und gut 13 ehrenamtliche Mitarbeiter.

Keinen Normalbetrieb fährt derzeit das Ehm Welk- und Heimatmuseum in Angermünde (Uckermark) – wegen Schimmels in einem Außendepot. Nur nach Anmeldungen können zwei der dem aus der Region stammenden Schriftsteller Ehm Welk (1884-1966) gewidmeten Gebäude besichtigt werden, wie Museumsleiterin Julia Wallentin erklärt. Der Rest sei voll mit Stücken aus dem befallenen Depot.

Schimmelbefall im Welk-Museum

Eine gute Seite habe die Situation jedoch: Die drei fest angestellten Mitarbeiter – Freiwillige gebe es nicht – könnten eine neue Dauerausstellung vorbereiten. Denn das Museum mit der Stadt als Trägerin plant Wallentin zufolge einen Umzug an den zentralen Marktplatz – und hofft damit auch auf „Laufkundschaft“. Bisher besuchten rund 2000 Gäste pro Jahr das Museum, viele von ihnen reisten wegen Ehm Welk aus Berlin an.

Sie selbst und ihre beiden Kollegen seien vom Fach, sagt Wallentin. „Da können wir uns glücklich schätzen.“ Allerdings blieben intensivere Forschungsarbeiten liegen – weil der laufende Betrieb aufrechterhalten werden müsse.

Aber es tut sich auch etwas in Brandenburgs Museumslandschaft: 2013 hat in Frankfurt (Oder) das Kleist-Museum einen neuen Anbau mit reichlich Platz für Exponate zu Heinrich von Kleist eröffnet. Im kommenden Jahr soll Köstering zufolge das Stadtmuseum in Neuruppin einen Neubau erhalten. Auch an anderen Orten seien Veränderungen geplant. „Ich ziehe eine positive Gesamtbilanz“, sagt Köstering.