Immobilien

In Potsdam wohnen, Kaufpreise wie in Berlin zahlen

Die brandenburgische Landeshauptstadt bleibt ein teures Pflaster. Die Immobilienpreise in Toplagen steigen weiter angesichts des andauernden Zuzugs und der geringen Anzahl verfügbarer Wohnungen.

Foto: Groth Gruppe

Knapp 5900 Euro pro Quadratmeter – so viel legte ein Käufer im Jahr 2013 für seine künftige Eigentumswohnung im historischen Stadtzentrum Potsdams in direkter Nachbarschaft zum Stadtschloss und Blick auf die Havel hin. Eine 330-Quadratmeter-Wohnung an der Yorkstraße am Stadtkanal fand mühelos für 1,5 Millionen Euro einen Käufer. Im „Brockesschen Palais“ mit seiner frühklassizistischen Fassade sind auch alle anderen Wohnungen verkauft.

Potsdam bleibt ein teures Pflaster. „Die Nachfrage nach attraktiven Wohnungen und Grundstücken hat deutlich zugenommen und übersteigt bei Weitem das Angebot“, sagt Winfried Schmidt, Vorsitzender des Gutachterausschusses der Stadt.

„Im vergangenen Jahr wurden 737 Wohnungen verkauft, das waren acht Prozent mehr als im Vorjahr“, zitiert Schmidt aus dem jetzt vorliegenden Grundstücksmarktbericht 2013. Dabei wurden 150,7 Millionen Euro umgesetzt. „Allein in Potsdam wurde etwa ein Drittel des landesweiten Umsatzes bei Wohnungsverkäufen realisiert“, so der Experte.

Die Kaufpreise für Wohnungen stiegen angesichts des andauernden Zuzugs und der geringen Anzahl der verfügbaren Wohnungen erneut. Im Durchschnitt kostete der Quadratmeter im Altbau 3340 Euro, für eine Wohnung ab Baujahr 1991 waren 3335 Euro pro Quadratmeter zu bezahlen. Für den Vorsitzenden des Gutachterausschusses steht außer Frage: „Die Investition in Potsdamer Immobilien bietet eine hohe Wertstabilität bei historisch niedrigen Kreditkosten.“ Wegen der steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten lohne es sich vor allem, in sanierten Altbau zu investieren.

Umsatz beim Bauland gewachsen

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr auf dem Potsdamer Immobilienmarkt 1561 Kaufverträge getätigt. Nur 44 Objekte gingen laut Grundstücksmarktbericht an Investoren aus dem Ausland. Sie zahlten 23,4 Millionen Euro, das macht 3,9 Prozent des Gesamtumsatzes am Immobilienmarkt der Landeshauptstadt 2013.

122 Ein- und Zweifamilienhäuser wechselten den Besitzer. Das sind 22 Prozent weniger als ein Jahr davor. Am teuersten waren Häuser aus den Baujahren 1991 bis 2008. Pro Quadratmeter kosteten sie 2470 Euro.

Für die seit 2009 gebauten Ein- und Zweifamilienhäuser hingegen sanken die Preise um mehr als zehn Prozent. Der Grund dürfte darin liegen, dass in den Wohnparks in den Ortsteilen Golm und Bornim neue Häuser angeboten wurden. Im Durchschnitt wurden in Potsdam für ein Ein- und Zweifamilienhaus 310.000 Euro bezahlt, für Doppelhaushälften 240.000 Euro und für Reihenhäuser 280.000 Euro. Die Preise sind von der Lage, der Grundstücksgröße, der Wohnfläche und der Ausstattung abhängig.

Weiterhin begehrt sind die Potsdamer Villen. 2013 wurden 23 von ihnen verkauft. In zehn Fällen zahlten die Käufer mehr als zwei Millionen Euro. Die anhaltend hohe Dynamik auf dem Markt zeige sich in einem kontinuierlichen Anstieg der Baulandpreise seit 2010. Der Umsatz beim Bauland ist im vorigen Jahr um sechs Prozent gewachsen. „Der durchschnittliche Preis für Bauland in mittlerer Lage betrug 180 Euro pro Quadratmeter“, sagt Schmidt. „Im Jahr davor waren es noch 160 Euro pro Quadratmeter.“

Begehrt sind die guten Lagen in den zentrumsnahen Villengebieten Potsdams und im nördlichen Babelsberg sowie in Uferlage. „Hier stiegen die Bodenrichtwerte um bis zu 30 Euro pro Quadratmeter“, sagt Schmidt. „Die höchsten Bodenpreise wurden im Stadtzentrum registriert.“ In Toplage wie der Fußgängerzone „Brandenburger Straße“ wurden 790 Euro bezahlt. Das sind 40 Euro mehr für den Quadratmeter – die stärkste Steigerung in der Stadt. In der Berliner Vorstadt nahe der Glienicker Brücke oder im Holländischen Viertel hingegen ist der Quadratmeter 450 Euro wert.

Zu wenige Angebote

Beim Bauland sind 50 der 75 Bodenrichtwerte gestiegen. Die Bodenrichtwerte werden jedes Jahr vom Gutachterausschuss ermittelt. Grundlage sind die getätigten Verkäufe. 23 Prozent mehr wurden für Eigenheimbauland bezahlt. „Nachdem die Preise in den innerstadtnahen Gebieten bereits seit 2006 anziehen, legen sie in den Randgebieten zum vierten Mal in Folge zu“, sagt Schmidt. „Die Baulandpreise werden bei hohem Niveau weitgehend stabil bleiben, in guten bis sehr guten Lagen ist bei einem begrenzten Angebot mit weiteren Preissteigerungen zu rechnen.“ Er stellt fest: „Die Preise in Potsdam nähern sich immer mehr dem an, was in Berlin zu zahlen ist.“

„Die Nachfrage auf Potsdams Immobilienmarkt ist sehr, sehr gut“, bestätigt Büroleiterin Anja Farke vom Immobilienvermarkter „Engel & Völkers“. Derzeit würden einige Eigentumswohnungen gebaut, wie an der Berliner Straße nahe Glienicker Brücke. Im früheren Potsdamer Stadthafen entsteht auf rund 14.000 Quadratmetern am Wasser die Yachthafenresidenz „Havelwelle Potsdam“. Alle 100 exklusiv ausgestatteten Wohnungen – von 55 bis 180 Quadratmeter – bieten einen Blick auf die Havel. Was fehle, seien Angebote für Einfamilienhäuser in der Preiskategorie zwischen 400.000 und 800.000 Euro.

Der Grundstücksmarktbericht ist für 30 Euro gedruckt oder als PDF-Datei bei der Geschäftsstelle des Gutachterausschusses, Stadt Potsdam, Hegelallee 6-10, Tel. 0331-2893182 erhältlich.