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Neue Speicherstadt wird zu Potsdams Top-Adresse an der Havel

Die neue Speicherstadt in Potsdam entlastet den Wohnungsmarkt. Die Zielgruppe ist allerdings klar ausgemacht: Es sind die Besserverdiener, die sich das Wohnen in der Speicherstadt leisten können.

Foto: Ralf Hirschberger / ZB

„Manche haben vielleicht reich geerbt. Und können sich diese neue Adresse leisten.“ Klaus Dethlefsen, Projektleiter der Groth-Gruppe, steht etliche Meter über der Havel, beugt sich weit über die Balkonbrüstung eines Penthouses im Obergeschoss. Motorboote ziehen zu seinen Füßen vorbei. Das Gebäude ist noch unverputzt. Waschbetongrau die Fassade, noch fehlen Farbe und Verkleidung.

Schützende Lappen liegen über dem frisch verlegten Parkett. In wenigen Monaten wird es mit Möbeln zugestellt sein. Die ersten Interessenten sind da. 253 Wohnungen sind auf 11.400 Quadratmeter Fläche im Angebot, davon 155 Mietwohnungen für eine Kaltmiete von rund 11,50 Euro pro Quadratmeter, der Rest sind Eigentumswohnungen.

Doch vorerst wurde Richtfest in der Speicherstadt gefeiert. Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger (SPD) ist zur Feier gekommen, ebenso Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) und der Baubeigeordnete Mathias Klipp (Grüne). „Die Entwicklung der Speicherstadt ist kein einfaches Projekt“, sagt Klipp knapp. Und meint nicht nur das Geld, das Interessierte aufbringen müssen, um in bester Lage an der Havel zu leben. Die Bebauung der ehemaligen Industriebrache aus maroder Mühle, Schlachthof und Speichergebäuden am Wasser hat viel gekostet – und vorab für etliche Überraschungen gesorgt.

Sechs Penthouses waren im Angebot

Vor allem für den Berliner Bauherrn Klaus Groth, der gut 80 Millionen Euro in sein Vorhaben gesteckt hat. Unvermutete 350 Beton- und Stahlpfähle taten sich im Baugrund auf, die gezogen werden mussten, hohes Grundwasser machte Probleme, eine Vielzahl an Gutachten stoppte die Bauarbeiten, gefordert von Denkmalschutz und Gestaltungsrat. Albträume, die Groth ebenso wach hielten wie der Nachweis, dass das vom Quartier eingeleitete Regenwasser nicht die Bundeswasserstraße Havel durcheinanderwirbeln werde.

Kein großer Spielraum für Groth. Anthrazitgrau soll die Fassade der Penthouse-Bauten, darauf ein Pfannendach installiert werden. Forderungen der Denkmalschützer, die Groth zähneknirschend erfüllen musste. Teure Vorleistungen, die jetzt zu Buche schlagen – und zu Lasten der Käufer gehen. Zwischen 2850 Euro und 5200 Euro wird der Quadratmeter in einer Eigentumswohnung kosten. Sechs Penthouses hat Groth dabei im Angebot. „40 Prozent der Eigentumswohnungen sind bereits verkauft“, sagt er. Auch wenn Beurkundungen in Potsdam länger bräuchten als Geschäfte in Berlin. 60 Prozent der Käufer kämen aus Potsdam und Umgebung, 20 Prozent aus Berlin, die übrigen 20 Prozent aus ganz Deutschland.

Potsdam zieht mit gutem Image

Längst vom Markt gefegt sind auch die Mietwohnungen. 50 Einheiten habe er an eine Familie verkauft. 105 seien an eine Institution gegangen, die „Wert auf nachhaltige Preisentwicklung“ lege. Die habe dafür 30 Millionen Euro auf den Tisch gelegt, so Groth. Dem Vernehmen nach soll es sich beim Käufer um die Bayerische Versorgungskammer handeln. „Im März nächsten Jahres werden die ersten Wohnungen bezogen.“ Die letzten Möbelwagen sollen bis Ende 2014 angerollt sein.

Was Groth in den laufenden Vermarktungsgesprächen überraschte: Das gute Image der Landeshauptstadt, das die Interessenten zieht. „Bis Januar 2014 soll der Landtag in das wiederaufgebaute Stadtschloss einziehen und für die Kunsthalle bis Herbst 2014 das Palais Barberini hergerichtet werden“, zählt er Gründe auf. Hauptbahnhof und Autobahn sorgten für eine optimale Verkehrsanbindung, die Wissenschaft sei benachbart angesiedelt. „Das Gelände liegt ideal. Der Aufwand hat sich gelohnt“, zieht Groth ein Fazit. Ein Bekenntnis zur Landeshauptstadt, das Oberbürgermeister Jakobs strahlen lässt.

Wohnungsleerstand unter ein Prozent

Der sieht die Entwicklung der Speicherstadt in direktem Zusammenhang mit dem geplanten, von der Stadt vorangetriebenen Bau des Sport- und Freizeitbades auf dem Brauhausberg. Das soll 2016 fertiggestellt werden. „Städtebaulich gesehen wird hier eine optimale Klammer geschaffen zwischen Brauhausberg, südlichen Vorstädten, historischer Altstadt und Speicherstadt“, hebt Jakobs hervor. Und: „Die Stadt wächst. Was hier entsteht, entlastet den Wohnungsmarkt.“ Auch wenn die Zielgruppe klar ausgemacht ist: Es sind die Besserverdiener, die sich das Wohnen in der Speicherstadt leisten können.

Aber: Von knapp 129.000 Einwohnern im Jahr 1999 sei die Bevölkerungszahl in der Landeshauptstadt inzwischen auf mehr als 160.000 gestiegen. „Der Trend setzt sich fort.“ Der im vorigen Jahr vorgestellte Wohnungsbericht weise einen vermietbaren Wohnungsleerstand von 0,86 Prozent aus.

Weitere Pläne in der Region

Das Mietniveau steigt. Wer in Potsdam leben möchte, muss Geld mitbringen. Eine Marktlücke für Groth. Vor acht Jahren sei er auf die Nische aufmerksam geworden, bei einer Immobilienmesse habe er bei Jakobs nachgefragt. Im Dezember 2011 hatte Groth endlich die Genehmigung zum Bau an der Havel. Nachdem zuvor die privaten Eigentümer der Flächen an der Havel vom städtischen Unternehmen Pro Potsdam ausgelöst wurden.

Wenn dem guten Start auch ein hürdenreicher Weg folgte: Bauunternehmer Klaus Groth hat von der Region trotzdem noch lange nicht genug. Die nördliche Speicherstadt soll entwickelt werden. Laut dem Baubeigeordneten Klipp werde der Bebauungsplan Mitte 2014 stehen. Pro Potsdam sammelt die Interessenbekundungen. Auch Groth ist mit dabei. „Neben dem Wohnungsbau hoffen wir auf qualitativ hochwertiges Gewerbe“, sagt Jakobs.

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