Wohnen im „Speckgürtel“ um Berlin ist weiterhin stark gefragt. Bei den brandenburgischen Wohnungsunternehmen im Umland sind derzeit nur etwa 2700 Wohnungen nicht vermietet. „Die Leerstandsquote ist auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Erfassung im Jahr 1995 gefallen“, gab Maren Kern, Vorstand des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) in Potsdam bekannt. „Sie lag 2013 bei 2,7 Prozent, in Berlin ist sie mit zwei Prozent noch geringer.“ Mit rund 400.000 Wohnungen bewirtschaften die märkischen Mitgliedsunternehmen rund die Hälfte des verfügbaren Mietwohnbestandes. „Die Unternehmen wollen in diesem Jahr ihre Neubauinvestitionen nahezu auf über 95 Millionen Euro verdoppeln“, kündigte die Verbandschefin an. „Bis 2020 sollen 2500 neue Mietwohnungen im Umland entstehen.“
Schwerpunkt des Wohnungsneubaus ist Potsdam. Die Landeshauptstadt wird nach den Prognosen in den kommenden sechs Jahren um weitere 20.000 auf 176.000 Einwohner wachsen. Das ist eine Steigerung von 12,2 Prozent. Der BBU schätzt, dass dort bis 2020 etwa 7500 neue Mietwohnungen benötigt werden. Mindestens 1300 Wohnungen werden die Potsdamer Mitgliedsunternehmen, wie die Pro Potsdam, nach derzeitigen Planungen bauen. Die Bevölkerung wird bis 2020 in der Stadt Teltow, südwestlich von Berlin, sogar um 19,8 Prozent steigen.
15 statt 20 Prozent Steigerung
Allerdings fürchten die Unternehmen gerade beim Neubau Auswirkungen weiterer staatlicher Regulierungen. „Vor allem die derzeit diskutierte Mietenbremse würde die Investitionskraft erheblich einschränken“, warnte Maren Kern. Laut einer Umfrage gehen 80 Prozent der Mitgliedsunternehmen davon aus, dass sie bei weiteren gesetzlichen Beschränkungen der Mietentwicklung ihre Investitionen in den Neubau und energetische Modernisierungen einschränken müssen. „Eine Mietpreisbremse bremst die Investitionskraft der Wohnungswirtschaft.“
Nach einem noch nicht veröffentlichten Gutachten gilt der Wohnungsmarkt in 30 Städten und Gemeinden um Berlin als angespannt. Die rot-rote Landesregierung will nach Informationen der Berliner Morgenpost in diesen Orten eine Mietkappungsgrenze einführen. Laut Paragraf 558 BGB dürfen die Landesregierungen neuerdings die Kappungsgrenze senken. Das bedeutet, dass die Miete innerhalb von drei Jahren nur auf 15 Prozent, und nicht auf 20 Prozent erhöht werden darf.
Nach einem dieser Zeitung vorliegenden Referentenentwurf der sogenannten „Mietkappungsgrenzen-Verordnung“ gilt die Mietbegrenzung künftig unter anderem für Potsdam sowie Kleinmachnow, Nuthetal und Teltow (Potsdam-Mittelmark), außerdem für Blankenfelde-Mahlow, Großbeeren und Rangsdorf (Teltow-Fläming). Im Kreis Barnim für Bernau, Panketal und Werneuchen, in Dahme-Spreewald für Eichwalde, Königs Wusterhausen, Schönefeld, Schulzendorf, Wildau und Zeuthen, im Havelland für Dallgow-Döberitz und Falkensee, in Märkisch-Oderland für Hoppegarten, Neuenhagen und Petershagen, in Oberhavel für Birkenwerder, Glienicke, Hennigsdorf, Hohen Neuendorf, Mühlenbecker Land und Oranienburg sowie Velten. Als angespannt gilt der Wohnungsmarkt auch in Erkner und Schöneiche (Oder-Spree). Die Verordnung soll fünf Jahre gelten.
In den kommenden Wochen soll die geplante Verordnung im Landtag diskutiert werden. Im Juli soll sie dem Landeskabinett unter Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD) vorgelegt werden. Damit könnte sie noch im Sommer in Kraft treten. Brandenburgs Infrastrukturmister Jörg Vogelsänger (SPD) sagte: „Wir wollen weiter für bezahlbaren Wohnraum auch im Speckgürtel sorgen.“
Nach einer Auflistung des Verbandes BBU sind die Netto-Kaltmieten in Wohnungen ihrer Mitgliedsunternehmen derzeit in Potsdam mit 5,30 Euro pro Quadratmeter am höchsten, gefolgt von Potsdam-Mittelmark und Barnim. Am günstigsten wohnt es sich immer noch in der Prignitz mit 4,29 Euro. Nur vier Cent teurer ist der Quadratmeter in Frankfurt (Oder).
43.000 Wohnungen abreißen
Der Verband der Wohnungsunternehmen weist jedoch darauf hin, dass die Nettokaltmieten bei den BBU-Mitgliedern zwischen 2005 und 2013 nominal um 12,2 Prozent auf zuletzt 4,69 Euro im Schnitt pro Quadratmeter und Monat gestiegen sind. Die allgemeinen Preise seien in demselben Zeitraum aber um 13 Prozent angestiegen. „Somit ist die Kaufkraft der Mieteinnahmen sogar gesunken“, so Maren Kern.
Während im Berliner Umland die Wohnungen knapp sind, stehen in den berlinfernen Regionen laut BBU mittlerweile 10,6 Prozent der Wohnungen leer. Landesweit sind es 70.000 Wohnungen und damit 8,3 Prozent. Die meisten Wohnungen blieben 2013 in den Kreisen Spree-Neiße (18,2 Prozent) und in der Prignitz (17,3 Prozent) unvermietet. Seit dem Jahr 2000 entstanden den BBU-Mitgliedsunternehmen nach Angaben von Verbandschefin Maren Kern dadurch Mietausfälle von mehr als 1,7 Milliarden Euro. Zudem belasten Altschulden aus der DDR-Zeit und neue Kredite für Sanierungen die Wohnungsgesellschaften schwer. Infolge des demografischen Wandels und des damit verbundenen weiteren Bevölkerungsrückgangs dürften nach Schätzungen bis 2020 weitere 43.000 Wohnungen nicht gebraucht werden. Diese müssten abgerissen werden. Kern appellierte an die rot-rote Landesregierung: „Wenn das Land eine Fortsetzung des erfolgreichen Stadtumbaus will, muss es den Druck auf den Bund unbedingt erhöhen, sich weitaus stärker an den Abrisskosten beteiligen.“



