Prozess

Opferfamilie im „Maskenmann-Prozess“ sieht keine Motive

Zweimal wurde die Familie eines Berliner Unternehmers vor drei Jahren in Bad Saarow überfallen. Im Prozess vor dem Landgericht in Frankfurt (Oder) kann sich die Familie die Attacken nicht erklären.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Im „Maskenmann-Prozess“ vor dem Schwurgericht Frankfurt (Oder) gab es erneut Kritik an den Ermittlungen. Als Zeuge geladen war am Donnerstag ein sogenannter Mantrailer, der mit speziell ausgebildeten Hunden nach Personen sucht. Der 61-jährige Frank Helmut Becker-Zang sagte aus, dass die Suche mit seinen Hunden aus Kostengründen nach zwei Versuchen abgebrochen und erst fast sechs Wochen später auf Privatkosten fortgeführt worden sei. Ohne diese Pause wäre die Wahrscheinlichkeit viel größer gewesen, den Täter zu finden, so der Mantrailer.

Der Angeklagte Mario K. nahm das gelassen zur Kenntnis. Der 46-Jährige soll im August 2011 und im Oktober 2011 Anschläge auf die Ehefrau und die Tochter eines Berliner Unternehmers verübt und dabei den Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma angeschossen haben. Der Mann ist seitdem querschnittsgelähmt. Vorgeworfen wird Mario K. zudem die Entführung eines Berliner Investmentbankers aus dessen Haus in Storkow am 5. Oktober 2012. Weil der Täter dabei nach Zeugenangaben eine Imkermaske trug, bekam er den Namen „Maskenmann“.

Eine Sicherheitsfirma schützte die Familie

Als Zeuge geladen war am Donnerstag auch der Berliner Unternehmer. Er gab zu Protokoll, dass sein Sohn nach dem Anschlag auf die Mutter im August 2011 eine Sicherheitsfirma mit dem Schutz der Familie beauftragt hatte. In Abstimmung mit der Polizei hatte der Unternehmer 50.000 Euro als Belohnung für Hinweise in Aussicht gestellt, die zur Ergreifung des Täters führen. Letztlich habe dies aber nicht zum Erfolg geführt. Die Familie habe zwischendurch sogar erwogen, eine Summe von 200.000 Euro auszuloben, sagte der 63-jährige Multimillionär.

Es bestätigte sich am Donnerstag erneut, dass die Beweislage in diesem Verfahren, in dem der Angeklagte seine Unschuld beteuert, sehr dünn ist. Der Mantrailer sagte zwar aus, dass die gefundenen Geruchsspuren nach den beiden Überfällen 2011 auf den gleichen Täter hinweisen. Es gibt jedoch bislang keinerlei Beweis, dass es sich dabei um den Angeklagten Mario K. handelt. Widersprüchlich waren zudem die Erkenntnisse, wie der „Maskenmann“ nach dem Überfall im August 2011 das Grundstück in Bad Saarow verlassen hat. Eine Haushälterin hatte zu Protokoll gegeben, der Täter sei an der Hauswand entlanggelaufen. Der Mantrailer war sich dagegen aufgrund der Geruchsspuren sicher, dass der Täter auf direktem Wege durch das Tor des Grundstücks geflohen sei.