Drohung

„Maskenmann-Prozess“ - Gericht nach Bombendrohung geräumt

Der Prozess gegen den mutmaßlichen „Maskenmann“ musste am Montag unterbrochen werden. Grund war ein Drohanruf beim Landgericht in Frankfurt (Oder). Inzwischen konnte Entwarnung gegeben werden.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Der Anblick ist nicht neu: Mario K., bei dem es sich laut den Ermittlern um den berüchtigten Maskenmann handeln soll, schaut von der Anklagebank immer wieder in die Publikumsreihen des Saals 007 des Frankfurter Landgerichts. So, als ginge ihn das Geschehen um den Überfall auf eine Unternehmergattin in Bad Saarow, die missglückte Entführung der Tochter dieser Familie sowie die gewaltsame Entführung eines Bankers in Storkow überhaupt nichts an.

Doch genau diese drei Taten aus den Jahren 2011 und 2012 sind die Hauptanklagevorwürfe, die aus dem Vorgehen des „Maskenmannes“ einen der spektakulärsten Kriminalfälle Brandenburgs machen.

Angeklagter wirkt nervös

Allerdings wirkt Mario K. am 3. Verhandlungstag in dem Verfahren gegen ihn deutlich nervös und unkonzentriert. Hektisch nestelt der 46-Jährige an den Kabeln seines Laptops herum, kritzelt etwas auf seinen Notizblock. Dann wieder mustert er prüfend jeden einzelnen Zuhörer durch die viereckigen Brillengläser, immer wieder, minutenlang – mit deutlicher Wirkung. „Dem möchte ich nicht im Dunkeln begegnen“, flüstert eine ältere Zuhörerin ihrem Nachbarn mit bangem Gesichtsausdruck zu.

Wer sich von den Blicken des Angeklagten weniger beeindrucken lässt, dem scheint es, als würde K. auf jemanden oder etwas warten. Knapp zwei Stunden nach Verhandlungsbeginn ist es dann soweit. Ein Justizwachmann flüstert dem Vorsitzenden Richter Matthias Fuchs etwas ins Ohr, der lässt daraufhin den Saal räumen. Im Foyer des Frankfurter Landgerichts wird sofort klar: Das komplette Gebäude soll schnellstens menschenleer werden. Von überall her strömen Leute zum Ausgang. „Die Zeugenvernehmung wird nachher aber fortgesetzt“, sagt Fuchs der gerade gehörten Zeugin noch im Vorbeigehen.

Zunächst glaubt der Vorsitzende Richter sowie viele seiner Kollegen noch an eine Feuerübung oder Ähnliches. Auf dem Hof des Landgerichts aber macht schnell die Kunde von einer Bombendrohung die Runde. Gegen 9.40 Uhr war demnach der anonyme Anruf eines Mannes im Gericht eingegangen. Zunächst gab es wohl gleich einen Verdacht, dem man zunächst nachgegangen sei, erzählt man sich auf dem Hof.

Verstärkte Sicherheitsvorkehrungen am Landgericht

Die Überprüfung ergab allerdings keine Anhaltspunkte, sodass anderthalb Stunden später doch der Entschluss gefasst wurde, das gesamte Haus räumen und nach einer Bombe durchsuchen zu lassen. Eine Bombe wurde bei der Suche nicht gefunden. Die Drohung habe sich nicht auf einen konkreten Prozess bezogen, sagte ein Gerichtssprecher. Holger Matthiessen, der als Gerichtspräsident an diesem Freitag offiziell in das Amt eingeführt wird, informierte die Belegschaft, die auf dem Vorplatz in kleinen Gruppen zusammenstand.

Zur Polizei hat das Gericht einen kurzen Draht, sowohl der Maskenmann-Prozess als auch die am Montag zeitgleich verhandelte blutige Fehde um verfeindete Rockerklubs werden unter verstärkten Sicherheitsvorkehrungen durchgeführt. Damit hat das Frankfurter Landgericht bereits mehrfach Erfahrungen gemacht. Erst im April sicherte ein starkes Polizeiaufgebot ein weiteres Verfahren ab: Es hatte Morddrohungen gegen einen Rechtsanwalt im Zivilprozess gegen Entertainerin Dagmar Frederic gegeben.

Flucht über den idyllischen Scharmützelsee

Im Maskenmann-Prozess ging es am Montag zu Beginn um die Verletzungen, die K. einer Unternehmergattin am Abend des 22. August 2011 zugefügt haben soll. Immer wieder schlug der mit einer Sturmhaube maskierte Angreifer nach Angaben des Opfers mit einem Schlagstock auf den Kopf ein.

Gerichtsmediziner Bernd Kopetz kann diese Angaben bestätigen. Er hatte die Verletzungen der 61-Jährigen am Kopf und im Gesicht kurz nach ihrer Einlieferung ins Krankenhaus begutachtet. „Die gebrochene Nase und die sieben Platzwunden passen zu einem runden Schlagwerkzeug, ebenso die Hämatome an den Armen, die durch Abwehrbewegungen des Opfers herrühren“, erklärt der Gerichtsmediziner. Der Täter habe mit hoher Intensität zugeschlagen und bei der Frau starke Schmerzen hervorgerufen. Lebensgefährlich waren die Verletzungen laut Kopetz jedoch nicht.

Der Angreifer der Unternehmerehefrau kam vermutlich unbemerkt über den idyllischen Scharmützelsee und flüchtete auf diesem Weg auch wieder – dann allerdings nicht völlig ohne Zeugen. Sie kann sich nur noch daran erinnern, dass der Maskierte nach 22 Uhr plötzlich aus dem Gebüsch auf sie zustürzte. Ihre Haushälterin Helene E. aber, die der Unternehmergattin später zur Hilfe eilte, sah eine dunkle Gestalt um die Hausecke in Richtung See verschwinden, wie sie am zweiten Verhandlungstag ausgesagt hatte.

Gestalt auf dem See

Mehrere Zeugen auf der anderen Seite des zweitgrößten Gewässers Brandenburgs schilderten am Montag übereinstimmend, dass sie gegen 23 Uhr durch ein Plätschern aufmerksam geworden sind. „Ich wollte gerade ins Bett, da sah ich jemanden auf einer Art Surfbrett ziemlich schnell vom anderen Seeufer zu uns herüberpaddeln“, erzählt Karsten H., dessen Wohnhaus auf dem gegenüberliegenden Ufer in Diensdorf steht. Ein paar Minuten später habe er ein Motorrad davonfahren hören. Erkennen konnte der Zeuge eigenen Angaben nach nicht, ob die dunkle Gestalt Mann oder Frau gewesen sei. Aber: „Auf jeden Fall war sie super sportlich und durchtrainiert“, meint H.

So wie er waren auch seine Nachbarn in jener Zeit sensibilisiert, weil am Scharmützelsee gerade in den Nächten eine Menge gestohlen wurde, vor allem Bootsmotoren. „Ich hörte Geräusche vom Wasser und dachte, da sind schon wieder Diebe unterwegs“, erinnert sich einer von ihnen an „hektische Wasserbewegungen“. Er ging zum Ufer und sah ebenfalls eine dunkle Gestalt, die schwamm oder paddelte. Der Prozess wird am Donnerstag mit weiteren Zeugenvernehmungen fortgesetzt.